
Die Luftaufnahme zeigt den Küstenstreifen beim Kreuzkap, wo Autofahrer aufgefordert werden, eine ausgefahrene Spur zu benutzen. Nur die Wenigsten halten sich allerdings daran.
Swakopmund – „Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Es werden schon bald neue Richtlinien festgelegt. Damit wird ein System geschaffen, das die Fahrer kontrolliert“, teilte Rob Davis, Naturschutzbeamter des Umweltministeriums in Swakopmund, auf AZ-Nachfrage mit.
Etliche Küstenbewohner haben jetzt ihre Empörung zu den Fotos ausgesprochen, die die AZ vergangene Woche veröffentlicht hatte. Die Aufnahmen entstanden kurz vor Weihnachten, als zwei Umweltschützer eine Luftbildvermessung des gesamten Küstenstreifens gemacht haben. In dem darauffolgenden Bericht wird ein Beamter wie folgt zitiert: „Die Küste ist derart zerstört, dass es nicht mehr zu beschreiben ist. Keine Luftbildvermessung muss jemals wieder gemacht werden, weil es nichts zu vermessen gibt.“
Die Flächen zwischen Walvis Bay und Swakopmund, wo die bedrohte Damara-Seeschwalbe brütet, seien besonders betroffen. „Wir haben nicht mehr nach Spuren zwischen dem Schotter gesucht, sondern nach Schotter zwischen den Spuren“, heißt es weiter. Doch nicht nur Auto- und Quadbike-Spuren zerstören das Gebiet. Am Strand bei Meile 8 liegen etliche Flaschen, Plastiktüten und alte Angelschnur herum, wird durch die Fotos belegt. „Fast auf jedem Busch entlang der Küste steht ein Totempfahl, der aus Flaschen und Müll errichtet wurde. Dieser dient als Erinnerung, so dass Johnny weiß, wo er gestern den großen Fisch gefangen hat“, heißt es in dem Bericht.

Neben den Toilettenhäuschen bei Meile 8 liegen regelrechte Müllberge. Die Tüten werden vom Wind in die Wüste getragen und verschmutzen so die sensible Landschaft.
Diese Situation soll sich jedoch bald ändern: Laut Davis wird die Proklamierung des Westküsten-Erholungsgebiets zum Nationalpark schon bald im Amtsblatt bekanntgegeben. „Danach werden wir die Kompetenzen haben, strenge Richtlinien festzulegen, die Fahrer zu kontrollieren und Bußgeldbescheide zu verhängen“, führte er aus. Bislang könne gegen rücksichtslose Quadikefahrer „sehr wenig“ unternommen werden. Dies sieht auch Nick Philander, Reiseleiter vom Quadbikeverleih „Desert Explorers“, so. „Wenn ich mit Kunden in die Dünen fahre, sehe ich oft andere Quadbikefahrer, die ohne Hemmungen auf den Schotterflächen langbrettern. Aber ich darf diese Leute, wenn ich in ihre Nähe komme, nur ansprechen – sonst nichts“, sagte Philander.
Davis betonte indes, dass Reiseleiter und andere Beamte nach Bekanntmachung des Nationalparks auch Kompetenzen erhielten, die Sündenböcke zur Rechenschaft zu ziehen. „Es ist der allerletzte Ausweg, Quadbikes zu verbieten. Wir versuchen alles, ordentliche Richtlinien zu schaffen“, so Davis abschließend.