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Vom  4.03.2010

Grootberg-Lodge: Ein Gemeinschafts-Projekt mit Vorbildcharakter

© Marc Springer
Die rund 90 Kilometer westlich von Kamanjab gelegene Grootberg-Lodge steht im wahrsten Sinne des Wortes am Abgrund. Direkt am Rande des Etendeka-Plateaus erbaut, bietet sie einen atemberaubenden Blick in das darunter liegende Klip-Rivier-Tal, das sich wie eine gigantische, geologische Narbe bis zum Horizont erstreckt.
Es ist aber nicht nur die einzigartige Aussicht, sondern auch das einmalige Geschäftsprinzip, das die Lodge besonders macht. Schließlich ist sie die einzige in Namibia, die komplett der umliegenden Gemeinschaft gehört und die als solches Vorbildcharakter für den hiesigen Tourismussektor hat.
Angefangen hat die Entstehungsgeschichte der Lodge im Jahre 2003 mit einer Initiative des Ministeriums für Umwelt und Tourismus. In Zusammenarbeit mit anderen Interessenträgern wie der „Namibia Community Based Tourism Association“ (NACOBTA) und der „Federation of Namibia Tourism Associations“ (FENATA) wurde damals das Projekt „Community Lodges of Namibia“ ins Leben gerufen.

Ziel der beteiligten Parteien war es, den Einwohner bereits registrierter Hegegebiete zu einem Einkommen im Tourismusbereich zu verhelfen und dabei eine Summe von 4,5 Millionen N$ zu nutzen, die von der Europäischen Union für die Errichtung einer so genannten Gemeinschaftslodge bereitgestellt wurde. In dieser Absicht wurden 16 Hegegebiete mit besonderem Tourismuspotenzial identifiziert und ersucht, sich schriftlich als Nutznießer der Zuwendung zu empfehlen.
Nach Auswertung der eingegangenen Projektvorschläge bekamen die Einwohner des rund 362000 Hektar umfassende Hegegebiets #Khoadi //Hôas den Zuschlag und begann die Suche nach einem Partner aus der Privatwirtschaft, der bei der Umsetzung des Vorhabens assistieren sollte.
© Marc Springer
Nachdem zwei renommierte Tourismusunternehmen ihre Teilnahme an dem dafür ausgeschriebenen Auftrag kurzfristig zurückgezogen hatten, fragte das Umweltministerium im November 2004 bei dem bis dato relativ unbekannten Unternehmen „Ecolodgistix Namibia“ an.
„Wir waren anfangs etwas zögerlich, weil wir so etwas vorher noch nie gemacht haben“, erinnert sich die Finanzmanagerin des Unternehmens, Simonetta Musso. Schließlich sei ihrer Firma von Anfang an klar gewesen, dass das Projekt nicht nur mit hohen Erwartungen, sondern auch mit der Gefahr des Scheiterns verbunden war.
Dennoch sicherte „Ecolodgistix“ vertraglich seine Zusammenarbeit zu und verpflichtete sich damit, der Gemeinschaft von #Khoadi //Hôas zunächst während der Phase des Aufbaus und anschließend bei der Leitung der Lodge behilflich zu sein. Gemäß Vertrag mit der EU wurde diese Funktion auf einen Zeitraum von zehn Jahren befristet, wonach die Geschäftsführung der Lodge komplett an die Gemeinschaft übergehen soll.

„Parallel zur Errichtung der Infrastruktur haben wir mit der Ausbildung von Angestellten begonnen und sie auf der ebenfalls zu `Ecolodgistix´ gehörenden Lodge `Desert Homestead´ in allen Bereichen des Gastgewerbes geschult“, erklärt Musso. Zum Zeitpunkt der Lodge-Eröffnung am 25. Juni 2005 standen somit 19 Vertreter der Gemeinschaft für die Bewirtung und Betreuung der Gäste bereit.
Zu Beginn war das Unterfangen wie von „Ecolodgistix“ erwartet, nicht ohne Startschwierigkeiten. Das lag vor allem daran, dass die zuvor angelernten Mitarbeiter meist weder über Berufserfahrung, noch eine formale Ausbildung verfügten. Deshalb konnte das Management der Lodge beim Personal wenig von dem erwarten, was bei der generell besser qualifizierten Belegschaft einer Privat-Lodge als selbstverständlich vorausgesetzt wird.

Darüber hinaus gab es auf Seiten der Gemeinschaft von Beginn an eine hohe Erwartungshaltung, die mit wirtschaftlichen Realitäten oft unvereinbar war und die zu Reibungsverlusten zwischen der Geschäftsführung und der Gemeinschaft führte.
Grund dafür war eine vertraglich festgeschriebene Gewinnbeteiligung für die Gemeinschaft. Diese festgelegte Summe ließ sich während der ersten drei Jahre nach Eröffnung jedoch nicht in erwartetem Umfang auszahlen, weil die Lodge während der ersten zwei Jahre rote Zahlen schrieb und im dritten Jahr nur knapp die Gewinnschwelle erreichte.
Ungeachtet dieser Startprobleme hat die Lodge seit ihren vergleichsweise bescheidenen Anfängen beachtliche Fortschritte gemacht. Das wird unter anderem in der Anzahl ihrer Mitarbeiter deutlich, die von anfangs 19 auf inzwischen 35 Beschäftigte angewachsen ist.

