Newsletter

Auf Tour

 

Air Namibia

 

Vom  5.08.2010

Bäume an Rastplätzen und Fernstraßen:

Prosopis (Prosopis chilensis & Prosopis spp, Fam. Fabaceae)

© Luise Hoffmann
Prosopis-Dornen sind rotbraun wie die Zweige, die im Zickzack verlaufen. Die gefiederten Blätter sind viel länger und gröber als die der Akazien.
Der Prosopis stammt zwar aus den südwestlichen USA und Mexiko, ist jedoch in Namibia so weit verbreitet, dass er in dieser Serie aufgenommen werden soll.
Der Baum fällt im Frühjahr durch sein frischgrünes Laub auf. Er hat doppelt gefiederte Blätter mit zwei bis höchstens vier Fiederachsen. Die Blätter sind wesentlich länger und gröber gefiedert als Akazienblätter. Auffallend ist weiterhin, dass die langen gelben Ährenblüten entlang der gesamten Länge der Zweige herabhängen, während die Ährenblüten der Akazien im Allgemeinen von den Zweigenden abstehen. Fast von Grund auf verzweigt, streben die Zweige des Prosopis zunächst gerade nach oben und neigen sich dann hängend nach außen. So erinnern sie in vielen Fällen an ein Bündel grüner Straußenfedern. Akazien sind in der Regel viel verzweigter als Prosopisbäume.
Der Prosopis ist etwa von Kamanjab ab im ganzen Land weit verbreitet, besonders entlang der Trockenflussbetten. Man findet ihn als Schattenbaum in vielen Ortschaften und auf Farmgehöften, vor allem in den trockeneren Landesteilen.

Der Baum kann bis 18 m hoch werden, ist in der Regel jedoch drei bis acht Meter hoch. Einstämmige Prosopisbäume mit hängender Krone sind wahrscheinlich P. chilensis, eine Art, die nicht wuchert.
Der Stamm ist dunkel rotbraun, die raue Rinde reißt in lange Streifen auf. Junge Zweige sind intensiv rotbraun und glatt und verlaufen im Zickzack von Dornenpaar zu Dornenpaar. Der Blattstiel entspringt zwischen den beiden Dornen.
Diese sind gerade, paarweise angeordnet, rotbraun, sehr spitz und sehr kräftig und stechen besonders schmerzhaft. Es gibt aber auch völlig dornenlose Prosopisbäume. An großen, alten Bäumen sind die Dornen oft nur wenig ausgebildet.

Zahlreiche, lange, hellgelbe Ährenblüten erscheinen im Oktober.
Die Früchte sind braungelbe bis violette, lange (bis 20 cm), unterschiedlich breite, glatte Hülsen, in denen die Samen in viel süßem Mark eingebettet liegen. P. chilensis trägt weniger üppig als die anderen weiter unten erwähnten Arten.
Bemerkungen: Der Prosopis chilensis wurde 1912 von dem deutschen Regierungsbotaniker Kurt Dinter aus Südamerika in das damalige Südwestafrika gebracht, weil er gut in ariden Gebieten gedeiht, schnell wächst, nahrhafte Hülsen trägt und dichten Schatten spendet. Diese Art ist auch als „Algarroba“ bekannt und wuchert im Gegensatz zu den nachfolgend erwähnten Arten nicht.
Es gibt im südlichen Afrika, also auch in Namibia, noch vier weitere Prosopis-Arten, unter anderem Prosopis glandulosa, Engl „honey mesquite“, Afr. „heuningprosopis“, dessen Blättchen 10 mm- 25 mm lang werden und weit auseinander angeordnet sind oder Prosopis velutina, Engl „velvet prosopis“, Afr. „fluweelprosopis“. Die Blättchen dieser Art sind 6 bis 13 mm lang, stehen dicht zusammen und alle Teile dieses Baumes sind in der Jugend dicht mit samtigen Härchen bedeckt. Diese Arten wurden teils absichtlich, teils versehentlich mit Pferdefutter importiert. Sie stammen vorwiegend aus den südwestlichen Staaten der USA, wo sie unter dem Sammelnamen „Mesquite“ bekannt sind. Manche tragen große Mengen schwefelgelbe, lange, schmale, zwischen den Samen deutlich eingeschnürte Hülsen. Andere haben geringelte Hülsen. Außerdem kommen die verschiedensten Kreuzungen dieser Arten vor, die besonders robust sind, große Mengen Hülsen produzieren und sich im Gegensatz zu P. chilensis sehr stark verbreiten. Dabei verdrängen sie die einheimische Vegetation und bilden oft undurchdringliche dornige Dickichte, zum Beispiel im Auobrivier, im Nossob und entlang dem Oranjerivier. Auf gestörten Böden verbreiten sie sich besonders stark.
© Luise Hoffmann
Dieser Prosopis steht als Schattenbaum an einem Rastplatz an der B1 etwa 40 km von Windhoek in Richtung Okahandja.
In der nördlichen Kapprovinz hat man versucht, die ungezügelte Verbreitung des Prosopis auf biologischem Wege durch das Aussetzen eines artspezifischen Käfers einzudämmen, dessen Larven die Samen zerstören, jedoch ohne nennenswerten Erfolg.
Im Stadtgebiet Windhoeks werden Prosopisbäume chemisch bekämpft, weil sie auf der Suche nach Wasser 200 bis 300 (zwei- bis dreihundert) Meter lange Wurzeln bilden können. Die Wurzeln dringen durch die kleinsten Ritzen z.B. in Kanalisationsröhren ein, die sie dann völlig verfilzen (ich habe z.B. dem Klempner für das Ausräumen einer solchen Röhre kürzlich 900 N$ zahlen müssen.) Die Wurzeln dringen nicht nur durch die engsten Ritzen. Auf der anderen Seite angekommen, verdicken sie sich wieder und wachsen unbeirrt weiter. Deshalb gelangen sie auch unter Fundamente, heben Fußböden an und verursachen Risse in Mauern und Wänden.
Viele Menschen reagieren allergisch auf den Blütenstaub, weshalb man in Windhoek von der „Oktoberitis“ spricht, die offenbar für empfindliche Menschen fast lebensgefährlich werden kann.

