12 April 2019 | Geschichte

Briefe 1893 - 1904 (XXXII Brief, Teil 2/3)

Von Hans Warncke alias „Hans Waffenschmied“ aus Windhoek und Hamakari

Hans Warncke, Sohn von Pastor Wilhelm Warncke, wurde am 7. Januar 1871 in Neustrelitz geboren und starb am 14. Januar 1904 auf Hamakari. Er war der Großonkel von Dagmar Zumbrunn-Warncke, die zusammen mit ihren Geschwistern und Schwager das Buch „Briefe 1893 - 1904“ zusammenstellte und durch den Kuiseb-Verlag publizierte. Auf den kommenden Seiten von WAZon Geschichte(n) werden diese Briefe veröffentlicht.

Um nun wieder auf den Farmer zu kommen, so sind die Preise für Kost und anderweitige Bedürfnisse gleich geblieben (der Zoll hat letztere noch viel höher geschraubt). Die Fleischpreise sind höher geworden, sodaß ein Farmer unmöglich einen Ochsen schlachten kann. Wild ist sehr geschwunden. So muß der Farmer, wenn er nicht zusetzen will, einen Nebenverdienst haben und das ist das Frachtfahren. Und diesen Erwerb droht die „Bahn bis Windhoek” zu vernichten. Denn dann läßt die Truppe alles mit der Bahn heraufschaffen, die Store jedenfalls, auch vielfach schon der gegenseitigen Konkurrenz halber. Das Geld, was dann sonst im Lande blieb, bleibt jetzt in Händen der Bahn, also der Regierung. Ich sage nichts gegen die Bahn, wenn Aussicht wäre, daß das Land dadurch erschlossen würde. Aber hier ist jetzt nichts zu machen, was etwas einbringt.

Wenn abbauenswerte Minen gefunden würden, dann wäre es etwas anderes. Aber es werden ja „Bergingenieure” geschickt, die Gold finden sollen, aber keine einfachen Arbeiter mit Hacke und Schaufel. Und trotzdem wäre schon längst etwas gefunden, wenn die Regierung und vor allem die Gesellschaften nicht jedem, der etwas Derartiges vorhat, einen Stein in den Weg legten. Warum? Gott weiß es! Es ist Tatsache, daß gewisse Leute etwas gefunden haben, aber denselben wird nichts bewilligt, wenn sie ihr Geheimnis an die Regierung, respektive an die betreffende Gesellschaft nicht preiszugeben gewillt sind. Infolgedessen behalten sie es für sich. Es ist hier ein Platz, wo gute Rubine gefunden sind. Die englische Kimberley-Gesellschaft hat nach Prüfung derselben den Platz von der Kolonialgesellschaft kaufen wollen für ein schweres Geld. Aber es heißt „nein”. Da sich der Finder nicht mit einem Bettelgroschen abfinden lassen will, so bleibt der Fund tot [die Fundstelle geheim]. Ich glaube, jede andere Regierung der Welt könnte dies Land in Besitz haben und es wäre hier besser als wie unter dem deutschen Michel. Schon der erste unnötige Orlog [kommt aus dem Holländischen und heißt: Krieg] mit Hendrik Witboi (Witbooi) war ein Fehler, den der Engländer nie gemacht haben würde. Diese hätten es anders gemacht als wir. Sie hätten sich mit Hendrik einfach vorläufig erst verbündet, hätten die Hereros erst gedemütigt und ihnen Land abgenommen. Dann wäre später, wenn die Macht der Weißen erst gewachsen, Hendrik von selber ein untergeordneter Bundesgenosse geworden, wie er es jetzt auch ist.

Es ist hier viel gemacht worden, was dem deutschen Reich viel Geld und Menschenopfer gekostet hat. Die Verwaltung läßt sodann viel zu wünschen übrig. Es wird erst besser werden, wenn hier eine Verfassung kommt. Gesetze werden hier erlassen, die nur in Rußland ihresgleichen finden können. So hat vor noch nicht zu langer Zeit der Bezirksrichter in Keetmanshoop Gionelli (Golinelli) eine Verordnung erlassen: Jeder Frachtfahrer, der von der Angra-Bai bis Keetmanshoop mehr als 15 Mark (die Höhe dieser Zahl weiß ich nicht genau) nimmt, wird mit Gefängnis bestraft. Daraufhin sind verschiedene fortgezogen nach hier oben.

Jetzt ist hier ein Gesetz: Wer am Transportweg wohnt, muß aus dem Brunnen, Pumpen oder Pfützen den Frachtfahrern Wasser geben zu 1 Mark pro Spann. Nun kommt aber eine Pumpe so teuer, daß man es vielfach nicht so billig machen kann. Auch ist hier ein Regierungsbaumeister, der nichts zu tun hat, welcher jetzt vor lauter Langeweile umherläuft und die Aborte untersucht, ob sie auch dem durch das Gesetz vorgeschriebene Maß entsprechen.