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Reisebericht

 

Auf Tour

 

Air Namibia

 

Vom  6.09.2007

Robben als Trauzeugen

Die namibische Wintersonne hat die Nebelschwaden am Jachtclub aufgelöst und gibt den Blick frei auf die Walfischbucht. Am Steg dümpelt ein großer Katamaran in den glitzernden Wellen. Es ist 8.45 Uhr. Der Törn kann beginnen.

© Carsten Möhle
„Willkommen an Bord der Silver Sand“, Skipper Cronje Grane begrüßt die Passagiere, die sich Schritt für Schritt über den wackligen Bootsstieg vorgetastet haben und nun nach und nach auf dem Sonnendeck des Katamarans Platz nehmen. Auch Robby erwartet die Gäste bereits. Robby ist fünf Jahre alt und etwa 200 Kilo schwer.

Eine männliche Pelzrobbe. Sie lässt sich von Crane ein paar Fische zum Frühstück servieren bevor sie sich mit einem zufriedenen Grunzen und einem spektakulären Bauchklatscher verabschiedet. Die Touristen sind begeistert. „So kann es weiter gehen“, ruft eine junge Spanierin. Die Crew macht die Leinen los und der Kapitän nimmt Kurs auf die Sandbank Pelican Point.

Der Veranstalter Catamaran Charters bietet die Rundfahrt durch die Walfischbucht täglich an. Ein Törn von 8.30 bis 13.00 Uhr kostet 390 Namibia Dollar pro Person. Seit die Eigentümer Daniela und Marko Jansen van Vuuren im April diesen Jahres die knapp 20 Meter lange Silver Sand gekauft haben, sind die Touren sogar für größere Hochzeitsgesellschaften interessant.
© Carsten Möhle
„Wir haben schon öfters Brautpaare an Bord begrüßt“, sagt Daniela. „Aber das neue Boot ermöglicht uns, die gesamte Hochzeitsfeier auf dem Wasser stattfinden zu lassen.“ Bis zu 40 Passagiere nimmt das Schiff problemlos auf. Im afrikanischen Winter von Juni bis September sind es Daniela zufolge vor allem frisch Vermählte aus Europa, die ihre Flitterwochen in Namibia verbringen. Im Sommer, vor allem im Dezember, buchten dagegen vor allem einheimische Liebespaare die Bootstouren. Zwei Pärchen hätten sich sogar direkt am Bootssteg trauen lassen, erzählt Daniela.

Der Törn ist ein unvergessliches Erlebnis. Gleich zu Beginn gleitet der Katamaran an Heerscharen von Flamingos vorbei, die ihre Schnäbel auf der Suche nach Krebstierchen durch das seichte Wasser der Lagune schaukeln. Dann kreuzt er die Bucht, lässt die rostenden Fischkutter im Hafenbecken hinter sich, fährt hinüber zu den Austernfarmen und zum alten Leuchtturm am Pelican Point. Währenddessen reicht die Crew den im Fahrtwind fröstelnden Passagieren Sherry und warme Decken. In der geschützten Kabine wird Kaffee ausgeschenkt.

Das Sonnendeck am Bug wird derweil immer wieder von blinden Passagieren in Beschlag genommen. Max, die einbeinige Möwe, Sally, der Seehund, der eigentlich Sam heißen müsste, weil er ein Männchen und kein Weibchen ist, wie die Crew ursprünglich annahm. Und schließlich Fritz, oder besser ein Fritz. „Alle Kormorane heißen bei uns Fritz“, sagt Skipper Grane. „Es ist unmöglich, sie zu unterscheiden.“ Noch während er spricht, flattert Fritz dem Skipper auf die Schulter, so als wolle er seine Einzigartigkeit demonstrieren.
© Moritz Koch
Die blinden Passagiere posieren überraschend geduldig für die Kameras der Touristen. Robby, Max, Sally und Fritz, wissen: Eine Stippvisite auf der Silver Sand zahlt sich aus. Skipper Grane hat immer frischen Hering in der Tasche.

Der Leuchtturm ist erreicht, doch die eigentlichen Attraktionen der Bootstour haben sich bisher nicht blicken lassen. „Marine Big Five“ hat sie die Crew getauft. Der größte von ihnen ist der Buckelwal, der im Juli und August an der namibischen Küste entlang schwimmt, um in den wärmeren Gewässern Angolas seine Jungen aufzuziehen. „Leider machen die Wale in diesem Jahr einen Bogen um unsere Bucht“, sagt Grane. „Sie schwimmen weit draußen im offenen Atlantik.“ Auch der gewaltige Mondfisch, der vor allem in den südafrikanischen Sommermonaten Dezember, Januar und Februar mit unendlicher Gelassenheit die Quallen in der Walfischbucht verspeist und die massive Lederrückenschildkröte, die den Durchmesser eines Ehebetts erreichen kann, sind abgetaucht. Bleiben die Benguela Delfine. Und die lassen nicht mehr lange auf sich warten.

Erst lugt hier und dort eine Rückenflosse aus dem Wasser hervor, dann plötzlich schäumt die See. Die Delfine treiben einen Fischschwarm vor sich her, springen meterhoch aus dem Wasser. Gerade einmal 1,70 Meter lang werden die Benguela Delfine, die ausschließlich in der kalten Strömung vor der namibischen Küste leben. Damit sind sie nach dem fast ausgestorbenen mexikanischen Vaquita die zweitkleinste Delfinart der Welt. Die kleinen Meeressäuger zeigen keinerlei Scheu, als die Silver Sand in ihr Revier vordringt. Im Gegenteil: Sie heißen den Katamaran als Mitschwimmgelegenheit willkommen und heften sich an seine Kufen. Sehr zur Freude der Passagiere an Deck tauchen sie dabei immer wieder auf und prusten kleine Fontänen in die Luft.

Doch was war das? Skipper Grane blickt angestrengt aufs Meer. Dort hinten, nicht weit vom Pelican Point. Da ist es wieder. Ein Spritzer, zu kraftvoll für die kleinen Benguela Delfine. Die Silver Sand dreht bei. Minuten später findet sie sich in einer Herde von über zwei Meter großen Tümmlern wieder. Auch sie sind auf der Jagd nach Fischen. Mit wilden Sprüngen stürzen sie sich auf ihre Beute. Stundenlang könnte man dem wüsten Treiben zusehen, doch der unvergessliche Vormittag auf See neigt sich dem Ende entgegen.

Die Silver Sand fährt langsam wieder Richtung Hafen. Auf dem Rückweg tischt die Crew ein köstliches Mittagsmenu auf. Krabbenfleisch, Fisch und natürlich: Frische Austern. Die Spezialitäten aus der Walfischbucht. Satt und zufrieden erreichen die Passagiere schließlich den Hafen. Auch die Robbe Robby wartet bereits am Steg. Doch diesmal hat Skipper Grane keinen Fisch mehr in der Tasche. Robby springt zurück ins Meer. Er ist der einzige, der am diesem Tag enttäuscht nach Hause geht.
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