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Vom 11.03.2010

Afrika spricht mit einer Stimme

Ein internationales bindendes Regelwerk gegen Biopiraterie gefordert

Nicht nur die genetischen Ressourcen sondern auch die biologischen Ressourcen sollen durch ein international geltendes Regelwerk geschützt werden, damit alle Länder ihre natürlichen erneuerbaren Ressourcen nachhaltig zum Vorteil ihrer Bevölkerung nutzen können.

© Dirk Heinrich
In verschiedenen Gruppen besuchten die Konferenzteilnehmer am Dienstag dieser Woche auch das nationale Pflanzen-Genetische-Ressourcen-Zentrum, wo Sonja Loots (rechts) den Besuchern die Aufgaben der Samenbank erklärte. V.l.n.r.: Technische Assistentin Elizabeth Lucas, der Umweltminister Somalias Prof. Buri Hamza, Namibias Umweltministerin Netumbo Nandi-Ndaitwah, die dänische Umweltministerin Karen Ellemann und die Umweltministerin Ugandas, Jesca Eriyo.
Windhoek – Zum Abschluss der dreitätigen Konferenz der Umweltminister Afrikas, bei der gemeinsame Richtlinien und Übereinkommen zum Zugang und Vorteilsausgleich bei der Nutzung genetischer Ressourcen (ABS) diskutiert und besprochen wurden, sagte die südafrikanische Vizeministerin und Vorsitzende von AMCEN (African Ministerial Conference on the Environment), Rejoice Mabudafasi, dass Afrika auf der internationalen Konferenz in Japan im Oktober dieses Jahres „mit einer Stimme sprechen werde“, wenn es um das internationale Regelwerk von ABS gehe. Die dänische Umweltministerin Karen Ellemann sagte, dass die ABS-Konferenz in Windhoek nicht dazu diente, um über ein Regelwerk zu verhandeln, sondern um die afrikanischen Länder in ihrer Position und in ihren Bemühungen zu vereinigen, mögliche Unsicherheiten in Bezug auf ABS mit der EU zu lösen und einen offenen und konstruktiven Dialog zu führen. „Wir müssen zusammen das gleiche Ziel und die selben Ideen haben, um Biopiraterie zu bekämpfen“, sagte Ellemann.
In den kommenden Monaten vor der Konferenz in Nagoya, Japan, müssten noch die Fragen rund um die Zugangs-Normen, den Technologietransfer, Definitionen, Publizitätserfordernis und Zustimmung geklärt werden. Vor allem das Thema rund um die Zugangs-Normen verlangt weitere Erklärungen von der EU, so die afrikanischen Vertreter. Experten erklärten gegenüber der AZ, dass in den Tagen vor der Konferenz in der vergangenen Woche und in den drei Tagen der Konferenz in dieser Woche in Windhoek mehr erreicht worden sei, als in den Jahren zuvor.
„Was einst öffentliches Wissen bei den Menschen Afrikas war, wurde in den vergangenen Jahren plötzlich von Privatunternehmen verschlossen und als Eigentum einer kleinen Gruppe gehandhabt“, meint einer der Abgeordneten auf der ABS-Konferenz in dieser Woche. Der Zugang und Vorteilsausgleich bei der Nutzung von genetischen Ressourcen kann nur erfolgreich durchgeführt werden, wenn dies Teil der Naturschutzanstrengungen ist. Bemängelt wurde zudem, dass auch die wenigste Forschung in Afrika selbst stattfindet und meist noch immer in den Industrieländern durchgeführt wird. Die Länder Afrikas müssen die Finanzen für Forschung bereitstellen und Experten ausbilden, um das bisher unberührte und unbekannte Potenzial der Artenvielfalt zu entschlüsseln und nutzbar machen, meinte ein Abgeordneter. Zudem sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um das traditionelle Wissen zu erhalten um es letztendlich zu nutzen.
Namibias Ministerin für Umwelt und Tourismus, Netumbo Nandi-Ndaitwah wies darauf hin, dass augenblicklich Arten 50 bis 100 Mal schneller von der Bildfläche verschwinden, als es natürlich der Fall sei. „Im Rahmen der derzeitigen Umstände sind geschätzte 34000 Pflanzen- und 5200 Tierarten, darunter jede achte Vogelart dieser Erde, vom Aussterben bedroht“, sagte Nandi-Ndaitwah. Meist erwecken nur besonders bekannte Arten die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und geraten die Probleme der Verödung von großen Gebieten, die Abholzung der Wälder, die Feuchtgebiete, Korallenriffe und wichtige Ökosysteme schnell in Vergessenheit und aus dem Rampenlicht der Gesellschaft. Fast die Hälfte (45 Prozent) der Wälder der Erde seien bereits zerstört worden, zehn Prozent der Korallenriffe ereilte das gleiche Schicksal und ein Drittel der noch bestehenden Riffe werde in den kommenden zehn bis 20 Jahren das gleiche Schicksal ereilen, so Namibias Umweltministerin.
„Die genetischen Ressourcen von Pflanzen und Tieren sind die Fundamente der Landwirtschaft und damit für die Nahrungsmittelsicherheit unentbehrlich“, sagte Nandi-Ndaitwah. Der Welternährungsorganisation zufolge seien in den vergangenen 15 Jahren über 190 Nutztierarten ausgestorben und weitere 1500 oder 30 Prozent sind vom Aussterben bedroht. Diese Zahlen seien erschreckend, wenn bedacht wird, dass 70 Prozent der Erdbevölkerung von Nutztieren abhängig ist.
Die Konferenz in Windhoek wurde von dem Umweltministerium Namibias als Gastgeber angeboten und von dem dänischen Umweltministerium finanziert. Organisiert wurde die ABS-Konferenz von und im Rahmen der ABS Capacity Development for Africa und gemanaged von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit.
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