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Vom 4.03.2010 Namibische Traditionen neu belebt
Namibia – das Land, in dem die verschiedensten Völker nebeneinander leben, mit Traditionen, die schon drohen, in die Vergessenheit zu geraten. Einem, dem die Bedeutung der alten Sitten und Bräuche besonders am Herzen liegt, ist Werner Pfeifer. Der gebürtige Namibier war einige Jahre in Deutschland als Wikinger- und Steinzeitakteur tätig und gründete vor fünf Jahren zusammen mit fünf weiteren Aktiven die Living Culture Foundation Namibia, LCFN, und gab damit den Anstoß, die Traditionen namibischer Völker wieder aufleben zu lassen.
„Ich war wahnsinnig neugierig auf das alte Afrika und die Geschichte, die sich dahinter verbirgt“, erzählt Werner „und so kam mir die Idee mit den lebenden Museen.“ Ziel der LCFN ist es, in den Gemeinschaften verschiedener namibischer Völker solche Museen zu implementieren, ohne dafür Geld zur Verfügung zu stellen. „Wir leisten in anderer Form Hilfe“, so Werner Pfeifer, „ in dem wir zum Beispiel die Bewohner in Buchführung, Marketing und Tourismus trainieren“. Dazu wird außerhalb des eigentlichen Dorfes ein weiteres aufgebaut, das als lebendes Museum fungiert. Die Hütten, Kleidung, Werkzeug, all die Sachen vergangener Tage müssen die Bewohner selbst herstellen. Außerdem arbeiten sie das Wissen um ihre alte Lebensweise auf und zeigen den Besuchern dann unter anderem, wie sie früher gejagt und Schmuck hergestellt haben. Dadurch wird das Museum zu ihrem Arbeitsplatz und zu ihrem eigenen Betrieb, den sie führen und dessen Gewinne sie in der Gemeinschaft aufteilen können. „Wenn das Museum erst einmal anläuft, stehen wir den Bewohnern als Berater zur Verfügung, besuchen sie regelmäßig und unterstützen sie bei Entscheidungen und Problemen“. Und davon gibt es am Anfang immer wieder welche. So müssen die Gemeinschaften beispielsweise erst Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen ihrer Besucher aufbauen oder den Umgang mit Geld lernen. „Doch das gehört zum Prozess dazu und letztendlich entwickeln die Bewohner für ihr Projekt einen unheimlichen Stolz, ihr Wissen über Pflanzen und Tiere nicht nur an Fremde, sondern auch an die eigenen Nachkommen weiter geben zu können“, berichtet Werner Pfeifer aus seiner Erfahrung. Grundsätzlich übernimmt ein Gemeinemitglied als Manager die Verantwortung und organisiert den laufenden Betrieb. Touristen, die das lebende Museum besuchen, können dann zwischen unterschiedlichen Programmpunkten wählen, durch sie von einem englisch-sprachigen Guide geführt werden. Die Preise richten sich dann nach den verschiedenen Aktivitäten. In der Regel gibt es in der Nähe auch einen einfach ausgestatteten Campingplatz. Alle lebenden Museen sind täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet. Das erste lebende Museum wurde 2004 in Zusammenarbeit mit der LCFN und Buschleuten gegründet und hat sich heute zu einem beliebten Touristenziel entwickelt. Im folgte das Museum der Mafwe, das 2008 aus der Taufe gehoben wurde und das bei Singalamwe, rund 22 Kilometer nördlich von Kongola liegt. Im Februar diesen Jahres wurden drei weitere Projekt dieser Art eröffnet: das Nharo-Museum auf der Farm Okatumba-West, das Museum der Damara in der Nähe von Twyfelfontein sowie das Living Hunter´s-Museum im Buschmannland, nicht weit entfernt von Tsumkwe.
Grundsätzlich übernimmt ein Gemeinemitglied als Manager die Verantwortung und organisiert den laufenden Betrieb. Touristen, die das lebende Museum besuchen, können dann zwischen unterschiedlichen Programmpunkten wählen, durch sie von einem englisch-sprachigen Guide geführt werden. Die Preise richten sich dann nach den verschiedenen Aktivitäten. In der Regel gibt es in der Nähe auch einen einfach ausgestatteten Campingplatz. Alle lebenden Museen sind täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet.
