03 Dezember 2019 |

Gegenwehr mit Leben bezahlt

„Bedauerlicher“ Vorfall: Polizei ermahnt Bevölkerung zur Kooperation

Polizisten begeben sich tagtäglich in brenzlige Situationen. Eine Konfrontation mit Kriminellen kann schnell für die Beamten gefährlich werden. Manchmal sind es nur Kratzer, Prellungen und Bisswunden. Doch es kommt es auch vor, dass Schüsse fallen – wie am vergangenen Wochenende.

Von Clemens von Alten

Windhoek

Verdeckte Ermittler sahen sich bei einem Zugriff gezwungen, tödlich Gewalt anzuwenden, was dem gesuchten Tatverdächtigen das Leben gekostet hat. In einem getrennten Fall war es ein Polizist, auf den geschossen wurde und der im Hospital landete. Das berichteten die Behörden gestern schriftlich in Windhoek und ermahnten die Öffentlichkeit erneut, der Polizei gegenüber nicht gewalttätig zu werden: „Sollte es vorkommen, dass jemand meint, die Polizisten würden ihre Pflicht verletzen, kann das auf dem Polizeirevier geklärt werden.“



Verdächtiger wehrt sich

Bei dem Verstorbenen handele es sich um einen gewissen John Dausab – laut den Behörden ein „gesuchter Verbrecher“, der in mehreren Diebstahlfällen gegen Kaution auf freiem Fuß gewesen sei. Die Ermittler hätten den Aufenthaltsort des Gesuchten ausfindig gemacht, der anschließend am späten Sonntagabend im Windhoeker Stadtteil Katutura verhaftet werden sollte. „Allerdings war der Tatverdächtige aufsässig und widersetzte sich einer Festnahme“, so die Polizei. Schließlich soll zunächst ein Freund des Beschuldigten eine Flasche nach den Beamten geworfen haben und geflohen sein.

Ein Polizist habe die Verfolgung aufgenommen, während der andere weiterhin versucht habe, Dausab in Gewahrsam zu nehmen. „Der Tatverdächtige wehrte sich erneut, griff den Ermittler mit einem unbekannten Objekt an und verletzte ihn an der rechten Hand“, heißt es. Schließlich habe der Beamte einen Warnschuss abgefeuert, doch der Verdächtige habe ihn erneut angegriffen, woraufhin der Polizist aus Notwehr erneut geschossen und Dausab in den Unterleib getroffen habe.

„Das ist ein unglücklicher und bedauerlicher Vorfall, den man hätte vermeiden können, wenn die Tatverdächtigen mit den Ermittlern kooperiert hätten, die lediglich eine rechtmäßige Festnahme durchführen wollten“, erklärte Polizeisprecherin Kauna Shikwambi. „Wir haben schon immer betont, dass die Öffentlichkeit mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten muss.“



Polizist im Krankenhaus

Einen anderen Sondereinsatz musste ein uniformierter Beamter am vergangenen Freitag beinahe mit dem Leben bezahlen. Verdeckte Ermittler waren in Windhoek Betrügern auf der Spur, die sich als Polizisten ausgegeben und so einem 83-jährigen Rentner über mehrere Monate um rund 300000 Namibia-Dollar entwendet haben sollen. An dem Tag hätten die mutmaßlichen Täter von dem Opfer erneut 4500 N$ und ein Mobilfunkgerät verlang.

Verdeckte Ermittler hätten den Tatverdächtigen anschließend eine Falle gestellt: Es wurde ein Treffen zwischen dem Opfer und den Betrügern gegen 14 Uhr bei der Verkehrsprüfstelle Natis im Nördlichen Industriegebiet arrangiert. „Doch als die Beamten sich den Tatverdächtigen näherten, ergriffen sie die Flucht – einer zu Fuß, die anderen in einem Fahrzeug“, schildert die Polizei das Geschehen in dem Bericht. „Der eine Flüchtige konnte zwar gestellt werden, doch dabei wurde ein Polizist angeschossen und verletzt.“ Das Geld sowie das Handy seien wieder sichergestellt worden. Allerdings sei den anderen Verdächtigen die Flucht gelungen.

Weniger folgenschwer, doch ebenso ernst wird ein Fall bewertet, bei dem ein 24-Järiger Freitagnacht auf einer Farm nahe Stampriet Widerstand geleistet habe. Der Tatverdächtige sei „handgreiflich“ geworden und soll den verhaftenden Polizisten bei der Festnahme in den rechten Oberschenkel gebissen haben. „Es hat keinen Sinn, mit Polizisten zu kämpfen, ihnen zu drohen und sie in ihrer Arbeit zu behindern“, erklärte die Pressesprecherin weiter. „Es die falsche Herangehensweise, und Situationen dieser Art haben meist ein verheerendes Nachspiel.“