ReconAfrica - Sammelklage
ReconAfrica - Sammelklage

Juristen-Schwergewicht wird aktiv

ReconAfrica sieht sich erstmals einem ernstzunehmenden Gegner gegenüber
Im vergangenen Jahr war immer wieder von Sammelklagen vor amerikanischen Gerichten die Rede. Jetzt sieht sich das Explorationsunternehmen ReconAfrica möglicherweise einer der erfolgreichsten Anwaltskanzleien gegenüber, die sich auf Sammelklagen für Investorenbetrug spezialisieren. In diesem Falle wird sich ReconAfrica nicht mit Beteuerungen des guten Willens weiterhelfen können.
Frank Steffen
„Mit 200 Anwälten in neun Büros im ganzen Land ist Robbins Geller Rudman & Dowd LLP (RGRD) die größte US-Kanzlei, die Anleger in Wertpapiersammelklagen vertritt. Die Anwälte von Robbins Geller haben viele der größten Rückforderungen von Aktionären in der Geschichte erreicht, darunter die größte Wertpapiersammelklage aller Zeiten – 7,2 Milliarden US-Dollar in der Sammelklage gegen die Enron Corporation.“ So stellt sich das Anwaltsbüro vor, dass laut eigener Aussage zu den erfolgreichsten Anwaltsbüros gehört, die sich auf Sammelklagen spezialisieren. Hatten bisher die amerikanischen Anwaltskanzleien „The Rosen Law Firm“ und „Bronstein, Gewirtz & Grossman LLC“ auf Investment-Regulierungsverstöße seitens des kanadischen Gas- und Ölexplorationsunternehmens Reconnaissance Energy Africa (ReconAfrica) hingewiesen und erste Kläger angekündigt, so ging am Montag der vergangenen Woche die Frist zu Ende, die RGRD Investoren gesetzt hatte, die eine Sammelklage durchführen und sich entsprechend als Kläger anmelden wollten. Damit sieht sich ReconAfrica nun möglicherweise von einem Schwergewicht konfrontiert, das erfolgreich gegen den Energiekonzern Enron angegangen war. Enron ließ seinerzeit knapp 22000 Mitarbeiter fatal im Stich als es im Jahr 2001 aufgrund fortgesetzter Bilanzfälschungen einen der größten Unternehmensskandale der US-Geschichte verursachte. Nachdem internationale sowie namibische Medien wiederholt den gesamten Anlauf und Vorgang für eine Ölexploration in den Naturschutz- und Hegegebieten der West- und Ost-Kavango-Regionen angeprangert hatten, sah sich ReconAfrica seit Juni 2021 einer zunehmend kritischen Anhörung seitens des Ständigen Parlamentarischen Ausschusses für Umweltfragen und die Nutzung von natürlichen Ressourcen ausgesetzt. Die Vorwürfe gingen zwar nicht immer direkt an die Firma, sondern wurden das Landwirtschaftsministerien sowie das Finanzministerium – später die verschiedenen Kontrollgremien und zuständigen Ausschüsse und Ämter in den Kavango-Regionen – verurteilt, doch schien es sich im Grunde um einen Scheinkampf zu handeln. In einem Artikel des 13. Dezembers 2021 hatte sich das Magazin National Geographic erneut mit dem Thema auseinandergesetzt und hatte sich vor allem mit den verschiedenen Aussagen vor dem Ausschuss befasst (AZ berichtete). Erneut ging es darum, dass ReconAfrica entgegen der namibischen Gesetzgebung und trotz ständiger gegenteiliger Beteuerungen, nahezu jede einzelne Grundsatzregel umgangen zu haben schien. Angefangen bei der ordentlichen Ausführung einer Umweltverträglichkeitsstudie, die allen „Interessenten und Interessenträgern“ (so das Umweltgesetz) nicht nur Zugang sondern auch die Anhörung aller Ansichten und Meinungen sowie das Vortragen von relevanten Studien gewährt, bis hin zu jeglicher Erlaubnis Grund und Boden zu nutzen oder an diesen Stellen zu bohren (nach Wasser sowie Öl); jedes Mal befolgte ReconAfrica die Regeln, wenn ihr Verstoß aufgeflogen war. Der offensichtliche Nachteil dieses Vorgehens ist, dass ReconAfrica scheinbar oft unüberlegte Aussagen macht und auch entsprechend handelt. So hatte es in allen an Investoren gerichtete Vorlagen und Werbungen darauf hingewiesen, dass es sich im Kavango um den möglicherweise erfolgreichsten Ölfund je handeln könne. Demnach sollte Öl konventionell sowie unkonventionell (also durch Fracking) gefördert werden. Infolge des massiven namibischen sowie dem Widerstand der internationalen Umweltlobby, nahm ReconAfrica Fracking letztendlich vom Tisch – allerdings ohne diesen Schritt seinen Investoren mitzuteilen. RGRD hatte nun alle Investoren, die in der Zeit zwischen dem 28. Februar 2019 und 7. September 2021in ReconAfrica investiert hatten, aufgefordert, Teil einer Sammelklage zu werden, bei der ReconAfrica wegen des Manipulierens von Wertpapieren zur Rechenschaft gezogen werden soll.

Kommentar

Allgemeine Zeitung 2022-12-08

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