11 Januar 2019 | Angeln

Angler treiben Raubbau

Aufgrund fehlender Kontrolle halten sich viele Fischer nicht an die Regeln

Seit mehreren Wochen findet an vielen Stränden nördlich von Henties Bay ein wortwörtlicher Raubbau am Bestand des Afrikanischen Adlerfisches statt. Nun hat der Bürgermeister von Henties Bay, Herman Honeb, dieser Ausbeutung zumindest ein Stück weit Einhalt geboten.

Von Erwin Leuschner, Swakopmund/Henties Bay

Seit Beginn der jüngsten Feriensaison Anfang Dezember 2018 werden täglich hunderte Fische an Land gezogen - dabei halten sich immer weniger Personen an die Regeln und behalten deutlich mehr Fisch zurück, als gesetzlich erlaubt ist. „Es ist ein Alptraum. Es ist schockierend“, klagte Spyker Kruger, ein eingefleischter Angler, der Angeltouren anbietet und sich um die Zukunft der Fischressource sorgt. Zahlreiche Angler äußerten im Gespräch mit der AZ die gleichen Bedenken.

Im Mittelpunkt des aktuellen Streits stand jetzt der Hanganeni-Handwerks-Fischereiverband (HAFA), dessen Ziel es ist, durch das Brandungsangeln ein Einkommen für obdachlose oder arbeitslose Personen zu schaffen. Da HAFA als Alternativauskommen für arbeitslose Personen gedacht ist, gelten für Angler mit einer derartigen Fanggenehmigung keine Quotenbegrenzung - sie dürfen daher mehr als zehn Fische an Land ziehen, welche Zahl das Gesetz normalerweise als Obergrenze bestimmt.

Missbrauch durch HAFA-Mitglieder

„Es gab aber ein paar Schlupflöcher und Grauzonen“, sagte gestern Herman Honeb, HAFA-Direktor und Bürgermeister von Henties Bay, der AZ. HAFA erteile unter anderem auch eine befristete Genehmigung an „Verbands-Mitglieder“. „Und weil wir gegen niemanden diskriminieren wollten, haben wir auch Genehmigungen an lokale Pensionäre in Henties Bay ausgestellt“, berichtet Honeb ferner und erkennt mittlerweile bei manchen dieser Fischer eine Ausbeutung des Systems..

„Wir standen kürzlich am Strand und jemand hat neben uns einen Adlerfisch (auch bekannt als Kabeljau oder Kabeljou) nach dem anderen gefangen“, sagte Kruger. Er habe daraufhin den Mann angesprochen und dieser habe dann mit der Tatsache geprotzt, dass er bei HAFA registriert sei und somit so viel Fisch behalten dürfe, wie er für gut halte. Er habe bereits 54 Stück gefangen. „Ich war sprachlos“, meinte ein verärgerter Kruger und ergänzte, dass alle diese Fische deutlich größer und länger als 70 Zentimeter und mit Rogen gefüllt gewesen seien. „Und dies war kein Einzelfall“, sagte er.

„Solche Fälle werfen ein schlechtes Licht auf HAFA sowie Henties Bay und untergräbt den Sinn der HAFA“, sagte Honeb gestern. Er habe aus diesem Grund am Mittwoch dieser Woche sämtliche Genehmigungen dieser sogenannten „angeschlossenen Mitglieder“ storniert.

Keine Kontrolle

Der HAFA-Fall rückt allerdings nur einen Aspekt des Raubbaus, der sich an den Stränden abgespielt hat in den Mittelpunkt. Mehrere erfahrene Brandungsangler kritisierten in Gesprächen mit der Zeitung die Tatsache, dass Fischereiinspektoren während der jüngsten Feriensaison kaum präsent gewesen seien und nur „ab und zu“ eine Straßensperre errichtet hätten. Manche Angler hätten während der gesamten Zeit keinen Fischinspektor zu Gesicht bekommen. „Straßensperren sind im Grunde zwecklos, da die Angler genau wissen, wo eine aufgestellt wurde und diese wird dann umfahren“, resümiert ein Angler.

Darüber hinaus hätten viele Brandungsangler die Regeln einfach ignoriert, da die geltenden Bußgelder „lachhaft“ seien. „Für jeden Fisch, den man zu viel mit sich hat, wird eine Strafe von 300 N$ fällig. Dabei lassen sich diese großen Fische für fast den doppelten Betrag verkaufen. Da lachen sich die Angler doch eins ins Fäustchen“, meinte ein Brandungsangler aus Henties Bay, der anonym bleiben möchte. Er forderte wesentlich höhere Strafen um dieser Verdienstspanne entgegen zu wirken.

Rosalia Mupetani, die leitende Inspektorin des Fischereiministeriums, wollte sich gestern nicht zu diesem Thema äußern, da sie sich zurzeit im Urlaub befinde. Indessen blieb ihr Stellvertreter gestern den ganzen Tag unerreichbar zwecks einer Stellungnahme seinerseits. Honeb kommentierte dies, indem er darauf hinwies, dass HAFA und die Inspektoren mit finanziellen Engpässen zu kämpfen hätten, allerdings solle sich dies „demnächst ändern“.

Es kommt schlimmer

Die fehlende Kontrolle seitens der Inspektoren ist besonders auffällig bei Ski-Booten, die sichtlich gefüllt in Swakopmund anlegen. Besonders viel Atun (Snoek) wird seit Oktober abseits des Strandes entlang der Küste gefangen. Im Dezember kamen zeitweise einige Ski-Boote täglich mit einer Ladung von mehr als 500 Fischen an Land - Inspektoren gab es dabei weit und breit keine zu sehen. Obwohl es sich bei Atun um eine migrierende Fischart handelt, dürfen am Tag lediglich 20 Stück pro Person gefangen werden. Wegen dem Mangel an Kontrolle halten sich die wenigstens an diese Regel.