21 Juni 2019 | Wirtschaft

Konjunktur weiter ohne Schwung

Bruttoinlandsprodukt sinkt im ersten Quartal 2019 erneut um zwei Prozent

Es fehlen Bauaufträge, inmitten der anhaltenden Dürre ist der Viehexport eingebrochen und eine schleppende Nachfrage beutelt den Binnenhandel: die namibische Wirtschaft ist im Schlussquartal 2018 und in den ersten drei Monaten dieses Jahres nochmal stärker geschrumpft als gedacht.

Von Clemens von Alten, Windhoek

Der jüngste Quartalsbericht zum namibischen Wirtschaftswachstum ist ernüchternd: Das namibische Bruttoinlandsprodukt ist in den ersten drei Monaten 2019 um zwei Prozent auf knapp 27,03 Milliarden geschrumpft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem der Wert aller produzierten Waren und Dienstleistungen noch um 0,5 Prozent auf rund 27,6 Mrd. N$ gesunken war. Das teilte das Statistikamt (Namibia Statistics Agency, NSA) gestern in Windhoek mit. Zudem sei auch das Schlussquartal 2018 schlechter ausgefallen als gedacht – statt minus 1,7 Prozent lag der Rückgang bei 1,9 Prozent, wie aktuellere Daten gezeigt hätten.

Meiste Sektoren schwächeln

„In mehr als der Hälfte aller Wirtschaftssektoren hat es in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres eine schwache Leistung gegeben“, heißt es. Das Baugewerbe habe mit einem Rückgang von 27,8 Prozent zu kämpfen, der Groß- und Einzelhandel sei um 6,7 Prozent geschrumpft, genauso wie die Forst- und Landwirtschaft (-6,7%), und im Gastgewerbe habe der Rückgang 8,7 Prozent betragen. Ferner seien in den folgenden Sektoren „leichte“ Rückgänge registriert worden: öffentliche Verwaltung und Verteidigung (-1,2%), Transport und Kommunikation (-0,5%) und Bergbau sowie Gewinnung von Steinen und Erden (-1,1%).

So konnte das Baugewerbe nicht an die Leistung des ersten Quartals 2018 anschließen, als es noch einen verhältnismäßig kleinen Rückgang von nur 0,7 Prozent gegeben hatte. Dem Bericht zufolge ist der enorme Rückgang in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf den Wert der fertiggestellten Bauvorhaben zurückzuführen – diese Summe sei um knapp 37 Prozent eingebrochen im Vergleich zu den beeindruckenden 102,1 Prozent Wachstum im ersten Quartal vergangenen Jahres. Ferner seien abermals weniger staatliche Bauaufträge vergeben worden als im Berichtszeitraum 2018: „Die Staatsausgaben für Bauprojekte sind im ersten Vierteljahr um neun Prozent gesunken im Vergleich zu einem Rückgang von 36,6 Prozent im Vorjahr.“

Dürre wütet weiter

Auch die Forst- und Landwirtschaft habe Verluste hinnehmen müssen: Nach einem kleinen Wachstum von 0,3 Prozent im ersten Quartal vergangenen Jahres, sei im aktuellen Berichtszeitraum ein Rückgang von 6,7 Prozent gemessen worden, was sowohl dem Anbau als auch der Viehzucht zuzuschreiben sei. In der Unterkategorie Tierhaltung habe es einen Rückgang von 8,3 Prozent gegeben, was in erster Linie durch einen Einbruch der Lebendviehexporte nach Südafrika und Angola (-26,5%) verursacht worden sei. Gleichzeitig macht die Trockenheit den Ackerbauern das Leben schwer: Nach einem relativ starken Wachstum in den ersten drei Monaten 2018 (+21,2%) habe es im aktuellen Zeitraum ein Minus von 21,8 Prozent gegeben.

Gleichzeitig habe ein schwaches Verbrauchervertrauen die Nachfrage in der Wirtschaft gedämpft, was sich negativ auf den Gesamtumsatz im Groß- und Einzelhandel ausgewirkt habe: Die Wertschöpfung sei im ersten Vierteljahr nochmal stärker gesunken (-6,7%) als im Vergleichszeitraum vergangenen Jahres (-4,3%). „Zudem setzt die anhaltende Dürre weiterhin das verfügbare Einkommen der Haushalte unter Druck“, heißt es. Ebenso habe es im Gastgewerbe erneut einen Rückgang von 8,7 Prozent gegeben, der allerdings geringer ausgefallen sei als die Minus 17,5 Prozent des Vorjahreszeitraumes.

In einigen Sektoren habe es allerdings auch positive Leistungen gegeben, auch wenn sich die jeweilige Wertschöpfung in Grenzen hält. „Das herstellende Gewerbe und der Bereich für Wasser und Elektrizität haben Wachstum von 3,6 beziehungsweise 2,7 Prozent geschafft“, so das Statistikamt. Ebenso habe es in den Sektoren Gesundheit (+1,3%) und Bildung (+2,4%) jeweils ein kleines Plus gegeben, nach den Rückgängen (-5% bzw. -5,8%) des Vorjahreszeitraumes. „Diese Verbesserung ist einer Lockerung der staatlichen Sparmaßnahmen zu verdanken“, lautet es in dem Bericht.