24 April 2019 | Leserpost

Genozid: Ja oder Nein?

Betr.: Genozid-Dogma aufgefrischt & Im eigenen Saft schmoren (AZ, 1.4 & 2.4.2019)

Eine kurze und einfache Definition von Völkerrecht lautet: „Plicht und Rechte der Völker in Zeiten von Krieg und/oder Frieden.“ Gibt es etwas Ähnliches in Sachen Genozid? Ja, es gibt eine Konvention, die 1948 von der UNO erstellt wurde. Doch dann hören wir gleich - besonders von Historikern und Politikern aus dem Ausland: „Ja, aber…“

Also warum dieses zitieren, wenn wir uns bemühen, uns kurz zu fassen? Ja, auch ich bin Namibier deutscher Abstammung und zwar in dritter Generation und lebe zufrieden in unserem schönen Land außer zu Zeiten, wenn Unwahrheiten und Geschwätz meine Einstellung zur Gerechtigkeit rebellieren lassen. Liebe „Südwester”, lasst uns zusammenstehen und protestieren, so wie es die Schüler tun, die inzwischen jeden Freitag gegen die Klimapolitik ihrer Regierungen protestieren!

Mein Großvater wanderte 1895 als Siedler hier ein und erwarb 1901 Farmland im Tausch gegen Ochsen vom Herero-Unterkapitän Manasse aus Omaruru. Die Historiker werden gleich rufen, dass Manasse nicht dazu berechtigt war, Land zu veräußern. Aber derselbe Manasse „schenkte“ dem Damara-Volk seinerzeit alles Land westlich von Okombahe bis an den Atlantik. Dieses Gebiet ist heute noch bekannt als Damaraland und das ist rechtsgültig. Warum soll dann der Farmverkauf an meinen Großvater rechtswidrig sein?

Weitere Tatsache: Nach Mahareros Schiessbefehl „alle Weißen zu töten, außer…“ wurde auch diese Farm überfallen und sämtliches Vieh abgetrieben. Alle ansässigen Weiße der Siedlung Okombahe, zogen sich in das Fort zurück. Als Leutnant Franke Omaruru entsetzt hatte, gaben die Herero die Belagerung Okombahes auf und schlossen sich den Stammesgenossen an, um später in der entscheidenden Schlacht bei Hamakari mitzukämpfen. Am Abend vom 11. August 1904 waren beide Mächte, die Herero und die Schutztruppe, am Ende ihrer Kräfte. Am nächsten Morgen waren die Herero abgezogen, und zwar freiwillig. Wie sich dann herausstellte, nach Osten in die wasserlose Kalahari, Richtung Betchuana-Land: Krieger, Frauen, Kinder, Vieh, einfach alles und zwar in riesiger Anzahl. Diese Flucht vor dem Feind führte wahrscheinlich zum Verdursten. Das geschah freiwillig, doch waren sich die Herero dieser Gefahr bewusst? Dass es zu diesem Zeitpunkt im Jahr dort kein Wasser gab, war Ortskundigen bekannt. Was trieb sie also in den sicheren Tod? Nicht die Schutztruppe.

Der Befehl General von Trothas nach dem Abzug der Herero lautete: Verfolgt die Hereros. Eine Kampftruppe wurde zusammengestellt und nahm im Morgengrauen vom 13. August die Verfolgung auf. Es fanden keine Kampfhandlungen an dem Tage statt. Diese Truppe gab in der Nacht ihre Verfolgung auf und musste zurückkehren. Inzwischen war auch von Trothas berühmt-berüchtigter Befehl ergangen. Der erste Teil dieses Befehls richtete sich an die Herero, jedoch ohne dass sich diese dessen bewusst waren. Der zweite Teil war an die Truppe gerichtet und befahl den Feind nicht zu töten sondern nur zu vertreiben. Doch beeinflusst hatte dieser Befehl die Kampfhandlungen nicht, weil eben gar keine erfolgt waren. Politisch gesehen war der Befehl allerdings brisant und wird auch heut noch meistens falsch zitiert.

Jede kriegerische Auseinandersetzung bringt Tod und Elend mit sich Doch die Tragik ereignete sich erst, als die Herero führerlos sowie mittellos umherirrten und irgendwann gefangengenommen und versorgt werden mussten. Die damalige Verwaltung war damit überfordert und musste versagen, weil ihr einfach die Mittel dazu fehlten. Ja, es geschah viel Unmenschliches. Aber ein vorsätzliches töten der Gefangenen: ganz entschieden NEIN.

Eberhard Mercker, Swakopmund