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Zerstörung

 
Vom 14.09.2007

Textilindustrie vor dem Ende

Tage von Ramatex sind gezählt – Nach Weggang bleibt ein Scherbenhaufen

Ab 2009 wird es keine nennenswerte Textilindustrie in Namibia mehr geben. Das prognostiziert Herbert Jauch vom Arbeitsforschungsinstitut LaRRI. Mit dem Rückzug von Ramatex werden nicht nur tausende Arbeitslose, sondern auch der Verlust der Investitionen erwartet.

Windhoek – Jauch stützt seine Prognose auf das Ende 2008 auslaufende Interimsabkommen zwischen der der Europäischen Union, den USA und China, welches die Exportsteigerungen Chinas drei Jahre lang limitiert habe. Ein Folgeabkommen erwartet er nicht, weshalb er folgendes Szenario beschreibt: „Es wird eine Riesenverschiebung der Textilherstellung nach Asien, vor allem nach Indien und China geben.“ Das sagte Jauch diese Woche in Windhoek während der Präsentation einer Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Titel „The Future of the Textile and Clothing Industry in Sub-Saharan Africa“. Autoren des Buches sind Jauch und Rudolf Traub-Merz.

Bei einem Rückzug von Ramatex aus Namibia gebe es keinen Notfallplan. Daher würden die sozialen Konsequenzen immens sein, so Jauch. Vorschläge, die malaysische Textilfabrik Ramatex in Windhoek in ein öffentlich-privates Konsortium umzuwandeln, seien nicht weiterentwickelt worden. „Die Investitionskosten sind verloren“, sagte Jauch und resümierte: Dem Handelsministerium war es im Jahr 2001 gelungen, das „Eine-Milliarde-Dollar-Projekt vor Südafrika und Madagaskar“ für dieses Land zu sichern – aber nur, weil Namibia große Zugeständnisse gemacht habe. Folgende Anreize seien gewährt worden: eine Steuerbefreiung für das Land für 99 Jahre, subventioniertes Wasser und Strom, 100 Millionen Namibia-Dollar Investitionskosten zur Vorbereitung des Landes inklusive Wasser, Abwasser sowie Strom. Dafür sei erwartet worden, dass das Unternehmen in den ersten zwei Jahren 3000 bis 5000 Arbeitsplätze und weitere 2000 in den folgenden zwei Jahren schafft. Für die Mitarbeiter gebe es nach einem Rückzug kaum eine Perspektive. „Die Menschen, die jetzt noch bei Ramatex arbeiten, werden große Schwierigkeiten haben, anderswo Arbeit zu finden. Viele haben nur ein Grundwissen und wurden nicht umfassend angelernt“, sagte Jauch im AZ-Gespräch. Damit nicht genug: „Auch die entstandenen Umweltschäden werden uns erhalten bleiben, wenn das Unternehmen nicht verklagt wird, solange es noch im Land ist.“

Zu Spitzenzeiten hätten 7000 Menschen bei Ramatex gearbeitet. Inzwischen sei diese Zahl auf 3000 Arbeiter gesunken. Stück für Stück würde die Fabrik vermutlich Maschinen und andere Produktionsgegenstände außer Landes schaffen, um dann Ende kommenden Jahres Namibia auf Nimmerwiedersehen zu sagen. „Die Färberei existiert in Windhoek bereits nicht mehr“, so Jauch. Ähnliche Entwicklungen gebe es in anderen Ländern dieses Kontinents. „Die afrikanische Textil- und Bekleidungsindustrie befindet sich in einer tiefen Krise“, lautet deshalb die These in dem vorgestellten Buch.

Die namibische Arbeitnehmervertretung rechnet sich im Fall Ramatex indes keine Chancen mehr aus. Man habe lediglich „die Hoffnung, dass unsere eigenen Erfahrungen sowie Warnungen in Bezug auf die Spielchen von Ramatex als gute Lehre genutzt werden, wenn in Zukunft Investitionen in diesem Land abgewogen werden“, sagte Evilastus Kaaronda, Generalsekretär des Namibischen Gewerkschafts-Dachverbandes (NUNW), anlässlich der Buchvorstellung.
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