Er und seine Ideen gehören zu Windhoek wie kaum ein anderer. Andrew Weirs Kunst- und Werbeprojekte sind mittlerweile ein Aushängeschild für die Stadt, wie für Namibia selbst: Bereits zum dritten Mal hat der Designer im vergangenen März wieder den "Gecko Award" für seine Arbeit erhalten. Ein weiteres seiner unzähligen Projekte umwirbt in diesem Jahr das Namibia Craft Center in Windhoek, das ein breites Spektrum an namibischen Künstlern beherbergt.
"Ich bin ein Hightech-Junkie", gesteht Weir. Das sieht man der wundersamen Gestalt mit wilder Mähne im blauen Batikshirt äußerlich allerdings kaum an. Erst ein Blick in die Wohnung des erfolgreichen Designers bietet ein genaueres Bild. Dort stehen noch die älteren Computermodelle, mit denen er angefangen und sich zu einem der Größeren in der namibischen Werbe- und Künstlerszene hochgearbeitet hat.
Schon 15 Jahre lebt der gebürtige Zambier in Namibia. Nach seiner Ausbildung in Südafrika war er damals gekommen, um an der namibischen Unabhängigkeitskampagne zu arbeiten. Seither hat er zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland gewonnen, darunter drei Gecko Awards für seine Werbeprojekte. Letztere machten ihn besonders stolz, "denn der Standard der Richter ist hier sehr hoch". Endlich zahlten sich seine Ideen auch aus, freut sich der Designer über die Reaktionen auf seine Werke.
Dennoch ist ihm der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen. Aber er wolle sich nun mehr dem widmen, was ihm wirklich Freude bereite. "Irgendwann hatte ich einfach genug von der Vermarktungsbranche", sagt der Designer. Auch wenn er hin und wieder noch einen Projektauftrag annehme, ziehe er es vor, über seine Firma "Weirdesign" eigene Produkte herzustellen und zu fördern. Mit einer schlichten Wäscheklammer, die mit dem Namen und der Telefonnummer seines Shops im Namibia Craft Center bedruckt ist, hat er etwa seinen Geckopreis gewonnen: "Ich wollte denen mit meiner Arbeit zeigen", gibt sich Weir eigensinnig, "dass auch die einfachen Dinge funktionieren".
Auf den Karten, die er für das Namibia Craft Center entworfen hat, habe er etwa Motive verwendet, die man in Namibia und vor allem auch in Windhoek jeden Tag sehen kann. "Die Dinge sollen typisch, aber dennoch originell sein", verweist er auf die Visitenkarten. Die quadratischen Flyer zeigen unter anderem eine geschnitzte Giraffe, wie man sie in jedem Souvenirladen und bei den Straßenverkäufern erstehen kann. Der begleitende Text "Don't forget the giraffe" erinnert daran, dass diese beim Heimflug natürlich nicht im Gepäck der Touristen fehlen sollte. So können Besucher im Namibia Craft Center auch die bekannteren Andenken erhalten. Die 27 Aussteller, die in der zweistöckigen Halle vertreten sind, bieten somit eine umfangreiche Auswahl, von der Hereropuppe bis hin zum Marulaöl. "Die Idee ist", so Weir, "etwas zwischen den Artikeln in den teureren Shops Windhoeks und dem üblichen Angebot der Straßenverkäufer zu präsentieren".
Weirs Arbeit ist äußerst vielseitig. Doch namibisch muss es sein. Seine Kreationen stehen oftmals in einem modernen, städtischen Kontext. So kann man an seinem Stand "Maid in Africa", der seit sieben Monaten zum Namibia Craft Centers gehört, mit verschiedenen Motiven bedruckte Taschen, T-Shirts und Schürzen, sowie kolorierte Photos bekommen, die vor allem Leben und Kultur in den Wellblechvierteln Windhoeks thematisieren. Namibia sei eben mehr als die Bilder, die immer in den Touristenbroschüren gezeigt würden, unterstützt ihn seine Frau Micha Mittmann-Weir. "Auch das Urbane gehört dazu." Windhoek sei ja meist nur der Ausgangspunkt oder ein kurzer Zwischenstopp für die eigentlichen Reisen der Urlauber, werde aber zu Unrecht vernachlässigt.
Neben der Herstellung von Artikeln für den Shop und seine eigene Designfirma "Weirdesign" ist er für das Katutura Art Center tätig. Dort unterrichtet er Graphikdesign. "So bringe ich die Studenten in Kontakt mit der Branche", ist sich Weir seiner Rolle bewusst, "und kann zusätzlich noch eine Verbindung mit dem Namibia Craft Center herstellen".
Weir hegt ehrgeizige Pläne für die Zukunft. Zahlreiche Projekte halten ihn in der nächsten Zeit auf Trab, darunter eine Idee, nach der er traditionelle Kunst- und Schmuckobjekte der Himba in Kontakt mit dem Westen darstellen will. Es fasziniere ihn, wie diese Volksgruppe etwa auch westliche Gebrauchsgegenstände in ihrem Schmuck verarbeitete. Zudem sei er sehr dankbar für seine Beteiligung an der Namibia Tourism Expo. Auf der Messe im Mai ist er unter den Ausstellern, um sich einen Namen in der für Namibia äußerst wichtigen Industrie zu machen. Allgemein sei der namibische Markt ja recht konservativ. Doch wenn erst die Touristen Gefallen an seinen eher ungewöhnlichen Arbeiten fänden, würden die einheimischen Geschmäcker folgen. Ein Hauptziel sei für ihn natürlich, auch über die Landesgrenzen hinaus - besonders in Südafrika - noch mehr tätig zu sein. Schließlich sei Namibia nur ein kleiner Markt. Weiterhin wolle er aber seiner Arbeit mit den Studenten vom Katutura Art Center treu bleiben. "Das macht einerseits riesigen Spaß", ist Weir begeistert, andererseits entlohne das Gefühl, etwas für die Jugendlichen in den ärmeren Vierteln zu tun.
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