Dieser Umstand ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass die Lodge seit einiger Zeit zusätzliche Aktivitäten für Gäste anbietet und dafür weiteres Personal rekrutiert hat. Dazu gehören begleitete Wanderungen, Reitsafaris und Pirschfahrten durch das 12000 Hektar großes Areal, das die Lodge umgibt und im dem jegliche Jagd untersagt ist.
Deshalb hat sich das Wild hier ungestört vermehrt und können Besucher neben Springböcken, Oryx, Kudus und Bergzebras gelegentlich auch Elefanten, Löwen und schwarze Nashörner beobachten. Vor allem die seltenen Elefanten und Nashörner der Umgebung sind eine große Attraktion der Lodge und haben die Geschäftsführung veranlasst, spezielle Touren zu Fuß oder auf dem Geländewagen einzuführen. Für diese Ausflüge, bei denen sich die Teilnehmer in Begleitung eines Gästeführers auf die Suche nach den Tieren begeben können, hat „Ecolodgistix“ einige Fährtenleser beim „Save The Rhino Trust“ ausbilden lassen.

Musso, die zusammen mit ihrem Mann die Lodge während der ersten drei Jahre selbst geleitet und die Geschäftsführung danach an ein Manager-Ehepaar übertragen hat, sieht die Zukunft des Projekts insgesamt positiv. Sie räumt aber auch ein, dass es für die Gemeinschaft „nicht einfach“ werden wird, das Management der Lodge nach Ablauf der zehnjährigen Frist komplett zu übernehmen.
Das liegt zum Teil auch an einem allgemein menschlichen Phänomen: Die Gemeinschaft von #Khoadi //Hôas ist eine sehr kleine Gemeinde, deren Mitglieder untereinander häufig durch Verwandtschaft und Freundschaft verbunden sind.
© Marc Springer
Diese engen Beziehungen bergen eine doppelte Gefahr: Zum einen wird es einem künftigen Manager aus den Reihen der Kommune schwerfallen, sich gegenüber Untergebenen durchzusetzen und sie im Konfliktfall zu disziplinieren, denen er privat nahesteht. Zum anderen erhöht sich durch die engen Verwandtschafts- und Familienverhältnisse die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Gemeinde zu Missgunst und Neid gegenüber jenen Mitgliedern kommt, die bei der Lodge mehr Verantwortung tragen und dort deshalb auch mehr Gehalt verdienen.

Die meist kurzfristigen Profitmotive der Mitarbeiter gefährden zudem ein nachhaltiges Wirtschaften, wie es bei der Grootberg-Lodge aufgrund hoher Unkosten besonders wichtig ist. Die hohen Ausgaben ergeben sich vor allem aus der Lage der Lodge, die sämtliche Verpflegung für Gäste und Personal aus dem weit entfernten Windhoek anfahren muss.

„Die laufenden Unkosten summieren sich auf zwischen 400000 und 600000 im Monat und schließen Ausgaben für Gehälter, Strom- und Wasserversorgung, Wartung, Verpflegung, Benzin, Transport und die Instandhaltung der Fahrzeuge ein“, erklärt Musso. Angesichts dieser hohen Ausgaben sei es deshalb geplant, die 12 Chalets der Lodge um mindestens zwei weitere Bungalows zu ergänzen. Damit hofft die Lodge auch für größere Reiseunternehmen interessant zu werden, die meist große Touristengruppen durchs Land fahren und für die „wir bisher zu wenig Platz bieten“.
© Marc Springer
Unabhängig davon, wie sich die Lodge nach der geplanten Komplett-Übernahme durch die Gemeinschaft entwickeln wird, hat sich der Einsatz für Musso bereits jetzt gelohnt. Zwar ist sie nicht mehr permanent in Grootberg anwesend, weil sie sich primär der Aufbau der neuen „River Crossing Lodge“ von „Ecolodgistix“ außerhalb von Windhoek widmet. Dennoch besucht sie die Grootberg-Lodge „mindestens ein Mal im Monat“ und tauscht sich dabei auch mit der Gemeinschaft aus.
„Sie sind auf einem gutem Weg“, resümiert Musso. Zu diesem Optimismus geben auch die gestiegenen Besucherzahlen der Lodge Anlass, die zur Hochsaison fast immer komplett ausgebucht ist. „Die Lodge ist zur größten Einnahmequelle der Gemeinschaft geworden“, sagt Musso nicht ohne Stolz.

Hat sich das Einkommen der Gemeinde vorher auf den gelegentlichen Verkauf von Wildfleisch und Einnahmen aus der Trophäenjagd in ihrem Hegegebiet begrenzt, sieht ihre finanzielle Zukunft nun wesentlich besser aus. „Die Kommune profitiert heute nicht nur aus der Gewinnbeteiligung an der Lodge, sondern auch in Form von Gehältern der dort beschäftigten Angestellten“, sagt Musso. Dann reflektiert sie kurz über die indirekten Nutzen, den die Lodge für das Hegegebiet hat und fügt hinzu: „Die Lodge ist für die #Khoadi //Hôas auch deshalb von Vorteil, weil unsere Gäste bei Mitgliedern der Gemeinde zum Beispiel Schnitzereien und andere Handarbeiten kaufen. Außerdem ziehen sie einen intellektuellen Nutzen aus der Ausbildung unserer Mitarbeiter, die sich in finanziellen Maßstäben gar nicht erfassen lässt.“ n
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