05 August 2015 | Natur & Umwelt

Angola hui, Namibia pfui

Von Dirk Heinrich, Okavango „Wir haben drei Tage an der Grenze Namibias verloren und sind schon etliche Tage in Verzug, nachdem wir am Ursprung des Cuito die Mokoros zwei Wochen lang auf dem Land hinter uns herziehen mussten, weil wir nicht auf dem langen und kurvenreichen Cuito paddeln konnten. Die namibischen Behörden bestanden darauf, dass wir an einem offiziellen Punkt über die Grenze gehen und nicht an einem informellen, da sonstige Grenzabschnitte nur für Angolaner und Namibier sind”, sagte gestern der Projekt-Direktor und Expeditionsplaner des Okavango Wilderness Projekts, John Hilton. Der Hauptbeamte in Rundu, zuständig für die Grenzposten in den Kavango-Regionen, Kashembe, war nicht bereit, seine Beamten zu informellen Grenzübergängen zu entsenden, sondern bestand darauf, dass die Expeditionsgruppe bei Calais bzw. Rundu über die Grenze kommen. „Der Gouverneur der Cuando-Cubango-Provinz in Angola, Higino Carneiro, schickte ein Flugzeug nach Dirico in die Nähe, wo der Cuito an der namibischen Grenzei n den Okavango mündet, und flog unsere Gruppe nach Calai. Dort gingen wir durch die angolanische Passkontrolle, dann fuhren uns die Angolaner über die Pontonbrücke auf die namibische Seite, wir reisten offiziell ein, dann ging es zurück nach Calai und wir wurden zurück nach Dirico geflogen, stiegen auf unsere Mokoros und paddelten ans namibische Ufer”, berichtete Hilton gestern der AZ am Ufer des Okavango. Drei Tage gingen dabei verloren. Die Enttäuschung der Wissenschaftler, Ruderer und restlichen Experten der knapp über 20-köpfigen Gruppe war groß, vor allem vor dem Hintergrund, dass sie in Angola wider Erwartung auf Händen getragen worden waren. Anfang Mai war die Gruppe teilweise aus Namibia nach Angola gereist, wo sie weitere Mitglieder der Expeditionsgruppe in Angola trafen, um gemeinsam an die Quelle des Cuito zu reisen, wo sie sich auf die Mokoros begaben. In knapp 82 Tagen wollten sie von der Quelle bis zum Ende des Okavango Deltas rudern und auf dem 2000 Kilometer langen Wasserweg nicht nur die Vogel- und Fischwelt erkunden, sondern auch Wasserqualität, die Wünsche der Anwohner der Flüsse erfahren, botanische Aufnahmen machen, Insekten sammeln und bestimmen und sehen, was es noch an Wildbestand an den Flüssen gibt. Neben einer Angolanerin, Südafrikanern, Amerikanern und Engländern ist der Namibier Götz Neef Teil der Gruppe. „Wie wir wieder aus Namibia ausreisen, um nach Botswana zu kommen, wissen wir nicht. Wir hoffen, dass es keine Probleme gibt und alles schnell und glatt verläuft”, sagte Expeditionsleiter Steve Boois, dessen Idee das Projekt war. Finanziert wird die umfangreiche Expedition von National Geographic. Auf sieben Mokoros aus Glasfiber rudern 15 Personen den Cuito und Okavango hinunter. Der Cuito, der in Angola parallell zum Okavango aus dem Hochland Angolas in südliche Richtung zur namibischen Grenze fließt, sorgt für wichtige Wassermassen im Okavango an Namibias Grenze und im weltweit bekannten Okavango-Delta in Botswana, wo der Fluss im Sand der Kalahari versiegt. Mehr über die Expedition demnächst in der AZ.