Das erste lebende Museum wurde 2004 in Zusammenarbeit mit der LCFN und Buschleuten gegründet und hat sich heute zu einem beliebten Touristenziel entwickelt. Im folgte das Museum der Mafwe, das 2008 aus der Taufe gehoben wurde und das bei Singalamwe, rund 22 Kilometer nördlich von Kongola liegt. Im Februar diesen Jahres wurden drei weitere Projekt dieser Art eröffnet: das Nharo-Museum auf der Farm Okatumba-West, das Museum der Damara in der Nähe von Twyfelfontein sowie das Living Hunter´s-Museum im Buschmannland, nicht weit entfernt von Tsumkwe. Das lebende Museum der Ju/‘Hoansi bei Grashoek Die Ju/‘Hoansi Buschleute sind in der nordwestlichen Kalahari und damit im nordöstlichen Namibia, etwa zwischen Grootfontein und der Grenze zu Botswana zu Hause. Seit etwa 30 Jahren leben sie nur noch halbwegs traditionell, da sie um feste Wasserstellen angesiedelt wurden und im Bereich der N//a Jaqna auch nicht mehr jagen dürfen. Das Dorf Grashoek hatte 2004 ein ganz besonders erfolgreiches lebendes Museum eröffnet, um damit ihre alte Kultur zu erhalten und sich auch gleichzeitig eine Einnahmequelle über den Tourismus geschaffen. In ihrem lebenden Museum zeigen die Ju/‘Hoansi viele Aspekte ihrer uralten Kultur, wir Jagdtechniken, Singen, Tanzen, Spiele, Handwerk, Schmuckherstellung und führen den Besucher in den Busch auf die Suche nach einer unglaublichen Vielfalt an Buschnahrung- und Medizin. Sie legen besonderen Wert auf Authenzität. Somit erlebt der Besucher die Kultur genau so, wie sie vor 50 oder 1000 Jahren noch gelebt wurde. Anmeldungen sind nicht möglich, da es dort kein Telefon gibt. Das lebende Museum ist jedoch vortrefflich organisiert, so dass Besucher sofort empfangen werden. Das lebende Museum der Mafwe Das „Living Museum of the Mafwe“ ist das zweite Projekt seiner Art in Namibia. Vor knapp zwei Jahren wurde das Living Museum of the Mafwe aus der Taufe gehoben. Die Mafwe sind einer von fünf Caprivianer-Stämmen; sie leben traditionell vom Fischen, Jagen, der Viehhaltung und Landwirtschaft. Das „lebende Museum“ der Mafwe ist bei Singalamwe gelegen, rund 22 Kilometer nördlich von Kongola. Das Dorf liegt auf einer Anhöhe mit Blick auf das Kwando-Tal, mitten in einem spektakulär schönen Wäldchen aus besonders alten und hohen Baobabbäumen. Die LCFN plant, in diesem Baobabwald einen offiziellen Campingplatz zu errichten. Campen darf man hier auch jetzt schon gegen eine kleine Gebühr, allerdings gibt es noch keinerlei Sanitätsanlagen und kein fließend Wasser. Für 120 N$ pro Person nehmen die Living-Museum-Angestellten Besucher mit auf einen etwa zweistündigen Rundgang, der mit einer Tanz- und Gesangsdarbietung abgeschlossen wird. Wer möchte, kann auch einen ganzen Tag mit den Mafwe verbringen. Mit auf dem Programm für 250 N$ steht: Mahango stampfen und Brei daraus zubereiten, Korbflechten, Bogen und Speer bauen oder traditionellen Schmuck herstellen. Solchen gibt es übrigens auch im überaus gut ausgestatteten Kunsthandwerksladen in Kongola. Das lebende Museum der Nharo Die Nharo-Buschleute leben in der weiteren Umgebung um Gobabis, im zentralen Osten Namibias. Kein Nharo ist heute mehr Jäger und Sammler. Eine Gruppe Nharo bekam die Chance, ihr eigenes lebendes Museum auf der Farm Okatumba- West zu errichten. Sie bauten es selbständig auf und betreiben ihr lebendes Museum auch selber. Hier zeigen sie Besuchern, wie sie in alter Zeit, lange vor dem europäischen Einfluss, gelebt haben. Sie legen besonders großen Wert auf Authenzität, derweil sie Bogenjagd, Fährtenlesen, Fallenstellen, Spiele, Gesang und Tanz, Werkzeug- und Schmuckherstellung zeigen oder auf einer Buschwanderung Pflanzen für Nahrung oder Medizin erklären. Das lebende Museum ist von Windhoek aus in etwa einer Stunde zu erreichen (80km). Man fährt nach Osten am Internationalen Flughafen Hosea Kutako vorbei. Nachdem man Seeis passiert hat, biegt man auf die D1535 nach links ab (Es ist die zweite Abfahrt nach Seeis.). Nach 7km Schotterstraße sieht man das große Schild, das zum