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Weltweite Entwicklung gebremst

Human Development Index seit zwei Jahren auf Abwärtstrend
Die zahlreichen Krisen der vergangenen zwei Jahre haben die globale Entwicklung der Staaten auf Eis gelegt und den Fortschritt der Vergangenheit teils wieder rückgängig gemacht. Laut UNDP benötigt die Welt mehr Solidarität und kollektives Handeln.
Von Katharina Moser, Windhoek

Zum ersten Mal seit den 32 Jahren, in denen das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) der Index der menschlichen Entwicklung (HDI) ausrechnet, ist dieser zwei Jahre in Folge weltweit gesunken. Die menschliche Entwicklung ist demnach auf den Stand von 2016 zurückgefallen, was das Erreichen der nachhaltigen Entwicklungsziele stark ausgebremst hat. Das teilte das UNDP nun mit. „Der Rückgang ist beinahe universal, da über 90 Prozent der teilnehmenden Staaten entweder 2020 oder 2021 und mehr als 40 Prozent der Staaten in beiden Jahren einen gesunkenen HDI verzeichneten – was zeigt, dass sich die Krise für viele noch verschärft“, so die Pressemitteilung des UNDP.

Der Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen ist ein Indikator für Staaten, der auch als Wohlstandsindikator bezeichnet wird. Er berücksichtigt nicht nur das Bruttonationaleinkommen pro Kopf, sondern ebenso die Lebenserwartung und die Dauer der Ausbildung anhand der Anzahl an Schuljahren, die eine 25-jährige Person absolviert hat, sowie der voraussichtlichen Dauer der Ausbildung eines Kindes im Einschulungsalter.

Besonders Lateinamerika, die Karibik, Subsahara-Afrika und Südasien seien vom Rückschritt in der Entwicklung betroffen. Das UNDP beschreibt auch den Mangel kollektiven Handelns und von Solidarität als Gründe der besorgniserregenden Entwicklung. „Die Welt versucht verzweifelt, auf aufeinanderfolgende Krisen zu reagieren. Wir haben bei den Lebenshaltungskosten und der Energiekrise gesehen, dass es zwar verlockend ist, sich auf schnelle Lösungen wie die Subventionierung fossiler Brennstoffe zu konzentrieren, dass aber sofortige Hilfstaktiken die langfristigen systemischen Veränderungen, die wir vornehmen müssen, verzögern", sagt Achim Steiner, UNDP-Administrator. „Wir sind kollektiv gelähmt, wenn es darum geht, diese Veränderungen vorzunehmen. In einer von Ungewissheit geprägten Welt brauchen wir ein neues Verständnis für globale Solidarität, um unsere miteinander verbundenen, gemeinsamen Herausforderungen zu bewältigen.“

Auch Namibia ist einer der Staaten, der seit zwei Jahren Rückschritte in der Entwicklung macht. Sein HDI sank von 0,639 im Jahr 2019 über 0,633 im Jahr 2020 auf nun 0,615 im vergangenen Jahr. Namibia befindet sich somit momentan im Mittelfeld der menschlichen Entwicklung und auf Platz 139 von 191 Ländern. Auf Grundlage der Daten des vergangenen Jahres liegt nun also die Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt bei 59,3 Jahren. Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf ist genauso wie die Lebemnserwartung gesunken. Von den erwarteten 11,9 Jahren, die ein Kind in der Schule verbringen sollte, liegt der Durchschnitt für namibische Kinder bei 7,2 Jahren auf der Schulbank – dies ist zumindest der einzige Wert, der sich trotz der Krisen positiv entwickelt hat.

Teil des Indexes ist auch der Geschlechtsentwicklungsindex, der den HDI für Männer und Frauen getrennt betrachtet und vergleicht. Während der HDI für Männer in Namibia bei 0,613 liegt, beträgt der der Frauen 0,616. Namibia bewegt sich somit im oberen Feld der Statistiken. Hinzu kommt der Index von Geschlechterungleichheiten (GII): „Der GII misst geschlechtsspezifische Ungleichheiten (den Verlust an menschlicher Entwicklung aufgrund ungleicher Leistungen von Frauen und Männern) in drei Schlüsselbereichen - reproduktive Gesundheit, Selbstbestimmung und Arbeitsmarkt. Namibia hat einen GII-Wert von 0,445 und liegt damit auf Platz 111 von 170 Ländern im Jahr 2021.“

Der Index berechnet außerdem die Auswirkungen von Ungleichheiten auf den Stand des HDI – je größer die Ungleichheiten, desto größer die Entwicklungen in der menschlichen Entwicklung des Landes. Namibias Entwicklungsverluste durch Ungleichheiten liegen für 2021 bei 34,6 Prozent. Dies ist geringfügig weniger als in den Vorjahren.

Kommentar

Allgemeine Zeitung 2022-11-27

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