Präsident Jacob Zuma, politisch derzeit von vielen Seiten unter Beschuss, hat bei der Parlamentseröffnung in Kapstadt das Madiba-Wunder beschworen und alle Südafrikaner aufgerufen, sich zu Ehren von Alt-Präsident Nelson Mandela dafür einzusetzen, dass die WM rundum zum Erfolg wird. „Die Fußball-WM macht 2010 zu einem Aktionsjahr,“ erklärte Zuma. „Wir haben die Weltmeisterschaft lange geplant und sind fest entschlossen, sie zum Erfolg zu machen. Was Infrastuktur, Sicherheitsvorkehrungen und Logistik betrifft, sind alle Voraussetzungen vorhanden.”
Die traditionsreiche Parlamentseröffnung im Februar fand dieses Jahr zusammen mit einem Festakt zum 20. Jahrestag von Mandelas Entlassung aus fast drei Jahrzehnten Haft statt. Der als Madiba weltweit verehrte Alt-Präsident ist inzwischen 91 und zeigt sich nur noch selten in der Öffentlichkeit. Am 11. Februar nahm er jedoch seinen Ehrenplatz im Parlament in Kapstadt ein.
Der LOC-Vorsitzende Danny Jordaan hat die Rolle gewürdigt, die Nelson Mandela bei dem Bemühen gespielt hat, die Fußballweltmeisterschaft nach Südafrika zu bringen. „Wir haben es Mandela zu verdanken, dass uns die Welt endlich zutraute, die WM ausrichten zu können“, sagte Jordaan bei den Feierlichkeiten anlässlich Mandelas Haftentlassung vor 20 Jahren. „Am 11. Juni werden Tausende Südafrikaner und unsere Freunde aus aller Welt jubeln und die Eröffnung der größten Sportveranstaltung feiern, genau dort, wo sich 1990 Zehntausende versammelt haben, um Mandelas Freilassung zu feiern – in Soccer City,“ sagte Jordaan.
Nelson Mandela gehörte der Delegation an, die 2004 für Südafrika um die Austragung der WM 2010 warb, und er war ebenfalls zugegen, als Südafrika am 15. Mai in der Schweiz den Zuschlag erhielt. „Wir nehmen die Weltmeisterschaft mit Demut und ohne Arroganz an,“ erklärte er damals. Und Jordaan fügte hinzu: „Der Traum einer Nation ist wahr geworden. Die FIFA hat Afrika für würdig befunden. Heute ist es wunderbar, ein Afrikaner zu sein!“
Sechs Jahre später hat der Traum Gestalt angenommen, und Jordaan dankte Mandela auch für die Unterstützung, die er dem örtlichen Organisationsausschuss LOC in schwierigen Situationen während der Vorbereitungen zuteil werden ließ. „Er gab uns Schwung und das Selbstvertrauen, das zu erreichen, was viele für unmöglich hielten, und dafür werden wir, und das ganze Land, ihm immer dankbar sein,“ so Danie Jordaan.
Sicherheit muss sein
Niemand bestreitet es: Wenn es um Gewaltverbrechen geht, hält Südafrika traurige Rekorde. Und bei einem Mega-Event wie die Fußballweltmeisterschaft wittern (nicht nur) Kriminelle fette Beute, ganz gleich, in welchem Land die Veranstaltung stattfindet.
Die örtlichen WM-Organisatoren bemühen sich seit Monaten, Sicherheitsbedenken zu beschwichtigen. Sie können dabei auf zahlreiche internationale Veranstaltungen verweisen, die mit großem Erfolg in Südafrika ausgerichtet wurden, und auf die Millionen von Touristen natürlich, die dieses herrliche Land Jahr für Jahr von seiner besten Seite erleben sowie nicht zuletzt auf die umfangreichen öffentlichen Mittel, mit denen die Sicherheit der in- und ausländischen Fans gewährleistet werden soll.
