
Keine einfache Aufgabe und auch kein ungefährliches Unterfangen ist es einen jungen Kudubullen aus dem Kanal zu befreien, da das Tier nicht weiß, dass die Menschen es retten wollen. Viele Tiere bleiben jedoch nach der Rettung erschöpft und gestresst liegen.
Windhoek/Grootfontein - Vor wenigen Tagen holte Farmer Arnold Huber von der Farm Otjirukaku einen völlig erschöpften Kronenducker aus dem Kanal. Die Ricke hatte zu seinem Erstaunen kleine Hörner. Normalerweise haben nur die männlichen Kronenducker kurze spitze Hörner. „Das Tier wollte nicht aufstehen und ein Tierarzt wurde gerufen, aber bevor dieser die Antilope behandeln konnte starb der Ducker“, sagte Helgard Huber. Am selben Tag hatte der Farmer mit seiner Familie auch ein junges Warzenschwein lebend aus dem sogenannten Killerkanal retten können.
„In den vergangenen Wochen musste ich auch sieben- oder achtmal von meinen Ochsen aus dem Kanal holen. Einige Tiere in dem angrenzenden Kamp hatten gelernt über den Viehzaun zu springen und landeten schließlich in dem Kanal aus dem kein Tier entrinnen kann“, sagte Arnold Huber. Er sei seit zehn Jahren auf der Farm und in all den Jahren zuvor habe er vielleicht drei oder viermal von seinen Rindern aus dem Kanal holen müssen. Er würde regelmäßig jeden zweiten Tag den etwa zwei Kilometer von seinem Haus entfernten Kanal, der auf einer Länge von knapp zwei Kilometern durch seine Farm führt, kontrollieren. Besonders in der Regenzeit würden sehr viele Tiere, darunter Schlangen, Kleinsäuger und erstaunlich viele Schildkröten in den Kanal fallen. „Wir haben schon große Schlangen wie Python aber auch Erdferkel, Erdwölfe, Kudus, Schakale, Eulen, Adler sowie Hunde aus der tödlichen Falle geholt. Viele Tiere konnten wir lebend retten, aber immer wieder kommen wir zu spät“, sagte der Farmer. Die Hunde stammten von Nachbarfarmen und sind wildern gewesen, so Huber.

Einige Male musste Farmer Huber auch seine eigenen Rinder aus dem Kanal retten, nachdem diese über den Zaun gelangt waren. Mit Hilfe eines Seils und einem Geländewagen sowie zahlreichen Helfern konnten die Rinder befreit werden.
Der offene Kanal zieht sich von Grootfontein über fast 300 Kilometer nach Süden zum Omatako-Damm hin. Wasser aus der Kombat-Mine sollte zum Omatako-Damm geleitet werden und von dort aus in den Von-Bach-Damm bei Okahandja, der wiederum Windhoek mit Trinkwasser versorgt. Fertiggestellt wurde der Kanal im Jahre 1986. NamWater zufolge werde der Kanal einmal in der Woche abgefahren und kontrolliert, wenn Angestellte hin und wieder zurückfahren. „Manchmal sieht man für Tage oder Wochen niemanden, dann wird einmal in der Woche kontrolliert und im Augenblick allem Anschein nach zweimal in der Woche“, sagte Huber. Die NamWater-Angestellten seien jedoch nicht ausgerüstet um Tiere, vor allem große Tiere wie Kudus lebend aus dem Kanal zu holen. „Wir haben auch schon einige erwischt, die tote Tiere mitnehmen und wahrscheinlich das Fleisch verkaufen wollten. Wir haben uns dann sofort mit den Chefs in Verbindung gesetzt“, sagte Huber. Wie viele Tiere er in den vergangenen zehn Jahren tot und lebend aus dem Kanal geborgen habe, konnte Huber nicht sagen.
Auch NamWater hat keinerlei Daten wie viele im Kanal verenden oder gerettet werden. Dies teilte der Pressesprecher Johannes Shigwedha mit. Ihm zufolge würden die jeweiligen Farmer über die toten Tiere informiert und wenn der Farmer diese Tiere nicht haben will, wprden sie neben dem Kanal vergraben. Lebende Tiere würden freigelassen, so Shigwedha, der die Zusammenarbeit mit allen an den Kanal angrenzenden Farmern lobte.