24 April 2019 | Leserpost

Das Genozid-Drama geht weiter ad Infinitum.

Betr.: Genozid-Dogma aufgefrischt (AZ, 1.4.2019)

Betr.: Genozid-Dogma aufgefrischt (AZ, 1.4.2019)



Sehr geehrte Damen und Herren der Akademie der Künste, ECCHR, usw. aus Deutschland. Zuerst einmal die Frage, was das Ganze nun eigentlich bringen soll, schon wieder das Thema Genozid breitzutreten. Und vor allem: Wer am meisten tritt, sind Diejenigen, die vorher noch nicht in diesem Land waren. Die sich wahrscheinlich erst seit ein paar Jahren überhaupt mit Namibia befassen. Die keine Familie und Besitz hier haben und nicht hier aufgewachsen und auch nicht mit den Kulturen und den wahren Ereignissen dieses Landes vertraut sind. Die Namibia auch nicht als ihre Heimat ansehen und aus dem fernen Deutschland hier große Töne spucken wollen. Die sich ihr – rein theoretisches – Wissen nur durch einseitige Bücher und Zeitungs- oder Fernsehberichte angeeignet haben, in denen sogenannte Fakten je nach Bedarf gedreht wurden – je nachdem, was sich halt am besten vermarkten ließ.

Und Sie sind es jetzt, die über unsere – nämlich die Nachfahren der ehemaligen deutschen Einwanderer – Köpfe hinweg über weitere Reparationen oder sonstige Folgen für uns verhandeln wollen. Mal ehrlich: WER sind Sie? Was wollen Sie eigentlich? Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten so viel „Wiedergutmachung“ in Form von Entwicklungshilfe, fachlicher Unterstützung, Unterrichtsmaterial und Bau von Schulen, usw. nach Namibia gebracht wie kein zweites Land. Wenn bisher immer über Namibia hergezogen wird – will man sich auch irgendwann die Einwanderer Amerikas, Australiens oder sonst wo in der Welt vorknöpfen? Nur zu!

Das wird die ganze Welt auf den Kopf stellen und könnte womöglich den Weltkrieg Nr. 3 hervorrufen mit noch verheerenderen Folgen als die beiden Weltkriege vorher. Sie vergessen, dass alle Auswanderer Nachkommen haben, die sich in den Einwanderungsländern zu Hause fühlen und sich als Einheimische betrachten. Die zum Teil gar nicht mehr der deutschen Sprache mächtig sind und nicht in Deutschland leben wollen. Was soll denn mit diesen Leuten geschehen, wenn man sie aus ihren Heimatländern vertreibt? „Zurück“ nach Deutschland? Wir kommen doch von hier! Und was passiert eigentlich mit Jenen, die sich mit den als „einheimisch“ betrachteten Völkern vermischt haben und hiergeborene Nachkommen haben? Wo sollen diese Leute hin? Ist Deutschland noch nicht voll genug?

Die Behauptung, dass wir Scheuklappen tragen, gebe ich dem Absender zurück. Meiner Meinung nach haben Sie Scheuklappen und sehen nicht, dass wir in den Jahren bevor dies leidige Thema aus deutscher Hand entstand, eigentlich sehr friedlich mit den einheimischen Schwarzafrikanern zusammenlebten. Wir waren dabei zusammenzuwachsen, uns gegenseitig zu akzeptieren. Nur durch Ihre Einmischung sind Risse in unseren Beziehungen entstanden.

Sie verstehen scheinbar auch nicht, dass den schwarzafrikanischen Ur-Einwohnern dieses Landes enorme Vorteile aus der damaligen Kolonialisierung zu Teil wurden. Viele der hochrangigen Politiker würden wohl nur sehr ungern ihre sündhaft teuren, deutschen Luxuslimousinen wieder gegen eine Eselskarre eintauschen wollen und auch die schwarzafrikanische Jugend möchte sich fortbilden!

Sie haben bei Ihrer Diskussion die Meinungen des betroffenen Publikums scharf eingegrenzt. Warum wollen Sie UNSERE Meinung nicht hören? Sie wollen aber über UNSER Schicksal in Namibia bestimmen? Niemand – auch wir nicht – wird abstreiten, das in der Vergangenheit Unrecht geschah. Aber das gab es auf beiden Seiten! Auch deutsche Einwanderer sind damals brutal ermordet worden! Aber das wollen Sie nicht wahrhaben. Sie sehen nur die eine Seite. Es ist schon verwunderlich, dass niemand mal ein Treffen mit deutschsprachigen, alt-eingesessenen Namibiern arrangiert, die Ihnen bestimmt interessante Geschichten erzählen können, von denen Sie nicht wissen, weil Sie sich grundsätzlich nur mit Stammesmitgliedern der Nama oder Herero treffen. Die deutschen Einwanderer sind hauptsächlich nach dem 1. und 2. Weltkrieg nach Südwestafrika gekommen, weil sie hier eine Existenzmöglichkeit erkannten, nachdem ihr Heimatland in Schutt und Asche lag.

Sie haben sich ihre Existenz mit harter Arbeit aufgebaut und Namibia hat davon massiv profitiert. Genauso war es bei den Weißen, die nach Amerika und Australien ausgewandert sind. Sollen sie deshalb durchwegs als schlechte Menschen bezeichnet werden? Und ihre Nachkommen auch?

Wir wollen hier in Frieden leben und unseren Nachkommen hier im Land eine Zukunft aufbauen. Halten Sie sich bitte tunlichst aus unseren Angelegenheiten heraus und helfen Sie lieber in Deutschland, die Krise mit den ganzen Zuwanderern und allem was dazu gehört, zu meistern! Damit haben sie bestimmt genug zu tun! Bei uns ist noch niemand mit einem LKW in einen Weihnachtsmarkt gerast!



A. Hoffmann