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Vom 28.05.2007

Taxi, Taxi

„Tröt, tröt!“ – Wer einmal die Straßen Windhoeks entlang gelaufen ist, der weiß: Dem Hupkonzert der vorbeifahrenden Autos kann sich niemand entziehen. Ständig ist man versucht, einer vermeintlich drohenden Gefahr auszuweichen und verschreckt auf den sandigen Seitenstreifen zu hüpfen.

© Wiebke Schmidt
So manche Touristin mag sich gar sexuell belästigt fühlen. Dabei handelt es sich bei der mitunter anstrengenden Tröterei weder um zu gut gemeinte Warnungen noch um vorlaute Anmache – es ist lediglich das Marktgeschrei tausender Taxifahrer, die auf Windhoeks weitläufigen Wegen ein Auskommen suchen.

Es gehört schon ein wenig Risikobereitschaft dazu, in eine der blechernen Klapperkisten einzusteigen, die bei Geschäftsschluss oftmals bis unters Dach gefüllt sein können und trotzdem noch auf Kundenfang sind. Mutig antworte ich dem Fahrer – per Handzeichen. Bremsen quietschen, Radkappen reiben sich am Randstein. Ich quetsche mich auf die speckige, mit Leopardenfellimitat ausgelegte Rückbank. Ohrenbetäubend holpern afrikanische Rhythmen aus den Frontlautsprechern der ramponierten Plastikverkleidung. Es ist heiß – doch meiner vollschlanken, schwitzenden Banknachbarin scheint all das nichts auszumachen. Ihr Arbeitstag ist vorbei, und sie unterhält sich angeregt mit ihrer Bekannten.

Unter dem Kappenschirm des Fahrers luken zwei dunkle, fragende Augen hervor – „in die Barella Street“, belle ich gegen den Lärm der Lautsprecher an. Der Gesichtsausdruck des Taxifahrers ändert sich um keinen Zentimeter. Wo das sei, will er wissen. „In der Nähe der Moschee“, erwidere ich. Die Antwort scheint richtig zu sein, denn sie ringt seinen Wimpern ein zufriedenes Zucken ab. Eine genaue Kenntnis des Straßennetzes ist von den Taxifahrern der Hauptstadt wohl nicht zu erwarten. Viele von ihnen sind erst seit kurzem im Land oder eben aus der anderen Welt Windhoeks: Katutura. So orientiert man sich weniger an detaillierten Straßenbezeichnungen, als vielmehr an bekannten Gebäuden, Bars oder Plätzen.

Rasant führt der Fahrer seine Wagenbeherrschung vor, die man ihm nach Besichtigung des Taxis von außen kaum zugetraut hätte. Dellen und Kratzer zeugen von der turbulenten Geschichte des Transportmittels. Die dröhnende Musik – nicht ohne Stolz hat der Fahrer seine bullige Anlage noch weiter aufgedreht – lenkt jedoch vor allzu großer Furcht ab. Zudem ist die Fahrt nicht von langer Dauer – Hügel und Kurven, um die sich Windhoeks Viertel winden, sind überschaubar.

Ein paar dumpf vor sich hin stolpernde Takte weiter werde ich gegen ein paar namibische Dollar Fährgeld auf festen Boden entlassen. Es ist ein Standardpreis, Taxameter wären eine viel zu aufwendige Anschaffung für die tausenden Taxifahrer Windhoeks, von denen ein Bruchteil das Geld für eine Registrierung aufbringt. Stolz und Erleichterung müssen mir ins Gesicht geschrieben stehen, als ich die Tür zu diesem Abenteuer hinter mir zudonnere. Doch mein Chauffeur hat sich längst dem nächsten potentiellen, wenn auch ahnungslosen Kunden zugewandt. Die Hupe krächzt, als die klappernde Diskokutsche anfährt und um die Ecke tuckert.

© Wiebek Schmidt

Information:
 
Wer nicht mit dem eigenen Mietauto unterwegs ist, sollte sich dieses extrem afrikanische Erlebnis nicht entgehen lassen. Nicht alle Distanzen sind erlaufbar, das Terrain sehr weit und hügelig.
Der Standardpreis der Windhoeker Taxis beträgt N$ 6,50 im Innenstadtbereich, bei weiteren Strecken können die Fahrer schon mal das Doppelte und mehr verlangen. Das Fährgeld sollte man stets abgezählt parat haben, da den Chauffeuren an einem chronischen Mangel an Wechselgeld leiden. Weiterhin lassen sich viele Taxifahrer auch für Stadtrundfahrten buchen. Der Preis hierfür beträgt weit weniger als der für Stadtrundfahrten übliche. Allerdings darf man sich keine Hintergrundinformationen erwarten und sollte eine klare Vorstellung von der Route haben, da sich die Fahrer, die meist aus Katutura oder erst einige Wochen überhaupt im Land sind, oft selbst nicht genau auskennen. Straßennamen helfen im Allgemeinen nicht weiter, so sollten etwa bekannte geografische Punkte zum Wissensproviant für so ein Abendteuer gehören.
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