Als ich gefragt wurde, ob ich an einer Kuiseb Delta Adventures Tour mit Quad Bikes teilnehmen will, war ich zunächst hell begeistert. Rechts am Lenkrad Gas geben, links bremsen, kinderleicht. Aber wenn du auf einer dreißig Meter hohen Sanddüne stehst, und mit einem Quad Bike da runter fahren sollst, dann rutscht dir dein Herz das erste Mal ganz schön in die Hose. Doch schon beim zweiten Mal macht es riesigen Spaß.
Walvis Bay. Die 500 Namibia Dollar, die du dafür hinblättern musst, lohnen sich allemal. Vier Stunden Anschauungsunterricht in der freien Natur über Pflanzen, Tiere, Menschen, gehalten von einem Mann, der etwas davon versteht. Sein Name: Fanie du Preez. Der 58jährige betreibt sein Unternehmen seit acht Jahren in Walvis Bay, führt die Touristen zu Stellen im Kuiseb-Delta an denen Knochenreste, Schmuckbeilagen, alte Werkzeuge dokumentieren, das hier vor Tausenden von Jahren Menschen und Tiere gelebt haben. Ihre Spuren, noch deutlich im harten Lehmboden auszumachen, sind teilweise vom Wüstensand zugeweht.
Vorne weg fährt Fanie. Und das impfte er uns nach gründlicher Einweisung am Quad Bike ein: „Wenn du es genau so machst wie ich es dir erklärt habe, passiert überhaupt nichts. Wenn es steil bergab geht, nur die linke Handbremse betätigen und ein klein wenig Gas geben. Und immer schön in meiner Spur bleiben“. Vor jeder steilen Abfahrt bleibt er stehen und erinnert uns an die Verhaltensmaßregeln. Fanie versteht sein Handwerk und kennt die Wüste wie kaum ein anderer. Erblicken seine Augen ein Tier, eine Pflanze, legt er einen Zwischenstop ein, erklärt alles ganz genau. Als wir plötzlich vor einem Wasserloch halten, weiß er zu berichten: „Dieses Loch hat ein Schakal gegraben, es enthält Süßwasser, für Vögel eine willkommene Gelegenheit ein Bad zu nehmen“.
Es ist schon imponierend, wie sich heute nach Tausenden von Jahren das Küstengebiet und das Delta des Kuiseb-Flusses nahe Walvis Bay im Laufe der Trockenperioden verändert haben. Fanie war immer zur Stelle und wusste stundenlang zu berichten, was es hier vor Millionen von Jahren und vor nicht allzu langer Zeit gegeben hat, zum Beispiel das Leben zwischen den Dünen. Der gebürtige Namibier kennt sich aus, ging mit uns auf teilweise versteinerten Lehmschichten, die der Südwestwind vom Sand freigelegt hat, auf Spurensuche. Viele Tiere Afrikas waren hier vertreten. Elefanten, Nashörner, Springböcke, Eland, Oryx –Antilopen, Büffel und Schakale, nur Löwenspuren sahen wir nicht. Dafür haben aber Menschen und Ziegen ebenfalls ihre Fußabdrücke hier hinterlassen.
Und dann zwischendurch immer wieder die faszinierende Welt der Dünen, das Fahren mit dem Quad Bike, stets eine Herausforderung für uns. Den Blick weiter nach vorn gerichtet. Wo ist Fanie? Plötzlich steht er rechts von mir. Hebt den rechten Daumen hoch, streckt mir seine rechte Hand entgegen und sagt nur „sehr gut“ als ich mit Bravour die vierte steile Abfahrt heruntergerutscht war. Ich gebe Gas, bin richtig stolz, aufgeregt und blicke in Richtung nächste Düne - das macht Spaß.
Dennoch mache ich mir Gedanken darüber, wie groß der Schaden wohl sein wird, den wir hier der Umwelt zufügen. Da beruhigt Fanie mich: „Der Südwestwind verwischt täglich die Spuren und wir fahren auch nur bestimmte Wege mit unseren Fahrzeugen, damit wir keinen Schaden in der Natur anrichten“.
Die Delta-Wüste lebt. Es gibt hier die verschiedensten Insekten, Vögel, Reptilien (Eidechsen und Schlangen), Oryx, Springböcke und artentypische Pflanzen, wie zum Beispiel die Nara, ein kürbisähnliches Gewächs, das einmal im Jahr essbare Früchte trägt und Hauptnahrungsmittel der Topnaars ist. Und kurz darauf erblicken wir eine andere Frucht – ihr Name: Sirub (lateinischer Name capparis hereroensis). Sie ähnelt vom Geschmack her einer Banane und Stachelbeere.
Plötzlich sehen wir Menschen zwischen Bäumen, Topnaars, Angehörige eines Nama-Stammes, der in den Dünen lebt. Sie führen ein karges Dasein, sind aber glücklich und zufrieden. In der Stadt leben? Nein, das wollen sie nicht. Dann stehen wir vor Jacky Topnaars Hütte, einem Künstler, der seine Landschafts- und Tiermotive auf Stoff malt. So mancher Besucher kauft ihm ein Bild für hundert Namibia-Dollar ab. In Jackys „Galerie“ hängen noch viele Bilder und warten auf den nächsten Touristen.
Die historische Wüstentour – ein Traum? Nein, das war ein lebendiges Erlebnis, Geschichte pur. Eingepackt und gut verschnürt von einem Mann, der sich mit seinen 18 Quad Bikes am südlichen Ortsausgang von Walvis Bay vor acht Jahren eine neue Existenz aufgebaut hat.