03 Dezember 2012 | Leserbriefe

Erinnert an verwöhnte Kinder

Bald ist wieder Weihnachten. Die aufgestockte Hilfe aus deutschen Steuermitteln erreicht Namibia damit rechtzeitig.

Die deutschen Siedler haben mit Einsatz aus dem Nichts eine Infrastruktur geschaffen, die in Afrika ihresgleiches sucht. Ihre verwandtschaftlichen Beziehungen tragen immer noch durch weitere Hilfsgelder aus Übersee zum Neubau von Schulen und zur Existenzgründung mittelloser einheimischer Siedler durch Kleinviehbeschaffung bei, weil Resourcen hier knapp und Fachkräfte verloren gegangen sind sowie die Ausbildung hinterher hinkt und der Arbeitseinsatz bedenklich schwach ist. Dabei ist die Geburtenrate hoch, natürliche Wasserläufe an den Grenzen und erneuerbare Energiequellen sind ausreichend vorhanden, der Kapitalzufluss ist da; und bei weisem Umgang mit der Natur ließe sich aus Wüste ein Garten schaffen - Israel schaffte es so.

Was ist es, das die Beziehung zwischen Deutschland und dem Commonwealth-Land Namibia so besonders macht? Auf laufende Anwürfe hiesiger promineter Politiker antwortet Deutschland mit einer 50%igen Anhebung seiner Zuwendungen durch eine einseitige Sonderinitiative, weil namibische Stellen den langsamen Arbeitsgang eingeschaltet haben - wohlwissend, wie hochtourig die Inflation hierzulande läuft und die Armut stimuliert. Deutschland aber steht zu seinen Zusagen und will begonnene Projekte fertigstellen. Falls es nicht gelingt, kann es sich weiterer Vorwürfe gewiss sein.

Die Gelder dienen dem Bildungswesen, denn für Schulbau reichen hier die Mittel nicht - noch nicht einmal zum Erhalt von Schulen und Heimen, die sich der Staat von seinen Schülern demolieren lässt. Auch was mit den "Bokkies" bereits geschah, die von einigen Empfängern entgegen der Absicht, sie zu vermehren und den Vorteil weiter zu reichen, als kurzfristiger Profit betrachtet wurden, erinnert an verwöhnte Kinder, die in einem ungepflegten Kraal von Papa nur bockig fordern.

Langfristig wird Selbstverständlichkeit nur für den möglich, der seinen Lebensstandard erarbeitet hat. Wenn diese Einsicht zu Wohlstand für alle nicht kommt, sind die bisherigen 700 Millionen Euro und über 70 Millionen Euro dieses Jahr in ein Fass ohne Boden gegeben.

Dass selbst Lehrern bei mangelndem Lehreifer ihr Gehalt ungenügend erscheint und Schüler zum Werkzeug ihrer Forderungen werden, die aufgrund des Vorbildes morgen auf der Straße stehen, macht eine dramatische Entwicklung deutlich, der selbst höchste Regierungskreise seit langem nur schüchterne Wortmahnungen folgen lassen, die keiner mehr ernst nimmt. Der ideale Nährboden für die nächste Runde im Arbeitskampf auf dem Schulgelände ist gelegt. Keiner soll glauben, Lehrer, die meinen, fordern zu können, können zufrieden sein und ihre Unzufriedenheit wird sich bei den Schülern nicht niederschlagen. Was helfen neue Schulen, wenn der Geist, der in ihnen weht, auf Sand gebaut ist?

Eine zukünftige Unterstützung zur Förderung erneuerbarer Energie als Vorbild einer kostengünstigeren Energieversorgung gegenüber teurem Kohlestrom ist dagegen sinnvoll in einem Land mit einem kostspieligen Stromnetz, so dass mehr und mehr Menschen sehen: Es lohnt sich, umzudenken.

Bernd Seefeldt, Swakopmund