Den Stolz merkt man Jack Chakanga, Referent der Abteilung Umweltschutz bei Wilderness Namibia, an, wenn er über die vielen Eco-Awards spricht, die in den vergangenen Jahren von Wilderness Safaris in Namibia entgegengenommen wurden. Über 39 Wildblumen hat das Tourismusunternehmen, seit 2005 gesammelt. Insgesamt wurden zwölf Lodges und Camps ausgezeichnet. Im Windhoeker Hauptbüro sucht man allerdings vergeblich nach Urkunden und Zertifikaten. Pur sind die Wände; sie tragen lediglich umweltverträgliche Farbe und vereinzelt strahlende Gesichter – Angestellte der Gruppe, die in insgesamt neun Ländern aktiv ist, die inspirierend und motivierend die Besucher begrüßen. „Die Auszeichnungen gehen sofort direkt an die Lodges und Camps“, so Chakanga.
Bis zu fünf Wüstenblumen kann ein Camp, Gästefarm oder Lodge erzielen. Immer abhängig vom jeweiligen Einsatz für Umwelt- und Naturschutz. Dazu zählen neben Müllvermeidung und-entsorgung auch die Nutzung von erneuerbaren Energien auch die Beziehungen zu kommunalen Strukturen vor Ort sowie die Weiterbildung von Angestellten, eben umfassende Ressourcennutzung und -schonung. Unabhängig von Wilderness sind zurzeit insgesamt 28 Unterkünfte unterschiedlichster Art und Standards mit Eco-Awards ausgezeichnet. Die Kriterien sind dabei so ausgewählt, dass selbst der einfachste Campingplatz die höchste Auszeichnung erhalten kann. Wer dazu gehören möchte, muss einiges dafür tun. So genügt es nicht, nur einen Solargeyser auf jedes Bungalowdach zu stellen. Ein umfassendes Konzept ist gefragt. Alle zwei Jahre muss man sich dem Wettbewerb wieder stellen und eine Neubewertung durchführen lassen.

In den Children in the Wilderness-Camps, die regelmäßig stattfinden, soll bei jungen Namibiern ein Bewusstsein für die Natur und ihre unmittelbare Umgebung geschaffen werden.
Seit zwei Jahren arbeitet Jack Chakanga in Windhoek im Hauptquartier der namibischen Wilderness-Gruppe und hat seine Stelle als Guide und Campmanager eingetauscht gegen die Möglichkeit, am Umweltschutzkonzept der Tourismus-Gruppe, maßgeblich mitzuarbeiten. Als studierter Umweltwissenschaftler ist das genau sein Metier. Er kennt beide Seiten. Draußen im Busch und im Camp die praktische Umsetzung sowie die Auswertung und Weiterentwicklung von Umweltschutzmaßnahmen im Büro in Windhoek. Viel funktioniert über den Austausch innerhalb der Wilderness-Gruppe. Regelmäßige Treffen der Umweltschutzabteilungen aller Wilderness-Länder, Botswana, Kongo (Brazzaville), Kenia, Namibia, Malawi, Südafrika, Sambia, Simbabwe und den Seychellen bringen neue Ideen und auch praktische Umsetzungsmöglichkeiten. Für Wilderness gehören der Schutz und die Bewahrung der empfindlichen Ökosysteme von Beginn an zur Firmenphilosophie. „Gewinne aus dem Tourismus“, so Chakanga, „fließen zu großen Teilen zurück in die Gemeinschaften vor Ort, aus Umwelt- und Artenschutzgründen.“ Wilderness ist ein Unternehmen, das sich dem Schutz der Umwelt verschrieben hat. Immer auf der Suche nach dem optimalen Gleichgewicht zwischen Umweltnutzung und Umweltschutz.
Fragt man Chakanga nach dem „Best Practice Projekt“ so hat er die Antwort schnell parat: das Skeleton Coast Camp. Mit fümf Wildblumen auch in die höchste Kategorie der Eco-Awards eingruppiert. Kaum eine Landschaft in Namibia, so Chakanga, sei so empfindlich, kaum ein Ökosystem so umsichtig zu behandeln. Lediglich ein Bohrloch für Frischwasser gibt es vor Ort. Und um eine Ausbeutung der Ressource zu vermeiden, wird das restliche Wasser aus dem 40 km entfernten Purros angefahren. Vor Ort muss es umsichtig in der eigenen Anlage, die mit Mikroorganismen arbeitet wiederaufbereitet werden, bevor es zurück in den Kreislauf darf. In der Küche befindet sich eine Fett-Trennvorrichtung. Gäste erhalten für ihre Körperpflege eigens geeignete Produkte, alles auf biologischer, gut abbaubarer Basis. Das absolute Maximum an Wasserverbrauch liegt bei 100 Litern pro Tag und Person. Zwischen Gast und Angestelltem wird dabei kein Unterschied gemacht. Jack Chakanga behält hierbei den Überblick. Einmal im Monat werden die Wasserverbrauchswerte nach Windhoek durchgegeben und evaluiert. Wäsche waschen ist bei solch reglementierten Mengen nicht drin. Die Lösung: sie wird ausgeflogen. Auf möglichst umweltschonendste Art und Weise. Gemeinsam mit den Gästen werden auch Handtücher und Bettlaken sowie frische Lebensmittel in den Flieger gepackt. Auf dem Rücktransport kommt die Wäsche mit dem Flieger und oftmals mit den Gästen selbst wieder zurück nach Windhoek. Die Flugrouten für solche Transporte sind ausgeklügelt. Der ökologische Fußabdruck soll gerade hier, beim wenig umweltfreundlichen Flugverkehr möglichst klein gehalten werden. So werden so viele Lodgen und Camps wie möglich, aber auch nur wie nötig mit einem Flug angeflogen, Gäste abgesetzt, neue wieder aufgenommen, Lebensmittel und Wäsche verteilt mit möglichst wenigen Flugkilometern. Eine kleine umweltlogistische Meisterleistung.

