Die Börsen haben eine weitere tiefrote Woche hinter sich. Weltweit haben alle wichtigen Märkte, inklusive der in Johannesburg (JSE), innerhalb von fünf Handelstagen zwischen fünf und sieben Prozent verloren. Schwellenland-Währungen sind massiv unter Druck gekommen.
Trotz aller Turbulenzen an den Finanzmärkten, schleppender Konjunktur und politischem Druck hat die südafrikanische Zentralbank ihren Leitzins am vergangenen Donnerstag nicht gesenkt. Zu Recht, meinen einige Beobachter. „Viele Menschen leben über ihre Verhältnisse. Sie haben sich verschuldet, um einen Lebensstil zu finanzieren, der durch ihr Einkommen nicht gerechtfertigt werden kann. Diese Leute wollen natürlich weitere Zinssenkungen, obwohl fraglich ist, ob jemandem, der auf gegenwärtigem Zinsniveau Zahlungsprobleme hat, mit einem weiteren Prozentpunkt noch zu helfen ist. Die Kehrseite der Medaille ist, dass eine Zinssenkung Sparer und Investoren bestraft, die nicht an der Kreditorgie teilgenommen haben. Hierzu gehören vor allem auch ältere Menschen, die von ihrem monatlichen Zinseinkommen leben müssen“, kommentierte ein hiesiger Vermögensverwalter.
Die südafrikanische Zentralbank-Chefin Gill Marcus habe also korrekt gehandelt, indem die Zinsen nicht gesenkt wurden. Gegen eine Zinssenkung sprechen zudem inflationärer Druck, besonders bei Treibstoff und Nahrungsmitteln. Zudem ist der Wechselkurs des Rand/Namibia-Dollar in der vergangenen Woche gegenüber dem Euro und dem US-Dollar regelrecht abgestürzt. Sinkende Rendite auf Staatsanleihen und Festanlagen, die durch eine Zinssenkung verursacht werden, würden dem Wechselkurs weiter zusetzen. Trotz einer Erholung am Freitag hat der Rand, und somit auch der Namibia-Dollar, gegenüber dem US-Dollar in den letzten drei Wochen inzwischen weit über 20 Prozent verloren.
„Internationale Anleger nehmen Gewinne in den Schwellenmärkten mit. Sie flüchten panikartig in amerikanische Staatsanleihen. Hiesige Aktien und Anleihen werden abgestoßen und die Erlöse aus Südafrika abgezogen, dies belastet natürlich den Wechselkurs. Die Realität ist, dass über unser Schicksal in New York und London entschieden wird. Wenn dort die Risikoaversion zunimmt, purzeln unsere Aktienkurse und verliert der Rand an Wert“, kommentieren die Broker von BOE Securities.
Die enorme Risikoaversion internationaler Anleger fordert inzwischen auch ihren Tribut von den Rohstoffpreisen, die bislang trotz aller Turbulenzen an den Finanzmärkten relativ robust geblieben sind. Industrie- sowie Edelmetalle sind zuletzt auf Talfahrt gegangen, was laut Experten ebenfalls alles andere als eine gute Nachricht für Aktienanleger sei: „Die Entwicklung der Börsen korreliert seit dem Jahr 2008 eng mit dem Preis sowohl für Kupfer als auch für Öl.“ Zwar könnten die Aktienmärkte die Schwäche der Rohstoffmärkte bereits eingepreist haben, aber „man kann sich nur schwer Aufwärtspotenzial am Aktienmarkt vorstellen, wenn die Rohstoffpreise schwach bleiben“.
Tatsache ist, dass viele Beobachter, unter ihnen auch weltbekannte Investoren wie George Soros und Jim Rogers, die Schuldenkrise in den USA und in Europa sowie die Abkühlung der Konjunktur weltweit (inklusive China) als eine Krise erachten, die extremere Ausmaße als der Kollaps von 2008 annehmen könnte. Die FAZ bringt das Dilemma wie folgt auf den Punkt: „Geld- und fiskalpolitische Stimulierungsmaßnahmen sind nicht mehr möglich oder verlieren an Wirkung, wenn Verbraucher, Unternehmen und Staaten über die Halskrause hinweg verschuldet sind. Dann setzt sich die wirtschaftliche Realität durch. Sie besagt, dass man mittel- und langfristig nicht mehr ausgeben kann, als man erwirtschaftet und einnimmt. Alles andere ist eine Illusion. Leider kann sie gerade bei öffentlichen Gebilden politisch über Jahrzehnte genährt werden. Gerade dann aber, wenn sich alle an den Scheinwohlstand gewöhnt haben, schlägt die Stunde der bitteren Realität.“