Gästebetten sind für die Fußballweltmeisterschaft in ausreichender Zahl vorhanden. Schließlich kommen jährlich neun Millionen Touristen nach Südafrika, und die geschätzte Zahl ausländischer WM-Besucher ist mittlerweile von 450000 auf rund 400000 reduziert worden. Nach Angaben von LOC-Sprecher Rich Mkhondo stehen im ganzen Land mehr als 200000 Hotelzimmer zur Verfügung. Zwar konzentriert sich ein guter Teil davon auf Kapstadt, Johannesburg, Durban und andere größere Städte, aber in den kleineren Gastgeberstädten des Nordens, wie Nelspruit und Polokwane werden auch Pensionen und andere Privatunterkünfte genutzt, selbst Internatsschulen. Damit Schülerheime vermietet werden können - und damit der Straßenverkehr entlastet wird - sind die Winterferien vorverlegt und verlängert worden, so dass sie genau mit der WM zusammenfallen.
Der Winter ist im Südafrika-Tourismus Nebensaison mit entsprechend günstigeren Preisen für die Unterkunft. Doch nicht in diesem Jahr. Da hoffen viele auf märchenhafte Gewinne in nur vier Wochen: Teilweise sind Übernachtungspreise bis auf das Sechsfache gesteigert worden, und auch Flüge werden deutlich teurer sein. Kräftige Preiserhöhungen während großer Veranstaltungen sind überall auf der Welt gang und gäbe. Dennoch warnen insbesondere die hiesigen Tourismus-Organisationen schon seit Monaten, dass übertriebene Gewinnerwartungen nicht in Gier ausarten dürfen, weil maßlose Preise am Ende nur Südafrikas gutem Ruf als erschwingliches Reiseziel schaden und potenzielle Besucher nach der Weltmeisterschaft abschrecken.
Für wahre Traumpreise werden elegante Villen in bester Lage in Kapstadt angeboten. Von fast sechsstelligen Randbeträgen pro Tag ist die Rede. Für solche fürstlichen Summen sind mehrere luxuriöse Schlafzimmer und Wohnräume zu haben, mit Schwimmbad versteht sich, großer Sonnenterrasse, um den fantastischen Meeresblick zu genießen, und weiteren unverzichtbaren Annehmlichkeiten wie Heimkino und Jacuzzi. Manchmal werden auch Butler und Koch mitgeliefert. Nur, großer Witz, Juni und Juli sind nun mal tiefster Winter am schönsten Kap der Welt, und zum Winter am Kap gehört Regen, denn das restliche Jahr ist so gut wie trocken. Die teure Aussicht könnte tagelang grau verhangen sein, die Terrasse nass und wenig einladend, und wer will schon bei 15 Grad und Regen in den hauseigenen Pool steigen.
Mehr Freude und ein viel authentischeres Afrika-Erlebnis dürften Fans haben, die ihr Augenmerk auf das entgegengesetzte Ende der Unterkunftsskala richten und sich allen etwaigen Vorurteilen zum Trotz in den (einstigen) Townships einmieten, wo die wahre afrikanische Fußballbegeisterung herrscht, allen voran Soweto. Keine Sorge, niemand braucht in ärmlichen Wellblechhütten übernachten: längst gibt es Pensionen aller Art, von schlicht bis gehoben, und mehrere Restaurants in diesem Teil von Johannesburg sind inzwischen Legende. Bemerkenswert ist auch, dass die B&B Besitzer von Soweto offenbar keine horrenden Preissteigerungen vorgesehen haben: Bett und Frühstück gibt es bereits ab R350 pro Tag.