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Vom  2.09.2010

Kiripotib - Gästefarm & Kunstwerkstatt

© Sybille Schott
Wilhelm Otto, Weber auf Kiripotib.
Zirka 160 Kilometer von Windhoek entfernt im Südosten Namibias liegt die 10000 Hektar große Gästefarm Kiripotib. Doch der Begriff Gästefarm allein reicht nicht aus, um diesen wunderschönen Platz am Rande der Kalahari, fern ab vom städtischen Trubel in Windhoek zu beschreiben. Die sehenswerte Schaf- und Rinderfarm von Claudia und Hans Georg von Hase ist vielmehr eine Werkstatt für namibische Kunst, bei deren Entstehung Touristen in entspannter und familiärer Atmosphäre hautnah dabei sein können. Aber auch Segelflieger und Astronomen kommen hier in voll auf ihre Kosten.

1978 kaufte Hans Georg von Hase die Farm und entwickelte Stück für Stück neben der Viehzucht einen Gästebetrieb. Als er 1986 sein Frau Claudia heiratete, begann die gelernte Goldschmiedin auch die künstlerische Seite von Kiripotib zu entfalten. Heute werden hier neben ausgefallenen Schmuckstücken auch hochwertige Karakulteppiche hergestellt. „Früher haben wir alles selbst produziert - von der Wolle bis zum Teppich“, erzählt Claudia. „Heute kaufen wir die Wolle, lassen sie waschen und kämmen und verarbeiten sie anschließend auf Kiripotib.“. Die kunstvollen Einzelstücke werden auf drei Webstühlen von sechs Webern bis maximal vier Meter Breite hergestellt. Dabei entwickeln die Arbeiter ihr eigenes Design bzw. produzieren auf Bestellung. Die Muster kommen aus unterschiedlichen Kulturen und Erlebniswelten der Weber. Die Naturfarben weiß, grau, braun und schwarz variieren in 16 Farbnuancen. Die reine Schurwolle wird auf Kiripotib aber auch gefärbt: intensive und sanfte Töne, klare melierte, kräftige und pastellige Farben kontrastieren mit bunter Fantasie. Abhängig vom Muster produziert ein Angestellter bis zu 25 m² Teppich im Monat. Die Ausbildung der Weber findet zum Teil auf Kiripotib statt, so dass die Farm damit nicht nur Arbeitsplätze, sondern eine Perspektive für Namibier schafft.
© Sybille Schott
Doch damit ist das künstlerische Potenzial der Farm längst nicht erschöpft: In dem kleinen Atelier unweit der Weberei stellt die gelernte Goldschmiedin Claudia von Hase Schmuck der besonderen Art her. Edle Metalle, fantasievoll geschliffene Steine aus aller Welt werden hier zu Einzelstücken verarbeitet. Gold und Silber verschmelzen mit Diamanten und Turmalinen, fassen Schoten und Muscheln oder rahmen die „Ekipas“ zu Schmuck. Neben den selbst produzierten Stücken findet der Besucher aber auch eine große Auswahl von Designerschmuck, der von Künstlern aus ganz Afrika stammt. „Wir entwerfen teilweise Kollektionen zusammen und versuchen so immer wieder neue künstlerische Aspekte einzubringen“, so die Geschäftsfrau. In dem Laden auf der Farm gibt es außerdem noch Keramik-Produkte und viele weitere typisch afrikanische Souvenirs.
Kaufen kann man die wertvollen Teppiche und den Schmuck auf Kiripotib oder in den African-Kirikara Art-Geschäften in Swakopmund und Hout Bay in Kapstadt. „Wenn möglich möchten wir unser Geschäft mit einer Filiale in Windhoek erweitern“, erzählt Claudia von Hase, die 1999 ihren ersten Laden eröffnete.

Übernachtungsgästen stehen auf Kiripotib neben mehreren Zimmern auch Chalets zur Verfügung, die alle mit künstlerischem Charme der Farm ausgestattet sind und eine freundliche Mischung aus afrikanischem Flair und modernem Komfort bieten. Jede Unterkunft verfügt über eine private Terrasse, so dass man die Natur der Umgebung ungestört genießen kann.
Ein Großteil des Farmgeländes wird von Wildtieren genutzt, die sich dort frei bewegen. Auf den Beobachtungsfahrten begegnet man Zebras, Springböcken, Oryx-Antilopen, Riesen-trappen und vielem mehr.
© Sybille Schott
Hans Georg von Hase (l.) mit Hobbyastronom Alexander Quelle erklärt die Sternenwarte auf der Gästefarm Kiripotib
Die heimische Tier- und Pflanzenwelt wird den Gästen auf geführten Wanderungen nahegebracht. Wer nicht wandern möchte, wird vielleicht einen Ausflug auf einer typisch namibischen Donkey- (Esels-) Karre bevorzugen oder auf einer Führung das quirlige Leben der Hauptstadt Windhoek und ihrer Townships kennenlernen.
Aber auch für Familienfeiern oder Hochzeiten ist die Farm in der Kalahari geeignet. Die persönliche Atmosphäre lässt eine romantische Trauung in der kleinen Kirche unweit des Haupthauses zu einem unvergessliches Erlebnis werden.