In ariden Gebieten ist der Prosopis jedoch ein widerstandsfähiger und sehr willkommener Schattenbaum. Die Hülsen sind ein ausgezeichnetes Viehfutter. Die Samen werden im Mist der Tiere verbreitet, in dem sie beim nächsten Regen gleich die besten Wachstumsbedingungen finden. Außerdem trägt das ablaufende Wasser nach starken Regengüssen die Samen weiter fort, so dass der Baum auch hier stark auswildert und dabei der einheimischen Vegetation das Wasser und die günstigsten Standorte streitig macht. Am Oranje bildet der Prosopis eine Gefahr für den Tourismus. Die dornigen Dickichte verhindern zunehmend, dass die Ruderer an Land gehen können. Besonders im Auobrivier und im Nossob, auch in Teilen des Omarururiviers bildet der Prosopis bereits undurchdringliche, strauchige Dickichte.

In seiner Heimat im Südwesten der USA überwuchert der strauchförmige Prosopis (Mesquite) inzwischen etwa 28 Millionen ha ehemaliges Weideland, das beim Eintreffen der ersten Siedler ab 1890 noch mit einer Vielfalt von Gräsern bedeckt war. Er heißt dort „the tree too tough to kill“, der Baum, der so zäh ist, dass er sich nicht ausrotten lässt‘. Um wie viel größer ist deshalb die Gefahr, dass er auch in Namibia so stark auswildert, wo er keine natürlichen Feinde hat.
Nutzen: Die Hülsen sind ein nahrhaftes Viehfutter und werden auch von Menschen gern gegessen. Die Blüten haben viel Nektar und sind eine gute Bienenweide, die Stämme und Zweige eigenen sich für Einzäunungen, als Brennholz und zur Holzkohlegewinnung. In der Umgebung von Brakwater scheinen die Prosopisbäume systematisch ausgedünnt und als Feuerholz verwendet zu werden. So könnten sie nachhaltig genutzt werden und viele andere Bäume auf den Hügeln um die Stadt würden geschont. Allerdings verdrängen sie auch dort die ursprünglich häufigen Kameldornbäume.

Anpflanzen: Prosopis sollte wegen der genannten negativen Eigenschaften überhaupt nicht angepflanzt werden. Die einzige eventuelle Ausnahme wären P. chilensis-Bäumchen aus einer zuverlässigen Gärtnerei. Sobald man selbst Samen heranzieht, läuft man Gefahr, sich besonders robuste und auswildernde Kreuzungen auf das Land zu holen. Alle im Freien von selbst aufgehenden Prosopispflänzchen sollten möglichst im frühesten Stadium vernichtet werden. Ein besser geeigneter dürrebeständiger Schattenbaum mit nahrhaften Hülsen ist dagegen der Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua) (Karube, Karubenbaum), dessen Wurzelwerk weit weniger aggressiv ist und der nicht auswildert.
Namen: E. Honey locust, mesquite; A. Soetpeul, Suidwesdoring; N/D. /narab. Für den botanischen und den englischen Namen konnte ich keine Erklärung finden. Afrikaans „soetpeul“ bedeutet ‚süße Hülse‘ und bezieht sich auf das süße Mark, in dem die Kerne in den Hülsen eingebettet sind.
„Suidwesdoring“‚ also ‚Südwest-Dornbaum‘, bezieht sich auf den alten Namen Namibias, nämlich ‚Südwestafrika‘, und deutet an, dass dieser Baum in Namibia sehr häufig vorkommt.
Archiv


Wetter

Anzeige
Vorschau

 

Foto des Monats

 

Anzeige
Anzeige