Es steht außer Frage. Sie hat ihre Reize, die kleine Stadt am Fuße des Erongogebirges. Hübsche Kolonialbauten, eine wundervolle Lage, sowie alles, was man so im Alltag braucht. Zudem lockt das kulturelle Angebot Jahr für Jahr mehr Touristen und schürt das Interesse bei Namibiern, aber auch Gästen aus anderen Ländern, hierher, in das etwas abgeschiedene Hinterland Namibias, zu ziehen. Doch das süße Leben in Omaruru? - vor 13 Jahren war es plötzlich aus damit. Die Dampfbäckerei Benz, die sich mit ihrem Naschwerk weit über die Grenzen des kleinen Ortes einen Namen gemacht hatte, schaltete ihre Maschinen ab und wurde verkauft. Für die Bewohner Omarurus ging damit eine Tradition verloren. Doch nicht für immer. Das Ehepaar Urte und Kalli Dörgeloh wollte diesen Verlust nicht hinnehmen und erfüllte sich und den Einwohnern des malerischen Städtchens einen süßen Traum.
"Ich kann mich noch erinnern", erzählt der gebürtige Omaruruer Kalli Dörgeloh, "als wir uns früher immer Geschenke mit Schokolade machten". Geburtstage, Muttertag, Ostern und Weihnachten gehörten zu den Feiertagen, an denen man seine Freunde und Verwandten mit einer Schachtel voller Leckereien aus der Heimatstadt verwöhnte. Zehn Jahre verstrichen, bis die Dörgelohs 2003 ihre Mission aufnahmen, alte Geräte, Formen und originale Rezepte aufkauften und sich zuhause ans Werk machten. Die heimische Küche wurde zum Labor, in dem Urte den Zauber aus Kakao wiedererweckte.
An die 20 verschiedene Konfektsorten stehen "Opfern" der süßen Versuchung aus Omaruru mittlerweile zur Auswahl, von dunkler bis hin zu weißer Schokolade, von der Weinbrand- bis zur Erdnussfüllung. "Wir gehen aber immer auch auf die Anregungen und Wünsche unserer Kunden ein", darauf ist Kalli Dörgeloh bedacht. Mit einigen Geschäften, Hotels und Restaurants in Omaruru, Windhoek,
Swakopmund, Walvis Bay sowie in Tsumeb arbeite man heute zusammen. Zu bestimmten Anlässen lasse man sich zudem immer etwas Besonderes einfallen, an Weihnachten etwa eine Praline mit Apfel-Zimtfüllung. Keine Statik komme in dem Betrieb von Kalli und Urte auf. "Wir sind die ganze Zeit am Experimentieren", so Dörgeloh. Ob Lebkuchen, Müsliriegel oder Marzipanbrot, die Ideen gehen dem Ehepaar nie aus. Ihr lokaler Hintergrund ist den Pralinenproduzenten aus Omaruru wichtig. "So verwenden wir etwa Datteln und Orangen aus der hiesigen Herstellung", erklärt Kalli. Doch auch für die hagebuttenähnliche Rosellablüten aus dem eigenen Garten hat Hauswirtschafterin Urte ein eigenes Pralinenrezept kreiert. Die Schokolade, welche die köstlichen Füllungen bekleidet, kommt allerdings aus Belgien und Südafrika.
Zwar hat sich das Ehepaar inzwischen ein Fabrikgebäude im beschaulichen Industriegebiet Omarurus geleistet und einige Mitarbeiter angestellt. Auch die zum Teil riesigen Gussformen aus den 1950ern sind mittlerweile Geschichte und dienen nur noch zur Dekoration. Doch die Fertigung wirkt immer noch äußerst traditionell und familiär. In einer kleinen Küche werden Schokolade auf die rechte Temperatur gebracht und die Pralinen in ihre Formen gegossen, um abschließend sorgsam ihren Weg in die bunte Verpackung zu finden. Auch bei diesem letzten Schritt lassen die Dörgelohs ihrer Kreativität freien Lauf, gestalten Schachteln mit Afrikamotiven, die die lokale Spezialität zu einem bezaubernden Mitbringsel machen.
In einem heißen Land wie Namibia ist es freilich etwas schwer, sich eine Pralinenfabrik vorzustellen. So mussten etwa erst Mittel und Wege gefunden werden, die empfindlichen Kostbarkeiten vor Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit während der Regenzeit zu schützen - vor allem auch bei den langen Lieferstrecken, die in Namibia überwunden werden müssen. Zudem leiste man immer wieder Aufklärungsarbeit über das Kuriosum in Omaruru, sagt Eigentümer Dörgeloh. "Doch die Namibier sind durchaus Schokoladengenießer", kann er nach drei Jahren im Geschäft bestätigen. Manchmal kämen sogar ganze Wagenkolonnen von einheimischen Besuchern und Touristen zu seinem kleinen Betrieb. Die Fertigung von Ostereiern gehe mittlerweile in die Tausende. Zwar wolle man "Dörgeloh Chocolates" in Zukunft noch etwas erweitern. "Aber das Meiste werden wir auch weiterhin per Hand erledigen", betont Dörgeloh, von der Verpackung bis hin zur individuellen Gestaltung und Verarbeitung der Schokolade. Sorgfalt und persönliche Zuwendung gehörten schließlich zum Erfolgsrezept, zum Zauber der Pralinen aus Omaruru.
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