29 Mai 2015 | Polizei & Gericht

Doppelte Revision eingelegt

Windhoek (ms) • In einem ungewöhnlichen Fall doppelter Revisionsanträge hat sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung gegen die Verurteilung des mutmaßlichen Triebtäters Epafraditus Unengu (34) bzw. das ihm auferlegte Strafmaß Berufung beantragt. Verteidiger Sisa Namandje begründete seinen Revisionsantrag damit, sein Mandant hätte nicht in einem von insgesamt zwei Anklagepunkten schuldig gesprochen und demnach auch nicht zu 12 Jahren Haft verurteilt werden dürfen. Schließlich habe die Staatsanwaltschaft nicht eindeutig nachgewiesen, dass Unengu am 9. Juli 2011 einer Frau eine Mitfahrgelegenheit von Nkurenkuru zu ihrem Dorf gegeben und sie auf dem Weg dorthin sexuell missbraucht habe (AZ berichtete). Ankläger Dominic Lisulo will das Urteil ebenfalls anfechten, weil der Ingenieur Unengu nach seiner Auffassung nicht auf den Vorwurf der Vergewaltigung und des versuchten Mordes in einem weiteren Fall hätte freigesprochen werden dürfen und folglich eine Haftstrafe von „mindestens 20 Jahren“ verdient habe. In diesem Anklagepunkt war dem Beschuldigten zur Last gelegt worden, am 6. November 2012 in Windhoek das mutmaßliche Opfer A. in seinem Wagen mitgenommen und mit ihr ins nördliche Industriegebiet gefahren zu sein, wo er sie gewürgt und sexuell missbraucht haben soll. Unengu war am 24. Februar von Richter Christie Liebenberg schuldig gesprochen und am 5. März wegen Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung zu 12 Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden. Obwohl Liebenberg Unengus Version eines einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs auch im Falle des zweiten mutmaßlichen Übergriffs in Windhoek für „zweifelhaft“ hielt, war er zu dem Schluss gekommen, diese Straftat hätte ihm wegen widersprüchlicher Angaben des mutmaßlichen Opfers und mangelhafter Polizeiermittlung nicht nachgewiesen werden können.