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Alkoholindustrie direkt im Visier

Werbeverbot, eingeschränkter Verkauf und höhere Abgaben - Produzenten haben starke Bedenken

Windhoek - "Die Bedrohung ist real", sagte unlängst in Windhoek Mitch Ramsay, Fachmann des Biergiganten, SABMiller, auf dem Gebiet der Regulierung und Vermarktung alkoholischer Getränke. Wie er erklärte, habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Alkoholkonsum auf dem afrikanischen Kontinent untersucht und habe im Mai 2010 eine Strategie vorgestellt, die zehn teils regulatorische Vorschläge beinhaltet, um den Missbrauch von Alkohol zu bekämpfen. Daraufhin habe sich das WHO-Regionalbüro für Afrika dieser Strategie angenommen und einen entsprechenden Aktionsplan erstellt, der drastische Maßnahmen enthält.

So wolle man alkoholische Getränke schwerer verfügbar machen, den Verkauf von alkoholischen Getränken einschränken, die Werbung strikter regulieren sowie Preise, Steuern und Gebühren erhöhen. Direkte Anzeichen, dass afrikanische Regierungen die Empfehlungen der WHO umsetzen wollen, gibt es laut Ramsay bereits. So habe Namibias östlicher Nachbar im Jahr 2010 eine staatliche 40-prozentige Abgabe auf Alkohol eingeführt. "Botswanas Präsident (Seretse Khama Ian Khama) ist der Meinung, es ist ein Erfolg. Er meint, er hat den Missbrauch von Alkohol halbiert, weil nur die Hälfte an Produkten verkauft wurde und der Staat gleichzeitig Milliarden eingenommen hat", erklärte Ramsay. Doch ebenso habe die botswanische Branche großen wirtschaftlichen Schaden erlitten.

Wie Mitch Ramsay erklärte, werde zurzeit in Südafrika an einem regulatorischen Entwurf gearbeitet, der verschiedenste Aspekte betreffe. So wolle man das Mindestalter für Alkoholkonsum anheben, die Verkaufszeiten einschränken und an gewissen Tagen ein Verkaufsverbot einführen. Ebenso wolle man die Anzahl an Spirituosen-Läden reduzieren, Steuern, Abgaben und Gebühren anheben, Produkte mit drastischeren Warnhinweisen versehen und eine Zwangsabgabe für einen unabhängigen Fonds verlangen.

Doch auch die Vermarktung von Alkohol ist Ramsay zufolge im Visier staatlicher Berater Südafrikas. So sei vorgeschlagen worden, dass das südafrikanische Ministerium für Handel und Industrie eine Körperschaft gründe, die jegliche Werbung für alkoholische Produkte prüft und bewilligt. Ebenso wolle man Werbung, die von öffentlichen Straßen aus sichtbar ist, verbieten und Reklamesendungen (Fernsehen und Radio) nur nach 21 Uhr erlauben. Ebenso werde u.a. gefordert, dass für jede Reklame eines Alkoholproduktes zwei gegendarstellende Werbungen geschaltet werden müssen. Auch wolle man den Alkoholproduzenten jegliches Sponsoring untersagen.

Doch Ramsay zufolge ist dieser Entwurf alles andere als der richtige Ansatz. "Wenn wir schon jetzt Minderjährige nicht vom Alkoholkonsum abhalten können, wie wollen wir einen 20-Jährigen davon abhalten", kritisiert der SABMiller-Experte die Idee, das Mindestalter für Alkoholkonsum von 18 auf 21 anzuheben. Ebenso befürchtet er, dass die gesamte Branche unter erhöhten Staatsabgaben leiden werde. "Es stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel und der informelle Sektor wird wahrscheinlich aufleben", so Ramsay. Der Fachmann von SABMiller schätzt, dass in Südafrika der Gesamtverlust an Einnahmen sowie für Sponsoring von Sport, Veranstaltungen und anderen verwandten Aktivitäten rund 2,6 Milliarden Namibia-Dollar betragen werde und das jedes Jahr. Für die Massen-Werbebranche rechnet Ramsay mit einem jährlichen Verlust von ca. 1,8 Milliarden Namibia-Dollar.

Ebenso warnte Ramsay die Werbebranche und meinte, man müsse aufpassen, den Staat und die Anti-Alkohol-Aktivisten nicht zu provozieren. "Wir müssen bei unseren Anzeigen, Werbeplakaten und TV-Spots hohe moralische und ethische Werte einhalten", so Ramsay.

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27-Jul-2012-08:19

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