12 Januar 2021 | Natur & Umwelt

Botswana macht ein Zugeständnis

Namibia bestätigt der UNESCO das fortgesetzte Welterbe-Engagement

Während ReconAfrica namibische Farmer beruhigt und weiterhin an seinem Versprechen festhält, kein Fracking bei der möglichen Ölförderung in der Kavango-Region anzuwenden, hat sich eine weitere Tourismusorganisation an drei namibische Minister gewandt. UNESCO hat bereits erste Gespräche mit Namibia und Botswana geführt.

Von Frank Steffen, Windhoek

Auf der Internetseite von ReconAfrica () wird um Investoren geworben: „ReconAfrica ist in Besitz einer Schürflizenz, die etwa 8,5 Millionen Morgen Land (etwa 3,5 Mio. Hektar) im gesamten Kavango-Tiefbecken abdeckt. Wir glauben, dass das Kavango-Becken ein weiteres Weltklasse-Perm-Becken ist, analog zum texanischen Sedimentbecken - siehe Wood-Mackenzie-Report. Das erzeugte Öl wird voraussichtlich Milliarden Barrel betragen - siehe Dan-Jarvie-Bericht. Das anfängliche Ziel des Unternehmens besteht darin, das Vorhandensein eines aktiven Erdölsystems durch ein vollständig finanziertes 3-Bohrloch-Bohrprogramm ab Anfang Januar 2021 festzustellen.“

Seit den letzten Monaten des Jahres 2020 nehmen die Proteste - national sowie international - gegen das Prospektieren nach Öl in der Kavango-Region zu. Insgesamt 34 Organisationen, Bürgerinitiativen und Interessenträger hatten kurz vor Weihnachten unter Anleitung des deutschen Aktivisten und Fachkraft Andy Gheorghiu einen offenen Brief an den namibischen Minister für Bergbau und Energie, Tom Alweendo, und Namibias Minister für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus, Pohamba Shifeta, gerichtet (AZ berichtete). Gheorghiu erläutert indessen: „Also ich denke nicht, dass ein Antrag fürs Fracken problemlos über die Bühne geht, nur weil die grundsätzliche Genehmigung besteht (jetzt auf keinen Fall mehr).“ Allerdings müsse bereits im Rahmen der Exploration und wahrscheinlich ersten Fracks „über die nachfolgende flächendeckende Industrialisierung mit hunderten bis tausenden von Bohrplätzen“ über eine anvisierte Produktionszeit von 25 Jahren nachgedacht werden, so der Aktivist.


Weiterer Brief an Minister

Inzwischen hat auch die deutsche Tourismusorganisation „Roundtable Human Rights in Tourism“ () einen auf den 21. Dezember 2020 datierten Brief an das Ministerium für Bergbau und Energie, das Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus sowie das Ministerium für Landwirtschaft, Wasserbau und Landreform gerichtet. Dies Forum ist stark mit der Berliner Tourismusmesse ITB verbunden und so hatte Rika Jean-François auf der ITB verlauten lassen: „ Als weltweit größte Plattform des Tourismussektors ist es Teil unserer Verantwortung, sich zuhause sowie im Ausland für die Menschenrechte einzusetzen. Am runden Tisch (Roundtable) können wir uns mit Gleichgesinnten und Mitgliedern aus der Industrie austauschen und dadurch unseren Einfluss mehren.“

Während grundsätzlich keine kritischen Berichte aus den namibischen Medien von ReconAfrica auf ihrer Internetseite aufgeführt werden, zitiert das Unternehmen einen Bericht des staatlichen Nachrichtenblatts New Era, laut dem sich die Farmer der betroffenen Region inzwischen beruhigt hätten, nachdem man ihnen versichert habe, dass das Grundwasser der Region grundsätzlich unbeschädigt bleiben würde. Sindila Mwiya, Projektberater von Reconnaissance Energy Africa, hatte den Farmern versichert: Bei den Bohrungen im Dezember werden nur zwei Bohrlöcher gebohrt, die das Unternehmen im Rahmen seiner Explorationsverpflichtung der Regierung zugesagt hatte.“


Zwei Testbohrungen

Laut Mwiya würden die beiden Testbohrungen zeigen, ob das Sedimentbecken Öl- und Gasvorkommen vorweist: „Erst dann werden wir eine seismische Untersuchung durchführen und erneut muss eine neue Umweltprüfung durchgeführt werden. Dem könnten erneute Bohrungen folgen. Beobachter befürchten indessen, dass jegliche menschenrechtliche und ökologische Betrachtungen und Erwägungen den finanziellen Aussichten untergeordnet werden könnten.