lebenden Museum der Nharo führt. Dieses findet man nach weiteren 7km direkt am Weissen Nossob-Fluß, auf der Farm Okatumba-West, gelegen. Den Museumsmanager erreicht man unter:Tel.: +264-81 6122921 Das lebende Museum der Living Hunter‘s Die Ju/‘Hoansi sind eine Buschmann-Sprachgruppe, welche heute in der erweiterten Gegend um Tsumkwe, im nordöstlichen Namibia zu Hause ist. Leider lebt keiner dieser Menschen mehr als Jäger- und Sammler, die sie mal waren. Um ihr uraltes Wissen nicht zu vergessen und auch gleichzeitig davon existieren zu können, haben die Einwohner des Dorfes //Xa/oba beschlossen, ein lebendes Museum zu eröffnen. Hier zeigen sie Besuchern, wie sie in der alten Zeit gelebt haben, nehmen darüber Geld ein und gleichzeitig lernen ihre Kinder die alte Kultur und das spezielle Wissen über Tiere, Pflanzen, Medizin und die alte Weltanschauung kennen. Somit ist das lebende Museum ein Bildungsinstitut für Buschleute und fremde Besucher. Da sie in diesem Gebiet auch noch traditionell jagen dürfen, ist dieses lebende Museum in diesem Aspekt einzigartig in Namibia, ja im gesamten südlichen Afrika! Einige ihrer Programme beinhalten neben der echten Bogenjagd auch Fährtenlesen, Fallenstellen, Buschkost suchen, Heilpflanzen nutzen, Singen, Tanzen, uralte Spiele spielen, Schmuck- und Geräte herstellen usw. Die Ju/‘Hoansi dort legen sehr großen Wert darauf, alles genau so zu zeigen, wie es wirklich früher war, d.h. Güter jeglicher Art aus der westlichen Welt sind im Museum verpönt, damit der Besucher einen authentischen Eindruck der alten Zeit gewinnen. Das lebende Museum ist direkt an der Straße zwischen Tsumkwe und dem Khaudom Nationalpark gelegen. Ein großes Schild 23km nördlich Tsumkwe führt die Besucher hin. Es gibt keine Möglichkeit im Voraus zu buchen, aber die Ju/‘Hoansi sind vortrefflich organisiert und empfangen die Besucher sofort. Das lebende Museum der Damara Die Damara, Ureinwohner Namibias (wie die Buschleute auch), lebten einst als Jäger und Sammler, züchteten aber auch Rinder, Schafe und Ziegen. Durch einwandernde Herero, mit denen sie etwa 150 Jahre lang im Kriegszustand lebten, verarmten sie. Viele zogen sich in die von Herero gemiedenen Bergregionen zurück. Den Europäern der Kolonialzeit waren sie deshalb als scheue Bergdamara bekannt. In ihrem heutigen Kommunalgebiet, in etwa der Gegend zwischen Usakos und Sesfontein, leben viele Damara heute von Kleinviehhaltung und Mineralienverkäufen. Eine Gruppe Damara, unter dem Initiator Hans-Bernhard Naobeb, gründete ein lebendes Museum in der Nähe der weltberühmten Felsgravurenstätte Twyfelfontein. Die Etablierung dieses lebenden Museums stellte nicht nur die Gruppe der Damara um Hans-Bernhard vor eine schwierige Probe. Auch die Mitglieder der Living Culture Foundation zweifelten daran, ob die Darstellung der Kultur der Damara in einem lebenden Museum überhaupt möglich sei, denn ein solches zeichnet sich ja durch eine hohe Authentizität aus. Diese Authentizität sahen die LCFN-Mitglieder lange Zeit nicht gewährleistet, denn die traditionelle Kultur der Damara war so gut wie vergessen. Die Lösung war die Rekonstruktion der traditionellen Kultur für das Museum anhand von alten Bildern und Texten und mit Hilfe von Buschleuten aus dem lebenden Museum der Ju/’Hoansi. Anhand von wissenschaftlichen Texten über die Damara und die Ju/’Hoansi konnte herausgefunden werden, dass sich die traditionelle Kultur in einigen Bereichen (z.B. Gerben des Leders und Herstellung von Kleidung, Schmuckherstellung und ähnliches) stark ähnelte. Einige Ju/’Hoansi aus dem Museum in Grashoek wurden im Mai 2009 zu einem traditionellen Workshop nach Twyfelfontein eingeladen, wo es für die Damara darum ging, von den Buschleuten diese alten Techniken wieder zu erlernen. Das war der entscheidende Punkt in der Entwicklung des Museums, denn von da an, konnten die Damara ihre traditionellen Fähigkeiten auch selbst weiterentwickeln. Ein zweiter Workshop im Dezember widmete sich dann der Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Fallen und bereitet endgültig den Weg für die erfolgreiche Eröffnung des lebenden Museums der Damara. Das lebende Museum ist nach alten Vorbildern rekonstruiert. Die Damara, gekleidet in ihrer uralten Ledertracht, zeigen traditionelle Aktivitäten wie Schmieden, Singen, Tanzen, Spiele, Nahrungszubereitung und das Herstellen von Schmuck und Geräten. Eine Buschwanderung bietet traditionelle Bogenjagd, Fallen stellen und eine erstaunliche Vielfalt an Nahrungs- und Heilpflanzen zum Kennenlernen. Die Damara freuen sich besonders, wenn man bereit ist, an einigen Aktivitäten mit teilzunehmen. Besucher können auch eine Führung durch das moderne Dorf der Damara buchen. Fährt man nach Twyfelfontein, kommt man automatisch am lebenden Museum der Damara vorbei. Ein paar wenige hundert Meter hinter dem Abzweig von der D2612 nach Twyfelfontein weist ein Schild zum lebenden Museum. Die Managerfamilie Hans-Bernhard und Thalita Naobes erreicht man unter: Tel.: 081-3263669 Mehr Informationen unter: www.lcfn.info Ju/Hoansi-Museum auf Omandaumba-West Seit zwei Jahren kann das Ju/Hoansi lebende Museum auf der Farm Omandumba West von Anfang März bis Ende Oktober besucht werden. Auf der Farm leben zwischen 15 und 17 Buschleute, die alle drei Monate wechseln, „damit sie nicht zu lange von ihren Familien getrennt sind“, erzählt Harald Rust von Omanduma. Das Projekt entstand bei einem Besuch von Werner Pfeifer und hat sich mittlerweile zu einer beliebten Touristenattraktion entwickelt. Die Buschleute werden von der Farm mit Fleisch, Holz und Wasser versorgt und leben zirka zwei Kilometer vom eigentlichen Farmhaus entfernt.Das lebende Museum gibt den Besuchern einen interessanten Einblick in die uralte Jäger- und Sammlerkultur und die ursprüngliche Lebensweise der San. Das Lebende Museum ist ein Ausbildungsinstitut, eine Kombination von Schule und Museum, in welchem Besucher einige Stunden mit den Buschleuten deren Kultur kennenlernen können: z.B. mit ihnen auf die Jagd gehen, Fallen stellen, Buschmannschmuck, Medizin sowie Pfeil und Bogen und andere Geräte herstellen. Sie führen ihre uralten Spiele, Tänze und Gesänge vor (man darf auch mitmachen), der Medizinmann zeigt einen Trancetanz, und vieles mehr. Im Museumsladen kann man von den Buschleuten selbst hergestellte Reiseandenken wie Schmuck, Waffen, Werkzeuge, Pudersäckchen u. a. kaufen. Das lebende Museum wird eigenständig von den Buschleuten betrieben, 90% aller Einnahmen gehen direkt an sie (10% erhält die Farm Omandumba für Dienstleistungen an das Lebende Museum). Die Einnahmen werden für Schule, Kleidung, Decken usw. verwendet. Auch die Souvenirs erfreuen sich großer Beliebtheit. Das Herero-Theater in Okakarara Ein weiteres Projekt, bei dem man einen Einblick in die Traditionen der namibischen Völker bekommen kann, ist das „theatre in Okakarara“, das es seit einem Jahr gibt und von Jürgen und Gertrud Schmotz initiiert wurde. Auf einer Bühne unter einem Kameldornbaum werden die Besucher mit dem Theaterstück „Ehoro romaere“ durch Tänze und Geschichten in die Welt der Herero eingeführt. Sie lernen ihre traditionelle Kleidung und Kopfschmuck kennen, erfahren mehr über das heilige Feuer und das traditionelle Getränk „Omeire“, das ein Sauermilchprodukt ist. Außerdem dürfen die Gäste bei der einstündigen Vorführung von der Poitjie-Kost und der Milch probieren. Das Theaterstück wurde mit Hilfe der Regisseurin Heidemarie Rappmund einstudiert und verschafft 14 Akteuren eine Einnahmequelle im Tourismus. Jeden Mittwoch ab 11 Uhr gibt es eine Vorführung, die 140 Namibia-Dollar kostet. Gruppen ab zehn Personen können aber auch im Voraus an einem anderen Tag buchen. Das Theater in Okakarara ist eines der Projekte, das unter dem Gesamtkonzept von „steps for children“ steht und zu dem unter anderem auch eine Vorschulgruppe und eine Nähstube gehören, die ebenso besucht werden können. Tel.: +264-67-317003, 264-81-3149623 Von Sybille Schott |
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