25 November 2019 | Sport

Hitzige Belgrad-Prüfung für Flicks Bayern - Eis-Endspiel für Bayer

Belgrad/Moskau (dpa) - Der FC Bayern München ist lange durch, für Bayer Leverkusen ist es die letzte Chance. Sportlich brisant ist die Champions-League-Aufgabe der Bundesligisten am Dienstag eigentlich nur für die Werkself, die immerhin noch das Trostpflaster Europa League erreichen will und bei Lokomotive Moskau unter Druck steht. Dennoch reiste auch der Rekordmeister entschlossen nach Serbien, wo bei Roter Stern Belgrad die nächste Spieler-Demonstration für Interimscoach Hansi Flick folgen soll. „Wir wollen genau da weitermachen, wo wir im letzten Spiel aufgehört haben“, sagte FCB-Sportdirektor Hasan Salihamidzic.
Mit zwölf Punkten aus vier Spielen ist den Bayern der Gruppensieg bei fünf Zählern Vorsprung auf Jose Mourinhos Tottenham Hotspur kaum noch zu nehmen. Flick wird es bei seinem ersten Champions-League-Trip mit dem FC Bayern als Cheftrainer in erster Linie darum gehen, weitere Argumente für eine Weiterbeschäftigung über den Jahreswechsel hinaus zu sammeln. „Das Verhältnis zwischen Hansi Flick und dem Club ist wirklich astrein, wir tauschen uns aus und lassen uns überhaupt nicht unter Druck setzen und versuchen unseren Job zu machen“, sagte Salihamidzic zur Perspektive des neuen Mia-san-Mia-Erfolgscoaches.
Drei Spiele, drei Siege, 10:0 Tore - die bisherige Bilanz des 54 Jahre alten Nachfolgers des beurlaubten Niko Kovac ist makellos. Das soll auch ohne den werdenden Vater David Alaba so bleiben. Für den Österreicher bekommt der zuletzt gesperrte Jérôme Boateng eine neue Bewährungschance. „Wir haben nach vier Spielen vier Siege auf dem Konto“, stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zufrieden fest. Er hofft auf die Vereinsbestmarke von sechs siegreichen Gruppenspielen. „Das wäre doch ein schöner Rekord, lieber Hansi.“ Schon beim 2:0 gegen Olympiakos Piräus stand Joachim Löws Weltmeister-Assistent in der Verantwortung.
Während sich die Bayern auf eine besonders hitzige Atmosphäre im Stadion Rajko Mitić gegen das Team um den früheren deutschen Nationalspieler Marko Marin einstellen, bekommt Bayer ein Endspiel im Eisschrank. Zum 100. Champions-League-Spiel in der Bayer-Historie bei Lokomotive Moskau werden zweistellige Minusgrade erwartet.
Für Rudi Völler ist die Kälte aber kein großes Problem. „Es ist ein Alles-oder-Nichts-Spiel. Deshalb erwarte ich trotz der Minusgrade einen heißen Fight“, sagte der Sportchef: „Ich finde die Kälte gar nicht so schlimm. Auf jeden Fall ist das keine Ausrede.“
Leverkusen hat wie Moskau erst drei Punkte und ist Tabellenletzter. Im Fall einer Niederlage wäre das vorzeitige Europapokal-Aus besiegelt. Selbst eine zweite Chance in der Europa League im neuen Jahr wäre dann dahin. „Wir wissen, worum es geht“, sagte Völler: „Aber durch den den tollen Sieg gegen Atlético haben wir wieder alles in eigener Hand.“
Nach dem 2:1 gegen den zweimaligen Finalisten ist Leverkusen trotz des 1:2 im Hinspiel nun punktgleich mit Lok, liegt im Direktvergleich aber noch hinten. Heißt: Bei einem Sieg mit zwei Toren Unterschied oder einem Tor Differenz bei mindestens drei erzielten ist Bayer das Überwintern in der Europa League sicher. Eventuell gibt es dann sogar noch ein Endspiel um das Weiterkommen in der Champions League.
Leverkusen-Coach Peter Bosz hat aber Verletzungssorgen. In Kai Havertz und Mitchell Weiser sowie dem gesperrten Nadiem Amiri fehlen drei Stammspieler, in Julian Baumgartlinger ist ein vierter fraglich.
Moskaus deutscher Weltmeister Benedikt Höwedes sieht ausgeglichene Chancen. „Wir haben Respekt vor Leverkusen, logisch. Aber Angst müssen wir keine haben“, sagte der 31-Jährige.
Foto: dpa