Von November bis Januar ist Kiripotib besonders beliebt bei Segelfliegern. Sie reisen hier mit ihren Flugzeugen an und bleiben manchmal bis zu drei Monate. „Diese Menschen gehen in ihrem Hobby total auf und sind manchmal den ganzen Tag in der Luft“, erzählt Hans Georg von Hase. Ideale Bedingungen wie zwei Landebahnen und die technische Ausstattung zur Wetteraktualisierung lassen jedes Segelfliegerherz höher schlagen. „Es werden auch Rekorde in dieser Zeit geflogen, die anhand einer aktuellen weltweiten Liste abgeglichen werden können“, führt der Farmer weiter aus. Da die Boardcomputer alles genau aufzeichnen, kann der Pilot nachsehen, wie gut sein Flug war.“ Für die Erfolge der Flieger gibt es auf Kiripotib eine kleine Ehrentafel.

Vor allem zwischen Mai und August sind auf der Farm viele Astronomen zu Besuch. Zirka 300 Meter vom Haupthaus entfernt können sie den namibischen Sternenhimmel beobachten. Um durch keine anderen Lichter gestört zu werden, wurde selbst der Weg dorthin lediglich mit weißer Farbe gekennzeichnet, so dass man keine Taschenlampe oder ähnliches braucht. Mit sieben Astronomie-Stationen und einer großen Sternenwarte sind hier für alle Sternenfreunde ideale Bedingungen geschaffen worden. Neben einem Aufwärmraum mit Kochgelegenheit gibt es eine Toilette, einen Schlafraum und einen mit einer Tresortür geschützte Unterstellmöglichkeit für die Geräte. Alexander Quelle aus Deutschland zählt zu den Sternenfreunden und hat sich zwei Wochen Zeit genommen, seinem Hobby nachzukommen. „Ich bin total begeistert von der Farm und habe die Zeit hier sehr genossen“, erzählt er. Auf jeder einzelnen Station befindet sich eine Säule mit Montierung, auf die dann die unterschiedlichen Teleskope der Besucher gesetzt werden können. So hat beispielsweise Alexander ein Spiegelteleskop, mit dem er besonders weit entfernte Objekte gut sehen kann. In der Sternenwarte wiederum befindet sich ein Refraktor, der vor allem für Himmelsfotografie geeignet ist und per Computer eingestellt werden kann, so dass er sich nach den Objekten ausrichtet.
© Sybille Schott
Neben dem Tourismus ist das zweite Standbein von Kiripotib die Rinder- und Schafzucht, die Hans Georg von Hase sehr am Herzen liegt. Bis zu 800 Bonsmara-Rinder stehen auf der Farm, die in verschiedene Abschnitte eingeteilt ist. „Wir haben einen genauen Plan, welche Tiere in welchen Bereich umgesetzt werden. So bleibt die Weide gut und die Tiere finden immer wieder etwas anderes zu fressen“, erzählt der Farmer. Obwohl der Monat August besonders schwierig sei, hat von Hase für seine Tiere gut vorgesorgt. In Hausnähe sind riesige Berge von Heuballen aufgebaut, die während der Dürre genutzt werden. „Wir haben auf den 10000 Hektar mittlerweile vierzehn Wasserlöcher gebohrt. Da Kiripotib auf einem subartesichen Wasserbecken liegt, muss nur zirka 35 Meter tief gebohrt werden, um auf das lebensspendende Nass zu stoßen. Das ist für namibische Verhältnisse recht wenig. „Die Schafzucht haben wir in den vergangenen Jahren stark reduziert. Wir haben viele Schakale hier, die die Tiere angreifen. Trotzdem wollen wir diese Zucht nicht ganz aufgeben. In Zeiten der Dürre sind gerade diese Tiere sehr widerstandsfähig“, so von Hase.

Kiripotib bietet seinen Besuchern neben außergewöhnlichem afrikanischem Kunsthandwerk familiäre Gastfreundschaft in der unverwechselbaren Landschaft der Kalahari-Dünen. Besucher sind herzlich eingeladen, erholsame Stunden am Wochenende zu verbringen oder Familienfeste dort zu feiern.
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