Mit einem Kostenaufwand von insgesamt 1,3 Milliarden Rand sind zusätzliche Hubschrauber, Fahrzeuge und Überwachungsanlagen angeschafft worden, und die Polizei wurde um 41000 Mann verstärkt. Für jedes Stadion werden 700 Polizisten bereitgestellt, und ein besonders wachsames Auge werden Ordnungshüter und Scharen von privatem Sicherheitspersonal beispielsweise auf Transitrouten, Fan-Centres und die Umgebung von Hotels halten. Dennoch gilt für alle Besucher selbstverständlich wie überall, sich keinen Risiken oder Gefahren auszusetzen und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.
Stichfeste Weste
Verärgerung hat hierzulande ein britisches Unternehmen hervorgerufen, das eigens für die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika messerstichfeste Westen vermarktet. Der Preis von R 510 pro Stück schließt die Lieferung zu jedem Hotel in Johannesburg oder Pretoria ein. Für etwas mehr Geld ist die Weste komplett mit Abzeichen und Logos nach Wahl zu haben. „Wir finden das widerwärtig, das ist reine Geldmacherei, die Angst ausbeutet - solche Westen sind völlig unnötig,“ erklärte LOC-Sprecher Rich Mkhondo.
Nach dem Attentat, das im Januar auf die Nationalmannschaft von Togo verübt wurde, die zum Africa Cup of Nations in Angola war, wurden in mehreren europäischen Ländern Stimmen laut, Südafrika sei zu unsicher für die Austragung der Fußball-WM. Lächerlich: Wer solche Schlüsse zieht, stellt damit nur mangelhafte Geografiekenntnisse unter Beweis. Angola ist nicht einmal ein Nachbarland von Südafrika, und allein schon die südangolanische Grenze ist von Kapstadt oder Johannesburg mehr als 2000 km entfernt. Zum Vergleich stelle man sich vor, ein ähnlicher Vorfall in Spanien oder Griechenland beispielsweise hätte Bedenken an der WM-Sicherheit in Deutschland hervorgerufen.
Polizeichef: Andere wollen unsere WM stehlen
Polizeichef Bheki Cele wetterte, gewisse Elemente in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden seien darauf aus, die WM schnell noch von Südafrika nach Europa zurückzubringen. Plötzlich werde Fans in Deutschland geraten, kugelsichere Westen einzupacken. „Dabei fliegt die Lufthansa täglich hierher, und ironischerweise war von Sicherheit überhaupt keine Rede, als europäische Fans und Cricket Teams zur England vs Südafrika Tour anreisten.” Er habe mit seinen Amtskollegen in den genannten vier Ländern konferiert, und alles sei in Ordnung befunden worden, erklärte Cele in Johannesburg bei einer Zeremonie zur Auszeichnung besonders verdienter Polizisten. „Wenn morgen der 11. Juni wäre – wir sind vorbereitet.”
Blatter: Kein Respekt für Afrika
In aller Schärfe hat auch FIFA-Präsident Joseph Blatter auf Anspielungen reagiert, nach dem Attentat auf die Fußballmannschaft in Angola sei zu bezweifeln, dass Südafrika die Sicherheit von WM-Besuchern gewährleisten könne.
„Es ist völliger Blödsinn, den Vorfall in Angola mit der Weltmeisterschaft in Südafrika in Verbindung zu bringen,” erklärte Blatter in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur vor der Eröffnung der olympischen Winterspiele in Vancouver. „Jedes Jahr reisen 11 Millionen Touristen nach Südafrika,“ sagte Blatter. Er nahm zu Äußerungen von DFL-Chef Reinhard Rauball Stellung, der gefordert hatte, Südafrika solle nach dem Attentat in Angola zusätzliche Maßnahmen ergreifen. „So etwas ist nicht richtig, es ist wie eine Art Anti-Afrika-Bewegung,” erklärte Blatter. „In der sogenannten Alten Welt geht immer noch das Gefühl um, warum zum Teufel Südafrika eine Fußball-WM ausrichten sollte. Warum? Die Kolonialisten hatten in den letzten hundert Jahren keine Skrupel, sich vom Besten in Afrika zu bedienen. Und jetzt werden die besten Fußballspieler abgeworben,“ erzürnte sich der FIFA-Präsident. „Aber wenn man etwas zurückgeben kann, dann will man nicht. Was ist das? Das ist Mangel an Respekt, mangelnder Respekt für ganz Afrika“.
