
Vorsichtig gräbt Chris Nel im vermeintlich glatten Sand, um seinen Gästen eine Spinne zu zeigen.
„Unsere Namib ist eines der größten und am besten erhaltenen Naturschutzgebiete der Welt“, erklärt Chris Nel, Inhaber von Living Desert Adventures in Swakopmund, während er mit seinen Gästen auf festgelegten Wegen durch die Wüste fährt. „Wir müssen unsere Natur schützen, um sie auch für unsere Kinder und Enkelkinder zu erhalten. Aber wir müssen heute damit beginnen, sonst ist alles verloren.“
Chris Nel weiß, wovon er spricht. Beinahe täglich ist er in der Wüste unterwegs, weiß genau, welche Tiere und Kleinstlebewesen ihren Lebensraum in welchem Umfeld haben. Und so kann er sie seinen Gästen zeigen, ohne dass die Tiere zu sehr gestört werden. Feine Spuren im Sand verraten dem engagierten Naturschützer, ob sich gerade eine Schlange in den Sand gegraben hat, ob eine Eidechse hier auf winzigen Füßchen vorbeigehuscht ist oder eine Spinne ihr Nest gebaut hat.
Dass Spinnen ihre Netze in den Sand bauen, erstaunt jeden der Besucher. Im weichen Sand kann man doch keinen Tunnel graben? „Nein, aber ein Netz“, erklärt Chris. Wo alle anderen fragend auf den vermeintlich glatten Sand schauen, buddelt Chris gezielt nach, und plötzlich erscheint sie, hoch aufgerichtet ob der Störung: eine Dancing White Lady, die Tanzende weiße Dame. Nach gebührender Bewunderung wird sie sanft wieder abgesetzt, der Sand ist noch kühl und binnen 20 Minuten wird sie ein neues, sicheres Netz gegraben haben, um der heißen Sonne zu entgehen.

Die endemischen Chamäleons in der südlichen Namib tarnen sich perfekt, indem sie ihre Körperfarbe an den Untergrund anpassen. Mit heller Farbe läuft dieses Tier über den Sand.
Das Leben in der Namib ist so vielfältig und von der Natur so sorgfältig eingerichtet, dass man nur staunen kann. „Hier gibt es eine Menge Müsli“, erklärt Chris und zeigt auf einen kleinen Ball aus Gräsern und Samen. Darin verbirgt sich Nahrung für so manches Kleintier. Der Nebel fügt die „Milch“ hinzu – die Feuchtigkeit, ohne die kein Leben möglich ist.
„Dieses vielfältige Leben in der Wüste haben viele Menschen noch nie entdeckt“, erklärt Chris Nel, „und selbst manche Küstenbewohner fahren achtlos daran vorbei, wenn sie sich nicht näher damit beschäftigt haben. So wird viel Leben zerstört, nicht einmal mit bösem Willen, sondern schlicht aus Unachtsamkeit. Während wie hier vorsichtig über den Sand laufen, kann es sein, dass wir versehentlich ein Lebewesen zertreten, das sich dicht unter der Oberfläche eingegraben hat, um sich vor den sengenden Sonnenstrahlen zu schützen.“
Besonders Quadbikes sind dem Tierschützer ein Gräuel, denn die schweren Gefährte mit ihren breiten Reifen zerstören nicht nur das Landschaftsbild, sondern eine Vielfalt von im Sand verborgenen Leben. Sandboarding ist ein Sport, der durch die Leichtigkeit der Bretter akzeptabel ist, und auch wer hier zu Fuß läuft, wird wenig anrichten können. Aber unkontrolliertes Quadbike-Fahren darf nicht sein, wenn wir unsere Natur auf Dauer schützen wollen, sind sich er und seine Kollegen vom Coastal Management Commitee (Küsten-Management Komitee, CMC) einig: „Wir haben deutlich gemerkt, dass es weit weniger Kleintiere in unser Namib gibt als noch vor wenigen Jahren“, bestätigt auch Tommy Collard, Inhaber der Unternehmens Tommy’s Tours and Safaris.

Die nachtaktive „Tanzende weiße Dame“ gräbt ihr Nest in den weichen Sand, um der glühenden Mittagshitze zu entgehen.
„Besonders unsere endemischen Chamäleons scheinen beliebt zu sein unter illegalen Händlern, die für ein einziges Tier in Europa bis zu 5000 Euro bekommen. Sie fahren heimlich unseren Spuren nach, besonders an den Nachmittagen, wenn die meisten von uns nicht mehr unterwegs sind. Die traurige Bilanz ist, dass wir viel weniger Chamäleons hier haben als je zuvor.“
Im vergangenen Jahr wurde ein Mann entdeckt und der Polizei gemeldet, der mit einem Rucksack von Strauch zu Strauch ging und offensichtlich Tiere „aufsammelte“. Daraufhin richtete das CMC sozusagen Planquadrate ein, um der Polizei in solchen Fällen schnell und unkompliziert eine Positionsbeschreibung der Tierhändler geben zu können. Viel zu selten jedoch werden diese erwischt und viele geschützte Tiere verenden elendig, wenn sie für schnöden Mammon in Socken oder Jackentaschen durch den Zoll und ins Flugzeug geschmuggelt werden.
Um die Tiere und Pflanzen zu schützen, setzen sich engagierte Menschen wie Chris Nel und Tommy Collard für den Dorob-Nationalpark ein, der zwar manchen Sportbegeisterten stört und die Swakopmunder auf die Barrikaden gehen lässt. Letztere oft zu Recht, da auch wir Menschen ein Recht haben, die uns umgebende Natur zu genießen. Durch unbedachte Zerstörer jedoch musste leider mancher Zaun gezogen werden, um seltene Tiere und Pflanzen zu schützen, und zwar in erster Linie vor denjenigen, die oft von weither kommen, um in der Wüste herumzutoben, ohne Rücksicht auf das vielfältige Leben im Sand.