28 Juli 2021 | Geschichte

Die Guanoinsel auf Bird Rock (12. Folge)

Das Lebenswerk eines Mannes, der durch Fleiß, Ausdauer und den Glauben an seine Idee endlich zum Erfolg gelangt

Im Jahre 1930 begann Adolf Winter auf dem besagten Felsen den ersten „Tisch“, der ca. 4x4m groß und ca. 3m hoch war, zu bauen. Es war ihm klar, daß nur eine Konstruktion, die dem Wasser möglichst wenig Widerstand bot, den Gewalten der Natur standhalten würde. Nachdem sich seine Überlegungen als richtig erwiesen hatten und die Vögel sich auf der Plattform angesiedelt hatten, erweiterte er, sofern es seine bescheidenen Mittel zuließen, diese Plattform bis zu ihrer heutigen Größe von 17000qm.

DIE VÖGEL:

Bewohner Bird Rocks - Kapitel 4 (Teil 2/2)

Außer diesen guanospendenden Kormoranen brüten auch der Rosapelikan (Great White Pelican, Pelecanus onocrotalus) und die Dominikanermöwe (Kelp Gull, Larus dominicanus) auf Bird Rock.

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An der namibischen Küste ist die einzige Brutkolonie dieser Vögel auf Bird Rock, und man schätzte sie 1993 auf etwa 150 Paare. In Südafrika und Namibia zahlt der Rosapelikan zu den seltenen Vogelarten. Für die Kormorane der Insel ist der Pelikan ein unwillkommener Mitbewohner, da er ihnen das Gelege raubt und auch ihre Jungvögel verspeist.

Der Guano der Pelikane enthalt weniger Stickstoff als der der Kormorane und gilt daher als minderwertiger.

Charakteristisch für den Pelikan ist sein langer weiträumiger Schnabel mit dem beutelartigen, dehnbaren Kropf. Der Kropf ist nicht die „Speisekammer“ des Vogels wie so oft angenommen wird, sondern ein Fischfangmechanismus. Unter Wasser schwillt der Kropf heraus wie ein Netz, und der Pelikan kann hiermit die Fische aus dem Wasser schöpfen.

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Fischen ist bei den Pelikanen Gemeinschaftsarbeit. Sie fliegen nebeneinander her und treiben den Fischschwarm in flächere Gewässer, wo sie leichter zu erbeuten sind. Die Pelikankolonie auf Bird Rock ernährt sich in Sandwichhafen, in der Lagune von Walvis Bay und gelegentlich auch im offenen Meer.

Die Dominikanermöwe ist eine der drei Möwenarten, die im südlichen Afrika brüten. Im Jahre 1993 brüteten fünf bis zehn Paare auf Bird Rock. Diese schwarzweißen Möwen sind recht groß und haben einen mächtigen gelb- und orangefarbenen Schnabel.

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Als regelrechter Raubvogel ist er ein ungern gesehener Mitbewohner in Vogelkolonien, der sich keine Gelegenheit entgehen läßt, unbewachte Eier und Kücken mit einem schnellen Sturzflug zu stibitzen. Er frißt auch gerne die übergebliebenen Innereien der Fische, die auf Booten oder am Strand gefangen wärden. Muscheln erbeutet er sich, indem er im seichten Wasser herumtrampelt. Um sie dann zu öffnen, 16.13t er sie aus einer Höhe von etwa 15 m herabfallen. Die Dominikanermöwe entreißt anderen Vögeln auch gern ihre Beute.

Natürlich gibt es außer den brütenden Bewohnern der Guanoinsel auch noch andere Seevögel, die Bird Rock gelegentlich einen Besuch abstatten.

Die Hartlaubsmöwe (Larus hartlaubii) gibt es nur entlang des kalten Benguelastromes. Sie hat sich so sehr an die Nähe des Menschen gewöhnt, daß sie sich selbst in Kapstadt angesiedelt hat. Als berichtigter Aasfresser ist sie viel auf Mullplätzen anzutreffen.

Die Flamingos (Phoenicopterus ruber) sind unverkennbar graziöse Vögel mit ihren langen Beinen und Hälsen und dem stark gebogenen rosa Schnabel. Im Flug geben sie ein prächtiges Bild ab, wenn die hübsche rosarote Farbe auf der Unterseite ihrer Flügel sichtbar wird.

Der kleine Steinwalzer (Turnstone, Arenaria interpres) ist ein Zugvogel, der in der arktischen Tundra brütet und die afrikanische Küste von September bis April besucht. Auf der Suche nach winzigen Schalentierchen dreht er mit seinem kurzen robusten Schnabel kleine Steine um und durchwühlt das darunterliegende.

Der scheue Kiebitzregenpfeifer (Grey Plover, Pluvialis squatarola) ist auch ein Zugvogel, der im nördlichen Europa, in Asien und Amerika brütet und im Süden überwintert. Er verhält sich wie alle Kiebitzarten: läuft, halt an, pickt eventuell etwas zum Fressen auf, beugt sich vornüber, hebt den Kopf wieder aufrecht und läuft wieder los.

Der Kaptölpel kehrt gewöhnlicherweise zurück auf die Insel, auf der er ausgeschlüpft ist. Er sondert sich streng von anderen Vogelarten ab und ist auch seinem Partner, sowie seinem Nistplatz sehr treu. Während der Wintermonate zieht er dem Fisch nach und macht dabei auch auf Bird Rock Rast. Seine Jagdmethode ist recht spektakulär: mitten im Flug, manchmal sogar sehr hoch oben in der Luft, hält er plötzlich an und stürzt sich kopfüber ins Meer. Mit seiner Beute taucht er manchmal bis zu zehn Metern tief.

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Viele Beschreibungen der Vogel in diesem Kapitel wurden dem Buch „Everyone's Guide to South African Birds“ (Johnson et al 1986) entnommen.