Ernie Els: Ängste werden hochgespielt
Einer, der es wissen sollte, findet, dass die Sicherheitsbedenken hochgespielt werden. „Sicherheitsbedenken gibt es in jedem Land,“ meint der weltbekannte und vielgereiste südafrikanische Golfer Ernie Els (40). „Ich denke, dass es eine der besten Weltmeisterschaften aller Zeiten wird. Die Sicherheit in Südafrika hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert. Wir sind eine Nation geworden. Die positive Energie ist so spürbar wie ich es noch nie erlebt habe.” Auch die Infrastruktur sei beeindruckend, sagte Els. Vielen sei gar nicht bewusst, was für ein Mega-Event eine Fuβball-WM sei. „Schade nur, dass die Weltmeisterschaft im Winter stattfindet und die Besucher das Land nicht in seiner ganzen Pracht erleben.“
Preiswertere Tickets für Südafrikaner
Nach drei Kartenvorverkaufsrunden im vergangenen Jahr standen bei Eröffnung der vierten Verkaufsrunde Mitte Februar noch etwa ein Drittel der rund drei Millionen Tickets zur Verfügung. In dieser vierten Runde (von insgesamt fünf), die bis zum 7. April dauert, werden mehr als 400000 Tickets angeboten.
Wenige Tage nach Eröffnung der neuen Verkaufsrunde kündigte FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke starke Preisreduzierungen für südafrikanische Bürger an. Nach enttäuschenden Verkäufen außerhalb Südafrikas werden Tickets der Kategorie 2 und 3, die bis zu R 840 kosten, jetzt zum Preis der Kategorie 4 (R 140) an Südafrikaner verkauft. In allen anderen Ländern, auch den übrigen afrikanischen, kosten die günstigsten Eintrittskarten vier Mal so viel.
„Wir erhöhen die Zahl der Kategorie-4-Tickets, weil es nicht angehen kann, dass die Weltmeisterschaft in Südafrika stattfindet, aber die Leute dort keine Spiele sehen können,“ erklärte Valcke. „Das bedeutet zwar geringere Einnahmen für die FIFA, aber immerhin haben wir unser Budget-Ziel von 423 Millionen Dollar bereits erreicht.“
Valcke ist der Ansicht, dass Fluggesellschaften und Reiseunternehmen teilweise für die Zurückhaltung im Vorverkauf verantwortlich sind. „Weil es eine Weltmeisterschaft ist, meinen offenbar alle, sie könnten die höchsten Preise fordern, um ihre Einnahmen zu optimieren. Doch diesmal funktioniert das nicht, denn man darf nicht vergessen, dass es sich bei Südafrika um eine Fernreise handelt und dass Besucher nicht nur einige Tage bleiben. Man muss Angebote machen, die sich die Fans leisten können.“
Valcke räumte ein, dass es ein Fehler gewesen sei, der FIFA-Agentur Match exklusive Rechte für Pauschalreisen und –tickets zu gewähren, nicht nur für Südafrika, sondern auch für die nächste WM in Brasilien. „Wir haben einiges gelernt, was uns 2014 helfen wird,“ so Valcke. „Tickets für diese WM müssen wir direkt an die Fans verkaufen. Möglicherweise werden wir rings um die Welt Kartenverkaufsstellen einrichten.“
WM-Belastung für die Umwelt
Die bevorstehende Fußball-WM in Südafrika ist auch an der Klima-Konferenz in Kopenhagen nicht vorbeigegangen. Wegen der langen Anreise von Teams und Fans werde die durch die Fußballweltmeisterschaft 2010 verursachte weltweite Umweltbelastung neun Mal höher ausfallen als vor vier Jahren bei der WM in Deutschland, erklärte Dorah Nteo, die Direktorin der südafrikanischen Klimabehörde DEAT, vor den Medien in der dänischen Hauptstadt.
