31 Mrz 2021 | Sport

50 Jahre Tor des Monats: Anekdoten, Rekorde und Besonderheiten

50 Jahre alt und immer noch begehrt: Das Tor des Monats ist in der ARD-„Sportschau“ eine Institution. Superstars wie Amateure, ganz Junge wie hoch betagte Senioren, kuriose wie spektakuläre Tore wurden ausgezeichnet. Die Kult-Wahl bietet einen Fundus an Geschichten.

Die alten (Post)-Säcke sind schon lange weg beim Tor des Monats. Bis Ende 1996 waren sie fester Bestandteil, wenn in der ARD-„Sportschau“ die siegreichen Schützen oder Schützinnen aus den Zuschauer-Zuschriften den Gewinner zogen. Heute wird telefonisch und online abgestimmt. Auch sonst hat sich seit dem Start 1971 einiges bei der Kult-Wahl geändert. Doch die Wertschätzung für den Wettbewerb ist geblieben.

„Wir haben festgestellt, dass das Tor des Monats für die Beteiligten immer noch eine sehr hohe Relevanz hat, egal wie berühmt sie sind», sagte „Sportschau“-Chef Steffen Simon. „Man merkt, dass es den Profis etwas bedeutet, wenn sie die Münze bekommen.“

557 Tore wurden bis heute ausgezeichnet. In diesem Monat wird die vom früheren „Sportschau“-Chef Klaus Schwarze erfundene Wahl 50 Jahre alt. Eine Geschichte mit Kuriositäten, ausgewöhnlichen Siegern und Rekorden.

DER ERSTE SIEGER: Wer den ersten Sieger des Wettbewerbs kennt, darf sich als echter Experte bezeichnen. Gerhard Faltermeier heißt der Premieren-Gewinner, der damals für Jahn Regensburg in der zweitklassigen Regionalliga Süd kickte. Seinen Treffer erzielte der 2009 gestorbene Faltermeier gegen den VfR Mannheim mit einem wuchtigen Freistoß - und der Ball blieb kurioserweise zwischen Gestänge und Netz hängen. Für das erste Tor des Jahres reichte es nicht. Das erzielte der Däne Ulrik Le Fevre zum 6:0 im Spiel Borussia Mönchengladbach gegen Schalke 04.

DER REKORD-SIEGER: Das Dutzend voll gemacht hat Lukas Podolski in seinem Abschiedsspiel für die Nationalmannschaft 2017. Der frühere Nationalspieler ist mit zwölf Treffern der Rekord-Sieger der Wahl und liegt klar vor Jürgen Klinsmann mit sieben. „Das sind Momente für die Ewigkeit für mich“, sagte Podolski der ARD. Ob sein Rekord „noch mal gebrochen wird, weiß ich nicht - der Fußball geht ja weiter.“ Der bei Antalyaspor spielende 35-Jährige kann auch selber noch mal nachlegen.

DER AUSNAHME-SIEGER: Das gelang selbst dem Rekord-Sieger Podolski nicht. Bernd Schuster erzielte 1994 dreimal das Tor des Monats und war bei der Wahl zum Tor des Jahres nur von sich selber zu schlagen: Der Weltstar, damals beim Bundesligisten Bayer Leverkusen unter Vertrag, belegte die Plätze 1, 2 und 3.

DIE REKORD-MANNSCHAFT: Die ersten drei Plätze belegte Podolski in einer ganz besonderen Statistik. Der Stürmer spielte bei den drei Mannschaften, die in der Team-Wertung auf den Plätzen 1, 2 und 3 liegt - die deutsche Nationalmannschaft mit insgesamt 59 Toren des Monats, der FC Bayern München (56) und der 1. FC Köln (36).

DIE ERSTE FRAU: Als noch der Chauvinismus in den männlich dominierten Sportredaktionen im Umgang mit dem Frauen-Fußball herrschte, gewann Bärbel Wohlleben im September 1974 die Wahl für ihr Tor für den TuS Wörrstadt im ersten Finale um die deutsche Meisterschaft gegen die DJK Eintracht Erle. Nach Wohlleben siegten noch zwölf weitere Frauen.

DER ÄLTESTE: Kurt Meyer war 79 Jahre alt, als er am 20. Januar 2001 als Kapitän des Blau-Weiß Post Recklinghausen im Altligaspiel gegen den FC Jungsiegfried Hillerheide das Tor des Monats erzielte. Ein Jahr später wurde er noch einmal ausgezeichnet: Mit seinem Treffer in den Winkel siegte er auch bei der Wahl zum Tor des Jahres.

DDR-SPIELER: Das Tor des Monats September 1986 war ein mit Effet geschossener Freistoß. Das Besondere war der Schütze und das Spiel. Sieger Jörg Burow spielte für Carl Zeiss Jena in der DDR-Oberliga und erzielte das Tor im Punktspiel gegen Stahl Brandenburg. Er war der einzige Spieler aus der DDR-Oberliga, der geehrt wurde. Auf die Münze musste er bis nach dem zum Mauerfall 1989 warten.

AUSSERGEWÖHNLICHE SIEGER I: Serdal Celebi vom FC St. Pauli gelang im August 2018 das Tor des Monats. Celebi ist blind. Er traf im Finale der deutschen Blindenfußball-Meisterschaft. Das Spiel verloren die Hamburger, dennoch schrieb der heute 36-Jährige Tor-des-Monats-Geschichte.

AUSSERGEWÖHNLICHE SIEGER II: Das Tor von Michael Freudlsperger im März 2015 ist aus mehrfacher Sicht etwas Besonderes: Er ist der einziger Treffer per Elfmeter, Freudlsperger ist mit damals 16 Jahren der jüngste Gewinner, und er hat Trisomie 21. In der Pause der Bundesliga-Partie des FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach am 22. März 2015 verwandelt der Bayern-Fan vom Elfmeterpunkt gegen Keeper Tom Starke.

VIERTELJAHRHUNDERT-TOR: Sechs Mal durfte Klaus Fischer die Plakette in Empfang nehmen. Doch ein Tor sticht heraus: Sein Fallrückzieher am 16. November 1977 im Länderspiel gegen die Schweiz wird nicht nur Tor des Monats. Fischer gewinnt auch die Wahlen zum Tor des Jahres, des Jahrzehnts und des Vierteljahrhunderts. Fast 26 Jahre später wird er erneut geehrt: Im Juli 2003 trifft der zu dem Zeitpunkt 53-Jährige in einem Nostalgiespiel in München per Scherenschlag.

EMOTIONS-TORE: Nicht immer gewannen die schönsten Tore. Oft waren es bedeutende Treffer, die in der Gunst der Zuschauer ganz oben standen: So wurde Oliver Bierhoffs Golden Goal im Finale der EM 1996. Sieben Jahre später gelang dies auch Nia Künzer mit ihrem Golden Goal im WM-Endspiel gegen Schweden. Mario Götzes entscheidendes 1:0 gegen Argentinien im WM-Finale 2014 in Rio erhielt sogar die Auszeichnung Tor des Jahrzehnts.

C. Hennig und M Rossmann, dpa

BU

Sportschau-Moderator Ernst Huberty (Mitte) und seine Mitarbeiter sichten im April 1971 beim WDR rund 250 000 Zuschriften zur Wahl des „Tor des Monats“. Foto: dpa