
"An so einem Bastkorb arbeitest du schon mal ein paar Tage", weiß der kleine Straßenhändler Job Matheus. Der geschickte 13-Jährige hilft seiner Mutter Katrina beim Verkauf aus. Mit seinen Englischkenntnissen kann er die Kunden einfach besser beraten.
Die Touristin wiegt das Schnitzwerk sorgsam in der Hand. "Für 50 namibische Dollar nehme ich das Nashorn." "Na gut", gibt die junge Straßenverkäuferin schnell nach, obwohl der veranschlagte Preis mit 90 Dollar deutlich darüber lag. Handeln kann der geschickte Kunde auf den Windhoeker Straßenmärkten, bis er ein schlechtes Gewissen bekommt. Zwar herrscht an den Straßen Windhoeks nicht so eine starke Konkurrenz, wie sie etwa auf dem bekannten Holzmarkt in Okahandja die Preise drückt. Doch wird man in Windhoek weit weniger bedrängt. Gemütlich kann man als Tourist die Straßen und Gassen entlang schlendern und nach den begehrten Mitbringseln stöbern, ohne gleich von einer Horde Verkäufer belagert und dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden, wenn man nicht gleich die obligatorische Giraffe konsumiert hat.
Sorgfältig haben die Verkäufer sich und ihre Ware entlang einer Palmenallee in der Innenstadt aufgereiht. Auf Decken am Gehsteig oder auf kleinen Klapptischen thronen Schüsseln, Körbe, Holzbesteck, Schmuck aus Perlen sowie aus Muscheln und sogar namibische Briefmarken. Giraffen in allen möglichen Größen, Nashörner, Nilpferde und Elefanten stehen in ganzen Armeen vor den Besuchern stramm. Doch auch wenn sie sich meist sehr ähnlich sehen, jede der zahllosen Schnitzereien ist ein Unikat. Es ist bereits früher Nachmittag und viele Verkäufer dösen im Schatten der großgewachsenen Palmen. Einige kümmern sich um vereinzelte Kunden, die sich interessiert über ihre Waren bücken, andere fetten ihren Lappen etwas mit Schuhcreme an und polieren die Schnitzereien auf Hochglanz. "Ich komme meist schon gegen sieben Uhr hierher", erzählt Hilia Undhigu. Dann heißt es die Waren auspacken, sie zu säubern und attraktiv für die Käufer anzurichten. Wie alle anderen harrt sie dort den ganzen Tag aus, wartet mit ihrer Mutter Sofia auf neugierige Kunden.
Sie stammen aus Senegal, Sambia oder Kenia. "Alles, was du hier siehst, kommt auch aus Afrika", bestätigt die Verkäuferin. Doch viele der Kunstgegenstände, die man entlang der Fidel Castro Straße und der Post Mall Street erstehen kann, werden immer noch in Namibia gefertigt. "Made in Namibia" sind die Giraffen, die in kaum einem Reisegepäck fehlen, aber auch die geflochtenen Körbe kommen von hier. Die schlichten, aber durch ihre individuelle Maserung einzigartigen Schalen etwa hat Undhigu aus dem Ovamboland im Norden Namibias, wo sie selbst herkommt. Die Gefäße werden handgefertigt aus Dolfholz, das dort überall wächst. Doch auch Eisenholz, das eine stark dunkle Färbung aufweist und für seine Härte bekannt ist, sowie Ebenholz werden gerne für die Schnitzereien verwendet. Für ihren Schmuck hingegen verwendet Penny Petrus gerne Straußeneischalen. Alles, was die etwas rundliche, sympathische Frau auf ihrer Decke ausbreitet, habe sie auch selbst gefertigt. So steht sie hier schon seit mehreren Jahren tagein, tagaus, bis so gegen 16.30 Uhr alle beginnen ihre Sachen wieder in Kartons zusammenzupacken und die Touristen Touristen sein lassen. "Morgen", so Petrus hoffnungsvoll, "ist ein neuer Tag".
Tipps zum Kauf:
Wer wirklich sicher gehen will, dass sein Souvenir auch von namibischen Künstlern gefertigt wurde, kann sich zum Beispiel im Namibia Craft Center umsehen. Die Preise sind hier allerdings meist um einiges höher. "Echt namibisch" sind jedoch auf jeden Fall die Holzschalen aus dem Ovamboland. Aber Vorsicht: Um den Objekten einen ansprechenden Glanz zu verleihen, benutzen die Straßenverkäufer oft Schuhcreme oder auch Bohnerwachs. Wer die Schüsseln für Lebensmittel nutzen will, kann sie daheim einfach unter heißem Wasser reinigen und mit Olivenöl einreiben, um ihnen den gewünschten Schimmer wiederzugeben.