08 September 2016 | Glosse

Der Lenz treibt mehrere Blüten

Nach dem Hakendorn müssen wir unbedingt noch einmal auf den Wurmrindenbaum zurückkommen, der jetzt in den Riviersenken von Ovenduka vanillegelb gegen die Kratzbüsche konkurriert, die sich im Wollkätzchenrausch befinden.

Im Gegensatz zu seiner poetischen Blütenfülle, die die Lyriker auf den Plan rufen sollten, die ansonsten nach geeigneter Poesie der unendlichen Sand- und Wellenweiten der Namib ringen, hat die albizia anthelmintica zumindest im lateinischen Namen als Baum einen musikalischen Klang, der seinem saisonalen Blütenschmuck ziemt. Auf Deutsch muss er sich eher mit dem prosaischen Namen der Hausapotheke abgeben: Wurmrindenbaum! Die Arznei seiner Rinde is als Hausrezept nochall bekannt, um Darmparasiten aufzudonnern, auch unter Povianen. Die Äste der Wurmrindenbäume am Hang des Bismarck-Berges beim Flughafen Hosea Kutako, wo sich stief Poviane tummeln, haben jede Menge Nagezeichen von den Viechern, die also eine gesunde Darmflora pflegen.

Es sei gestattet, dass wir an dieser Stelle noch einmal an den himmelbreiten Unterschied zwischen Wurm und Raupe erinnern, die sowahrachtach infolge der Vielsprachigkeit stief durcheinander geraten. Der Regenwurm macht sich im Komposthaufen nützlich, und der Bandwurm wütet im Darm als parasitärer Bliksem, den der Mensch nich sommer so wieder los wird. Und wer im Lande der Bravourösen nun aber aus Mopaneraupen „Würmer“ macht, sollte bestraft werden. Eine Mopaneraupe is roh oder geröstet für den Menschen bekömmlich und sodann von höherer Gattung als der Wurm. Und wenn sie überlebt, kommt ´n Nachfalter der Pfauenaugen raus. Nun mag da Wurm fressen, wer da will, und danach Baumrinde nagen. Wir sind da nich dabei, aber eine würzig geröstete Mopaneraupe lassen wir uns munden. Die kann Essig-Chips mos iesie ersetzen.

Querelen von Okahandja

An jedem Arbeitsplatz, in jeder Gruppe und jedem Verein gibt´s immer wieder Querelen. Und wenn die Leut ´ne leidliche Kultur der Konfliktlösung ham, dann werden solche Krisen rasch überwunden. Bei unseren Ovaherero is das aber net nich so iesie, wie´s hier ausgesprochen wird.

Die Komplikasies sind legio, dassde da nich sommer so durchsteigst. Die Häuser Maharero und Rote Flagge-Rukoro sitzen in Okahandja schon mehrere Jahre nich mehr an ein und demselben heiligen Feuer, denn die ham die Glut in zwei Feuerstellen zertrennt, von der jede Seite behauptet, dasse das wahre Feuer wär´. Außerdem hat die Fraktion Rote Flagge/Rukoro, die mit der Traditionellen Behörde der Ovaherero identisch is, den sakralen Kommando-Schuppen auf dem Aufmarschgelände der Truppenspieler in Okahandja abgerissen und danach der Fraktion Maharero den Platz verwehrt, weil sie behauptet, den Flecken gekauft zu haben. Nog is het einde niet!. Die Behörde hat auch der Häuptlingswitwe der Ovambanderu, Aletha Nguvauva, durch gerichtliche Verfügung den Zutritt zum Grab ihres Mannes verwehrt. Aletha wiederum gilt unter ihrem Gefolge als Stammesoberhaupt, wohingegen die andere Ovambanderu-Fraktion nur ihren Verwandten Kilus Nguvauva als Stammeschef akzeptiert, der die Gunst der Regierung genießt. Und dann müssen wir uns noch entscheiden welchen Chef wir höher einstufen. Der Eine is „Paramount“ (Rukoro), und der Andere is „Supreme“ (Maharero). Das kann noch was werden…