27 April 2012 | Leserbriefe

Abzocke statt Kontrolle

Ja, ganz sicher gibt es zu wenige Verkehrspolizisten, aber interessant ist, dass die wenigen Polizisten, die es gibt, offenbar genug freie Zeit haben, um insbesondere weiße Frauen, die abends durch Katutura fahren, zu kontrollieren und dann gleich mal Barzahlung für erfundene Vergehen zu verlangen.

Mir sind mittlerweile mehrere solcher Fälle bekannt. Eine Freundin fuhr abends durch Katutura und wurde von einem Polizeifahrzeug verfolgt und zum Anhalten aufgefordert, fuhr auf eine Tankstelle, um zu fragen, was denn los sei, und der Polizeimann stieg noch nicht einmal aus seinem Fahrzeug aus, sondern erwartete, dass sie als Frau, mitten in der Nacht und allein, zu ihm kommt. Sie stieg aus und ging zu ihm, und er behauptete, sie hätte während der Fahrt telefoniert. Sie hat aber a) eine Freisprecheinrichtung im Wagen und b) war ihr Telefon im Kofferraum in ihrer Tasche.

Ein anderer Fall (von mehreren): Eine Frau fährt abends durch Katutura und wird von einem Zivilfahrzeug mit zwei Männern verfolgt. Das Fahrzeug drängt sie ständig mit der Lichthupe anzuhalten, und als sie das verständlicherweise nicht tut, überholen sie sie und schneiden ihr den Weg ab, so dass sie anhalten muss. Die beiden Männer steigen aus und behaupten, Polizisten zu sein. Die Frau erwidert, es weise nichts darauf hin, dass sie Polizisten seien, aber sie weisen sich aus und verlangen von ihr den Führerschein. Sie behaupten, sie hätte zwei rote Ampeln überfahren und sie wollen einen Alkoholtest machen. Daraufhin weist die Dame sie darauf hin, dass es leicht zu sehen wäre, dass sie im 9. Monat schwanger sei und dass sie ganz sicher keinen Alkohol trinke in ihrem Zustand. Das brachte die Beiden aber nicht davon ab, 1000 N$ von ihr zu verlangen, und zwar bar auf die Hand, da sie ja Deutsche sei. Sie sagt, sie sei immerhin zehn Jahre im Land und lehnt das ab, bietet aber an, mit zur Polizeistation zu kommen und die Angelegenheit dort zu klären. Daraufhin war die Sache dann erledigt.

Somit denke ich: Wenn es zu wenige Verkehrspolizisten gibt, warum werden diese offensichtlich unterbeschäftigten Verkehrspolizisten dann nicht dort eingesetzt, wo man sie braucht?

KM-Brief, Windhoek