Ebenfalls in der Woche vor Weihnachten, hatte das UNESCO-Welterbe-Zentrum auf Petitionen reagiert, die von zivilgesellschaftlichen Gruppen an das UNESCO-Büro in Windhoek gerichtet worden waren (AZ berichtete). „Das Zentrum verfolgt mit Aufmerksamkeit und Besorgnis die Öl- und Gasexplorationsprojekte des kanadischen Unternehmens Reconnaissance Africa (ReconAfrica) im Nordosten Namibias und im Nordwesten Botswanas, die sich möglicherweise auf die Welterbe-Stätten Okavango-Delta und Tsodilo auswirken könnten“, heißt es in einer von der UNESCO auf ihrer Internetseite veröffentlichten Erklärung.


UNESCO erzielt Teilerfolg

Gemäß Paragraph 174 der Richtlinien für die Umsetzung der Welterbe-Konvention habe UNESCO Einzelheiten angefordert und ferner mit den beiden betroffenen Vertragsstaaten (Namibia und Botswana) ein Online-Gespräch geführt. Dabei hätten die Ständigen Vertreter Botswanas und Namibias das Engagement ihrer Länder für die Konvention zum Schutz des Weltkultur- und Naturerbes bestätigt - inklusive ihrer Garantien, keine absichtlichen Maßnahmen zu ergreifen, die sich direkt oder indirekt negativ auf solche Stätten auswirken könnten. Botswana habe sich bereiterklärt, das Areal um das Weltkulturerbe Tsodilo Hills grundsätzlich auszuschließen.

„Das Welterbe-Komitee hat immer eine starke Position vertreten, wonach Explorationsaktivitäten für Öl und Gas nicht mit dem Status des Welterbes vereinbar sind“, wird Dr. Mechtild Rössler, Direktorin des UNESCO-Welterbe-Zentrums zitiert.

„Seit Ende der 1940er Jahre wird Fracking vor allem bei der Erdöl- und Erdgasförderung sowie bei der Erschließung tiefer Grundwasserleiter für die Wassergewinnung und der Verbesserung des Wärmetransportes bei der tiefen Geothermie eingesetzt. In den letztgenannten Anwendungsfällen werden keine Stützmittel oder chemischen Zusätze benötigt. Seit Anfang der 90er Jahre und insbesondere in den USA ab etwa dem Jahr 2000, fokussiert sich die Förderung mittels Fracking auf sogenanntes unkonventionelles Erdöl und Erdgas (u.?a. Schiefergas)“, kann unter Wikipedia nachgelesen werden.

Sedimentbecken oder Perm-Becken entstehen hauptsächlich durch Senkungsbewegungen der Erdkruste, derer Vertiefung über Zeit hinweg mit Sedimenten befüllt werden, und diese beinhalten unter Umständen auch Gas- und Ölablagerungen.

Wikipedia beschreibt das Fracking ferner: „Beim Fracking wird durch eine Bohrung, unter hohem Druck von typischerweise mehreren hundert Bar, eine Flüssigkeit („Fracfluid“) in den geologischen Horizont, aus dem gefördert werden soll, gepresst. Als Fracfluid dient Wasser, das zumeist mit Stützmitteln, wie z. B. Quarzsand und Verdickungsmitteln versetzt ist. Üblicherweise werden zunächst im Zielhorizont mehrere abgelenkte Bohrungen (Laterale) mittels Richtbohren angelegt, wobei der Bohrmeißel schichtparallel geführt wird. Dadurch ist die zur Verfügung stehende Bohrlochlänge in der Lagerstätte wesentlich größer, was generell die Ausbeute der Förderung erhöht. Zum Einsatz kommen beim Hochvolumen-Hydrofracking große Flüssigkeitsmengen mit mehr als 1000 m³ pro Frackphase bzw. insgesamt mehr als 10000 m³ pro Bohrloch“