15 Januar 2021 | Meinung & Kommentare

Korruption ist eben doch endemisch

Der Wahrig erklärt das Wort Korruption wie folgt: „ Bestechung, Bestechlichkeit, moralischer Verfall (innerhalb der Partei).“ Endemisch wird als „einheimisch“ sowie „in bestimmten Gebieten ständig auftretend“ beschrieben.

Bevor die COVID-19-Pandemie im März 2020 den Fokus der verärgerten namibischen Öffentlichkeit weg vom Fishrot-Skandal auf sich lenkte, hatte Präsident Hage Geingob noch erklärt, dass „die Korruption keineswegs endemisch in Namibia“ sei.

Allerdings hatte sich der neue Fischereiminister Albert Kawana nicht als viel offener erwiesen als sein Vorgänger Bernhardt Esau, der die Fischereiunternehmen mehr als 12 Monate lang ohne neue Fanglizenzen hatte hängenlassen.

Und die Antikorruptionskommission (ACC) beschlagnahmte vor Jahresende die elektronischen Geräte von leitenden Mitarbeitern der Walvis Bayer Stadtverwaltung. Seitdem wird untersucht, wie diese Leute zu riesigen Bargeldbeträgen in ihren Büros kamen.

Der namibische Verteidigungsminister versprach die grassierende Korruption in seinem Ministerium zu bekämpfen (hatte er nicht vorher behauptet, dass es diese nicht gebe?).

Im November veröffentlichte das Institut für Öffentliche Politforschung (IPPR) eine kritische Risikoanalyse über die Vorgehensweise der Regierung bei der Notfallbeschaffung (mit Schwerpunkt Ausgaben im Kampf gegen COVID-19). „Die Verwendung oder der Missbrauch nicht wettbewerbsfähiger Beschaffungsmethoden sei nach wie vor höchst umstritten“, hieß es daraufhin in der AZ.

Dies sind nur ein paar Vorbilder. Die Konsequenzen bleiben weiterhin aus und so dienen beide ehemaligen Fishrot-Minister weiterhin im Zentralrat der Swapo. Weil sich so viele Regierungsleute ungeschoren „selbstbedienen“ dürfen, darf es einen nicht wundern, wenn sich pensionierte Generäle Rinder aneignen oder selbst ein Krankenwagen (!) für die Verfrachtung von gewilderten Rindern missbraucht wird!

Bleibt die Frage, wie wild es getrieben werden muss, bevor der Präsident ein Kind beim Namen nennt?

Von Frank Steffen