27 Dezember 2007 | Lokales

Erst Geld dann Patient?

Windhoek - Sie müssen N$ 1400 in bar bezahlen, ansonsten kann der Patient nicht von einem Krankenhaus in das andere gefahren werden. Der Anruf kam um 23.30 Uhr. Wo sollte man um diese Zeit soviel Bares auftreiben und wie sollte dies ein vor wenigen Stunden zuvor mit einem Flugzeug in Namibia angekommener Besucher bewirken. Könnte der Betrag nicht von der bei dem Krankenhaus per Kreditkarte hinterlegten Betrages von N$ 20000 abgezogen werden? Dies sei nicht möglich. Könnte der Betrag nicht am nächsten Morgen, Tag, beglichen werden? Nein, die Anordnungen verlangen eine Vorrauszahlung. Anruf beim Geschäftsführer des privaten internationalen Unternehmens, der sauer war, dass er mitten in der Nacht angerufen wurde und darauf hinwies, dass eine Dienstleistung bezahlt werden müsse. Man könne auch nicht ein Auto erst fahren und dann bezahlen.

Der Patient wurde die 2,9 km von dem einen Krankenhaus in die Intensivstation des anderen gebracht, die N$ 1400 am nächsten Vormittag nach 11 Uhr per Kreditkarte bezahlt, nicht wie vom Geschäftsführer verlangt um Punkt 8 Uhr am nächsten Morgen. Nach dem mitternächtlichen Gespräch hatte der Dienst habende Arzt gesagt, dass er die städtische Ambulanz bitten werde den Auftrag zu übernehmen, aber das private Unternehmen übernahm doch den Transport..

Zwei Tage später aus heiterem Himmel wieder ein Anruf desselben privaten Rettungsunternehmens. Die angerufene Person sei für die Bezahlung verantwortlich und müsse den Betrag vor dem Transport begleichen. Welchen Transport und warum? Der Patient müsse zum Zentralen Staatskrankenhaus für eine Computertomographie gebracht werden. Wieso, was ist los? Man sei nicht für die Bezahlung verantwortlich, sondern nur die Kontaktadresse. Anruf bei dem behandelnden Arzt. Ja, der Patient muss zu dem staatlichen Krankenhaus und anschließend in ein weiteres Privatkrankenhaus mit Intensivstation. Kurz darauf teilte der Arzt mit, dass das private Unternehmen den Auftrag nicht übernehme, man werde den Rettungsdienst der Stadt Windhoek bitten. Einige Zeit später meldete sich der Ambulanzdienst der Stadt und berichtete, dass der Patient im Staatskrankenhaus sei und später in ein Privatkrankenhaus gebracht werde. Dies würde zusammen etwa N$ 1050 kosten und die Rechnung werde persönlich vorbeigebracht. So geschah es auch, ohne Probleme.

Die AZ wollte von dem städtischen und einem privaten Notdienst wissen, wie sie sich verhalten, wenn ein Anruf erfolgt und wie die Einätze berechnet werden. Sind anfänglich die Kosten wichtiger als der Patient?

"Wir rücken aus wenn wir um Hilfe gebeten werden, egal ob es sich um einen Unfall oder Transport eines Patienten handelt. Anschließend regeln wir die Bezahlung der Rechung", sagte Windhoeks amtierender Feuerwehrchef Raymond Kapia. Der einzige voll ausgebildete Rettungssanitäter bei der städtischen Feuerwehr, Wilhelm van Niekerk sagte, dass die Ambulanzdienste in drei Kategorien eingeteilt seien und dementsprechend mit Personal besetzt und letztendlich der Einsatz bezahlt werden muss. Dies gilt für die Ambulanz der Stadt Windhoek sowie für die privaten Rettungsdienste im Lande. Es steht ein Preis für die ersten 45 Minuten und für 60 Minuten fest und anschließend werden alle darauf folgenden 15 Minuten berechnet. Kostet ein Einsatz der Kategorie basischer (basic life support) Noteinsatz z.B. N$ 500, würde der fortgeschrittene (intermediate life support) Einsatz N$ 750 und der volle (advanced life support) Einsatz N$ 1500 kosten. NAMAF (Association of Medical Aid Fund) würde am Anfang eines Jahres die Höchstpreise festlegen, die von Krankenkassen bezahlt werden müssen. Private Unternehmen würden jedoch mehr verlangen und die Kunden müssen den Betrag über dem festgelegten NAMAF-Tarif selbst zahlen. "Bevor wir ausrücken versuchen wir soviel Informationen wie möglich zu erhalten und entschließen dann in welcher Kategorie der Einsatz durchgeführt wird, sagte van Niekerk. Ihm zufolge gebe es in Namibia nur acht oder neun voll ausgebildete Rettungssanitäter seiner Klasse. Die Sanitäter der Windhoeker Feuerwehr haben verschiedene Kurse belegt und werden weiter ausgebildet.

"Wir rücken zu jedem Einsatz aus. Wir versuchen bei einem Anruf in Erfahrung zu bringen, wer die Rechnung begleichen wird, aber dies ist nicht die Priorität in einem Notfall", sagte Maggie de Waal von E-Med Rescue 24. Es gebe immer wieder Einsätze die letztendlich nicht bezahlt würden, aber die meisten Kunden würden ihre Rechnungen begleichen. "Nur wenn wir jemanden zum Internationalen Flughafen bringen müssen, verlangen wir die Bezahlung vorweg", sagte de Waal. Dies sei auch der Fall bei den Windhoeker Rettungsdiensten, so van Niekerk.