06 Dezember 2012 | Freizeit

Einen dicken Fang an der Leine

Nur die ganz Harten lädt sie zum Baden ein, beziehungsweise wenn die Außentemperaturen hoch genug sind - die Küste Namibias. Schuld daran ist der Benguela-Strom.
Dieser Strom kommt direkt vom Südpol und bringt deshalb eisig kaltes Meereswasser mit. Doch das hat auch seinen Vorteil, denn damit ist er für den Fischreichtum an der Atlantikküste verantwortlich. Und das kommt vor allen den Sport- und Hobbyanglern zu Gute.
Egal ob vom Strand oder vom Boot aus: Mit etwas Geschick, Geduld und Erfahrung werden die Freizeitfischer mit einem reichen Fang belohnt.
Zu dem sogenannten Leinenfisch zählen in diesen Gefilden allen voran die Westküsten-Streifenbrasse oder auch Weißfisch (Steenbras) genannt sowie der Afrikanische Adlerfisch (afrikaans: Kabeljou). Doch auch Galjoen und Atun (Snoek) lassen sich zwischen Henties Bay und Sandwich Hafen, bzw. Ugab-Mündung an Land, bzw. ins Boot holen.

Der kommerzielle Fischfang konzentriert sich hingegen auf Seehecht (Hake) und Sardinen (Pilchard). Kingklip (Familie der Bartmännchen), Seezunge (Sole), Seeteufel und Angelfish gelten als Beifang zum Seehecht.
Dadurch, dass der meiste Fisch direkt für Export nach Europa geht, sind diese Fischarten relativ unbekannt. Was schade ist, denn es sind exzellente Speisefische.

Neben Angelzeug sollte auch ein Maßband oder ein Lineal zur Ausrüstung zählen, denn jeder Angler muss so fair sein und auf die vorgegebene Mindestgröße achten. Ende 2001 wurde vom Ministerium für Fischerei und Meeresressourcen extra dazu ein Gesetz verabschiedet. Es verbietet zum Beispiel den Fang von zu kleinen Fischen. Ist die vorgeschriebene Mindestgröße nicht erreicht, muss der Fisch lebend zurück ins Meer gebracht werden. Auf keinen Fall sollen die Fische geworfen werden, da sonst die Schwimmblase platzt und sie dann verenden.

Prinzipiell wird die Länge von Kopf bis zur Schwanzflosse gemessen. Bei einem Galjoen darf sie nicht unter 30 cm liegen. Der Afrikanische Adlerfisch und die Westküsten-Streifenbrasse dürfen jeweils 40 cm nicht unterschreiten. Außerdem dürfen täglich nicht mehr als zwei Afrikanische Adlerfische, die länger als 70 cm sind und nicht mehr als zwei Westküsten-Streifenbrassen mit einer Länge von je 65cm incl. Kopf und Schwanzflosse, gefangen werden.
Was ebenfalls zu beachten gilt, ist, dass das Fische fangen nur mit einem gültigen Angelschein erlaubt ist. Dieser ist beim Ministerium für Fischerei und Meeresressourcen und in Henties Bay oder bei der örtlichen Polizeistation erhältlich. Ein Angelschein kostet nach wie vor 14 N$ pro Monat oder 168 N$ pro Jahr und wird nur nach Vorweisung eines gültigen Personalausweises oder Führerscheins ausgestellt. Auch gilt als Regel, dass nicht mehr als 30 Katzen-Kreuzwelse "Katfisch" pro Tag gefangen werden und nicht mehr als 20 Atun "Snoek". Pro Tag darf nur ein Hai an Land gezogen werden und die totale Fangquote darf nicht mehr als zehn Fische pro Angler betragen.
Was erwartet den hungrigen Fischer, wenn er seine Beute am Abend auf den Grill legt, außer saftigem, zartem Fleisch, das auch gut für die Gesundheit ist?

Die Westküsten-Streifenbrasse eignet sich gut zum Grillen. Jeder Angler oder Fischer hat so seine Lieblingszutaten, mit denen das zarte Fleisch noch weiter aufgewertet wird.
Den Afrikanischer Adlerfisch kann man gut in der Pfanne braten. Er eignet sich zwar auch zum Grillen, doch tendiert das Fleisch dazu, schnell trocken zu werden.
Das Fleisch des Galjoun ist recht fett, deshalb eignet er sich gut zum Grillen.
Atun wird zwar meistens geräuchert, doch manche legen diesen Fisch auch gerne auf den Grill. Das Fleisch ist sehr schmackhaft, allerdings wird es schnell zu trocken und enthält außerdem viele Gräten.

Der Seehecht stammt aus der Familie der Dorsche. Da er in Tiefen bis zu 1000 m lebt, wird er vornehmlich mit Schleppnetzen und langen Leinen gefangen. Sein Fleisch eignet sich gut zum Braten in der Pfanne oder im Backofen. Gerne wird er für den Klassiker Fish & Chips verwendet.
Der Kingklip ist oft dabei, wenn die Netze mit Seehecht ins Boot geholt werden, da er in großen Tiefen zwischen 250 und 500 m lebt. Sein Fleisch ist sehr beliebt in der Fischküche, da es kaum Knochen, bzw. Gräten enthält und sich gut braten, bzw. im Ofen zubereiten lässt.
Seezunge wird bis zu vier Kilo schwer. Es ist ein ausgezeichneter Speisefisch, der am Besten mit Butter in der Pfanne gebraten wird.
Das feste Fleisch des Seeteufels, der in einer Tiefe zwischen 200 und 400 Metern lebt, eignet sich am Besten für Fischspieße und Suppen. In Europa zählt er zu den teuersten Fischen.

Der Angelfisch eignet sich gut zum Grillen. Auch bietet er eine gute Alternative zum Gal-
joen. Geräuchert schmeckt er ebenfalls sehr gut. Doch wird sein Fleisch schnell trocken.
Sardinen landen zumeist in Dosen (Dosen-Pilchard). Doch frisch auf den Grill gelegt, schmecken sie sehr lecker. Sie können auch als Alternative zum Hering eingelegt werden.
So haben die Angler und Fischer gleich einen doppelten Genuss: erst den des Angelns selbst und dann den Verzehr des Fangs.