
MUN-Vorsitzender Ismael Kasuto (vorn, mit weißem Helm) hat die streikenden Kumpel am Freitag vor dem Rössing-Haupttor angespornt.
Swakopmund/Arandis – Mit Schlachtrufen und Plakaten haben hunderte Rössing-Angestellte am Freitag vor dem Haupttor der Uranmine Rössing mit dem Ausstand begonnen. „Wir werden nicht aufgeben. Wir streiken, bis unsere Forderungen erfüllt sind“, sagte Ismael Kasuto, Vorsitzender der Minenarbeitergewerkschaftsfiliale (MUN) bei Rössing, am Freitag.
Einen vorläufigen Kompromiss wollten die Arbeiter nicht akzeptierten. So wurde am Donnerstag kurz vor Mitternacht eine Vereinbarung zwischen der Gewerkschaft und Rössing-Geschäftsführer Chris Salisbury im Büro des Erongo-Gouverneurs Cleophas Mutjavikua getroffen. Demnach hat die Firma jedem Angestellten einen Produktionsbonus von 17300 bis 20350 Namibia-Dollar (je nach Leistung) angeboten. „Wir fordern aber 30000 Namibia-Dollar pro Person – keinen Cent weniger“, sagte ein aufgebrachter Arbeiter der AZ.
Der Streik wurde am Wochenende fortgesetzt. Laut Kasuto machen täglich vor dem Rössing-Haupttor etwa 700 Personen ihren Unmut laut. „Er begründete die geringe Anzahl Arbeiter damit, dass viele Kumpel wegen des Schichtwechsels nicht präsent seien. Rössing beschäftigt etwa 1650 Personen und ist nach eigenen Angaben die viertgrößte Uranmine der Welt.
Unterdessen wird der Konzern an diesem Mittwoch vors Arbeitsgericht ziehen. Das Ziel: Rössing will die Forderung der Arbeiter als Rechtsstreit und den Streik für illegal erklären lassen. Laut Rössing kann der Disput um die Auszahlung des Produktionsüberschusses nicht Bestandteil eines Streiks sein. Nach eigenen Angaben macht Rössing pro Schicht einen Verlust in Höhe von 2,5 Mio. N$, bei der Mine gibt es täglich drei Schichten.
Die Arbeiter haben am Freitag mit Postern und Plakaten ihre Meinung über das Rössing-Management verdeutlicht. „Herr (Chris) Salisbury, ändern Sie Ihre Haltung oder fahren Sie zusammen mit Jerome (Mutumba, Pressesprecher von Rössing) zur Hölle“, hieß es auf einem Schild. Auf einem anderen Poster stand: „Wegen Ausländern leiden wir im eigenen Land.“
Im AZ-Gespräch begründete ein Angestellter, der anonym bleiben will, die Forderung nach 30000 N$ pro Person: Er sei ausgebildeter Elektriker, der mehr als zehn Jahre bei der Mine tätig sei. Anfang des Jahres habe er einen Produktionsbonus von rund 6000 Namibia-Dollar bekommen. „Natürlich habe ich keine Einwände gehabt und den Betrag akzeptiert“, sagte er. Im Nachhinein habe er allerdings festgestellt, dass ein junger Elektriker, der ein Jahr bei Mine arbeite, einen deutlich höheren Betrag bekommen habe. „Obwohl er mein Vorgesetzter ist, fragt der Mann mich um Rat, weil er sich noch nicht gut auskennt. Er hat aber über 40000 N$ bekommen. Wo liegt die Gerechtigkeit?“, fragte der Arbeiter.