Mülltrennung - eine Selbstverständlichkeit bei Wilderness Safaris.
Auch die Müllentsorgung will gemeistert werden. In jedem Camp wird der Müll säuberlich getrennt. Die Gäste werden ganz selbstverständlich darauf hingewiesen, gleichbedeutend wie auf die vor Ort stattfindenden Aktivitäten. Das gehört zum Konzept und zum Protokoll. Einmal im Monat wird der Müll per Lastwagen abtransportiert und zurück nach Windhoek gebracht. Das empfindliche Ökosystem wird somit nicht belastet. Eine Herausforderung für Wilderness wird sein, in Zukunft nach geeigneten Möglichkeiten zum Müllrecycling in Windhoek selbst zu suchen.
Die Auflagen der Regierung für den Skelettküstenpark wie auch in den anderen Nationalparks sind streng. Wilderness Safaris ist geübt in der Umsetzung auch schwierigster Rahmenbedingungen. „Innerhalb weniger Stunden sind alle unsere Camps abgebaut und niemand wird auch nur erahnen, dass an dieser Stelle einmal Touristen eine weiche und wohlgemerkt sehr exklusive Schlafstätte fanden. Wir verwenden keinen Zement, nur Segeltuch und Steine, Hölzer und Gräser aus nächster Umgebung.“ Warmes Wasser wird in jedem Camp über Solarenergie erzeugt, Elektrizität kommt an vielen Stellen bereits aus Photovoltaik Anlagen, die von Dieselgeneratoren unterstützt werden, um die Energieversorgung auf gleich hohem Niveau zu halten. Ein Ziel der Wilderness-Gruppe ist aber, sich zukünftig möglichst unabhängig von den Generatoren zu machen und diese nur noch als Back-up für den Notfall zu nutzen. „Elektrizität aus Hybridmotoren, das soll unsere Zukunft sein“, so Chakanga.

Die Camps von Wilderness könnten innerhalb weniger Stunden so abgebaut werden, dass niemand merkt, dass hier einmal Touristen übernachtet haben. Deshalb wird beim Bau kein Zement, sondern nur Segeltuch, Steine, Hölzer und Gräser aus nächster Umgebung verwendet.
Ohne gut ausgebildete Belegschaft ist dies nicht zu schaffen. Zweimal im Jahr besucht Chakanga Camps und Lodgen, schult direkt vor Ort. Neue Mitarbeiter erhalten eine ausführliche Einführung in Windhoek. Umweltprotokolle müssen von jedem Guide und von jedem Angestellten unterschrieben werden. Eine verpflichtende Selbstkontrolle sozusagen.
Gerne würde die Gruppe mehr lokale Frischprodukte direkt vor Ort beziehen. Einerseits um die Gemeinden vor Ort noch besser zu unterstützen und andererseits natürlich auch, um den ökologischen Fußabdruck noch kleiner zu machen. Noch ist das Angebot aber zu spärlich, als hierbei von einem großen Durchbruch sprechen zu können. Eine Herausforderung, der sich Wilderness gerne in der Zukunft stellen will. Mittlerweile sind sie keine Pioniere mehr, wie zu den Anfangszeiten in den 80er Jahren. Vielmehr hat die Gruppe eine Vorreiterstellung eingenommen, an der sie täglich gemessen wird. So ist es für Jack Chakanga selbstverständlich, dass er sich den kritischen Augen der Eco-Awards-Jury auch 2012 wieder stellen wird.
Simone Schickner