Da Fans aus Europa und Amerika eine Anreise von Tausenden von Kilometern haben, ist die Belastung durch den Flugverkehr – nicht nur nach Südafrika, sondern auch innerhalb des Landes – natürlich am größten, laut DEAT 85 Prozent. Die Umweltbehörde der Vereinten Nationen geht davon aus, dass der durch die WM verursachte Kohlendioxidausstoß doppelt so hoch sein wird wie letztes Jahr bei den Olympischen Spielen in Peking. „Wir rechnen mit 2,75 Million Tonnen, verglichen mit 1,18 Million Tonnen bei den Olympischen Spielen,” so UN Sprecher Theodore Oben.
Nach wie vor wird erwartet, dass rund 400000 Fans aus aller Welt nach Südafrika reisen. Nach Angaben der UN Behörde ergeben sich daraus mehr als 7,1 Millionen Flugkilometer und mindestens 1,6 Millionen Tonnen CO2. Die UNO hat Fans und Teams aufgefordert, beim Kauf von Tickets eine CO2 Abgabe zu entrichten – insgesamt seien als Kompensation für die Kohlendioxidemissionen 33 Millionen US Dollar erforderlich. Der Großteil der teilnehmenden Mannschaften hat Bereitschaft zur Entrichtung einer solchen Abgabe signalisiert, darunter Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Italien und die Vereinigten Staaten.
Schiedsrichterehre
Unter den 30 WM-Schiedsrichtern ist auch ein Südafrikaner. „Ich fühle mich geehrt, und ich bin schon ganz aufgeregt”, freute sich Jérôme Damon nach seiner Ernennung. “Aufgeregt, weil ich diesmal Südafrika als Gastgeber vertrete. Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland war ich auf der Ersatzliste, aber ich kam nie zum Einsatz. Ich denke, dass ich diesmal gute Aussichten habe, aktiv dabei zu sein.“ Der gebürtige Kapstädter hat Landsmann Enock Molefe als Assistenten.
Eröffnungsfestival in Kapstadt
Das brandneue Cape Town Stadium im Kapstädter Stadtteil Green Point ist Ende Januar mit einem Fußballfestival eröffnet worden. Die beiden Oberliga Teams von Kapstadt, Ajax Cape Town und Santos, hatten die Ehre. Vor 20000 Zuschauern lieferten sie sich ein recht lahmes Spiel, das ohne Tor endete. Im Shoot-out gewann Santos schließlich mit 6:5 den Festivalpokal.
Der Ball heißt Jabulani
Das offizielle Leder für die Fußballweltmeisterschaft 2010 heißt Jabulani, was in der Spache der Zulu ‘glücklich sein’ bedeutet.
Der Ball wurde im Vorfeld der Endauslosung Anfang Dezember im CTICC, dem internationalen Messezentrum in Kapstadt, in Anwesenheit von FIFA-Präsident Joseph Blatter und den Fußballgrößen Franz Beckenbauer und David Beckham vorgestellt.
Jabulani, der jüngste WM-Fußball aus dem Hause adidas, ist wie seine Vorgänger ein kleines technisches Wunderwerk, das indes auch nicht der Symbolik entbehrt: Die elf Farben auf dem Ball (Logo inklusive) stehen für das elfte Mal, dass adidas den offiziellen WM-Ball für sämtliche Spiele entwickelt hat, für die elf Amtssprachen und Volksgruppen in Südafrika und natürlich die Anzahl von Spielern in einer Fußballmannschaft.