Polizei und Fischerei-Inspektoren verlangen Erklärung vom Reiseführer
Windhoek - Vom Ministerium für Fischerei und Meeresressourcen hatte der seit 14 Jahren auf der Mercury-Insel lebende Beamte Rian Jones den Auftrag erhalten in Lüderitzbucht bei der Polizei eine Erklärung über den Versuch eines Hubschraubers auf der Insel zu landen abzugeben. Am 22. April dieses Jahres hatte ein blauer Hubschrauber mit dem kenianischen Kennzeichen 5Y-BXE und fünf Personen an Bord, versucht, mitten zwischen den auf der Insel brütenden Vögeln zu landen (AZ berichtete). Dabei wurden unzählige Nester bedrohter Vogelarten zerstört, Küken, Eier und Jungvögel von den Abwinden der Rotorblätter über die Klippen in das kalte Wasser des Atlantiks geweht. Anschließend war der Hubschrauber mit dem bekannten Reiseleiter André Schoeman an Bord an den Strand in der Spencer-Bucht geflogen und dort ohne Genehmigung im Namib-Naukluftpark beim Wrack der Otavi gelandet.
„Nachdem der Augenzeuge die Geschehnisse in einer eidesstattlichen Erklärung zu Protokoll gegeben hat, sind Polizisten zusammen mit Fischerei-Inspektoren nach Windhoek gereist, um von André Schoeman eine eidesstattliche Erklärung über den Vorfall zu erhalten“, sagte gestern auf Nachfrage der Direktor des Ministeriums für Fischerei und Meeresressourcen zuständig für die Verwaltung der natürlichen Ressourcen, Dr. Moses Maurihungirire. Zuvor waren zahlreiche Nachfragen der AZ in Bezug auf diesen Fall bei dem Pressesprecher des Ministeriums unbeantwortet geblieben. Da der namibische Reiseleiter nicht zugegen war und sich zu dem Zeitpunkt im Ausland aufgehalten habe, wurde ihm mitgeteilt sich zu melden und seine Seite der Geschichte zu stellen. Schoeman habe eine Erklärung auf dem elektronischen Wege der Polizei und dem Ministerium zukommen lassen. „Die Untersuchungsbeamten waren mit der Erklärung nicht zufrieden und bestanden darauf, dass Schoeman die eidesstattliche Erklärung persönlich abgibt. Dies ist bisher nicht geschehen“, sagte Dr. Maurihungirire. Die Polizei würde den Fall weiter verfolgen, so der Direktor des Fischereiministeriums. Auf der Mercury-Insel nördlich von Lüderitzbucht brüten die bedrohten Afrikanischen Brillenpinguine, die ebenso bedrohten Kaptölpel und die vom Aussterben bedrohten Küstenscharben, eine Kormoranart. Sämtliche Inseln vor der namibischen Küste sind inzwischen Schutzgebiete und dürfen nur mit einer Sondergenehmigung betreten werden.
Ob das Ministerium für Umwelt und Tourismus Anzeige erstattet hat, konnte bisher nicht in Erfahrung gebracht werden. Die Naturschutzbehörde hatte bereits im April bestätigt, dass die Gruppe, bestehend aus drei britischen Touristen, einem kenianischen Piloten des Unternehmens Tropic Air und einem namibischen Reiseführer keine Genehmigung hatte im Namib-Naukluftpark zu landen.