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Vom 30.04.2008

Abschied von Mike Griffin - ein Kleintierexperte geht in Ruhestand

© Dirk Heinrich
Erst den zweiten lebenden Karasburg-Gecko (Pachydactylus robertsi) konnte Griffin im September 2005 fangen – 30 Jahre nachdem das erste Exemplar gefunden und beschrieben worden war.
Eine Expedition des Los Angeles County Museums führte dazu, dass Mike Griffin 32 Jahre als Experte für Reptilien, Amphibien und Kleinsäuger für die hiesige Naturschutzbehörde arbeitete. In den kommenden Monaten möchte er eine umfangreiche „Rote Liste“ von Namibias Tieren veröffentlichen.

Geboren in Hollywood, wie Mike Griffin mit einem Schmunzeln erzählt, muss er nun im Alter von 60 Jahren und nach 32 Jahren im Dienst für die hiesige Naturschutzbehörde in Pension gehen. In dieses Land kam Griffin im Jahr 1975 zusammen mit seiner Frau Eryn, die er elf Tage zuvor geheiratet hatte. Ein Jahr lang arbeiteten er und seine Gattin für das Los-Angeles-County-Museum und das Nationalmuseum Südwestafrikas. Er konzentrierte sich auf Reptilien, Amphibien und Kleinsäuger, während das Fachgebiet Spinnen von seiner Frau betreut wurde.

Schon nach wenigen Wochen war den Griffins klar, dass sie das Land und seine vielen unbekannten Tiere faszinierte. Als die Expedition zu Ende war, nahm Mike einen Job bei der Naturschutzbehörde an, die damals noch unter die Verwaltung der Kapprovinz fiel. Erst ein Jahr später wurde die eigenständige Naturschutzbehörde Südwestafrikas gegründet. „Danach diente ich in der Naturschutzbehörde unter der Interimsregierung, bevor ich 1990 Beamter im ersten Ministerium für Umwelt und Tourismus des neuen Staates Namibia wurde“, so der Experte. Angestellt wurde Griffin 1976 als Biologe für Reptilien, Amphibien und Kleinsäuger.

„Namibia oder das damalige Südwestafrika hatte die wohl unbekanntesten Kleintiere. Heute sind die Reptilien, Amphibien und Kleinsäuger und deren Habitat die wohl bekanntesten neben jenen in Südafrika auf dem afrikanischen Kontinent“, sagt Griffin. Dies bedeute jedoch nicht, dass alle Arten erforscht seien oder dass deren Status, Vorkommen und Lebensräume genauestens bekannt seien. „Wir haben jetzt die Grundsatzforschung. Diese sollten zukünftige Forscher und Naturschutzexperten nutzen“, so der Fachmann. Noch in diesem Jahr möchte Griffin, der zwar namibischer Staatsbürger geworden ist, aber nach Amerika ziehen wird, wo sich seine Frau bereits aus familiären Gründen seit einigen Jahren wieder befindet, das „Red Data Book“ (Rote Liste namibischer Tierarten) herausbringen. Jede Reptilien-, Amphibien- und Kleinsäugerart wird in dem Buch beschrieben, dazu auch deren Status (bedroht, Bestand gesichert usw.), Vorkommen, ob sie endemisch ist oder nicht und zukünftige Schutzmaßnahmen. 550 Tierarten seien in dem Buch aufgeführt, welches noch vor Ende dieses Jahres erscheinen soll. Zudem hofft der Experte, dass er als Berater hier im Lande benötigt werde und so immer wieder nach Namibia kommen kann.

Traurig stimmt Mike Griffin, dass sein Posten nicht wieder besetzt wird. „Ich habe versucht, Personen für meinen Posten auszubilden, hatte zwei Namibier, aber diese haben es vorgezogen, lieber mehr zu verdienen, indem sie sich für höhere Posten beworben haben, als sich auf diesem Fachgebiet ausbilden zu lassen“, sagt der Forscher. Namibier bestimmter Volksgruppen hätten ein großes Problem, so Griffin, da sie oft die einzigen einer Familie seien, die ein festes Einkommen haben und damit, der Tradition zufolge, den Rest der Familie versorgen müssen. Diese Personen stünden unter Druck, weil die Familien verlangten, dass diese Brotverdiener immer mehr Geld verdienen, damit es dem Rest der oft großen Familien besser geht. „Somit gehen Namibia Fachkräfte verloren, da dem Geld und nicht dem Wissen und der Erfahrung nachgelaufen wird“, so Griffin. Die gleiche Erfahrung musste auch seine Frau beim Nationalmuseum machen, wo sie jahrelang als Spinnenexpertin gearbeitet hatte.

Mikes besonderes Interesse galt den Springmäusen und Eidechsen in Namibia, obwohl die meisten Menschen ihn als Schlangenexperten kannten. „Namibia hat mehr Eidechsen-, Gecko- und Agamenarten als Südafrika. Von den knapp über 140 hier vorkommenden Arten sind fast 70 endemisch. Dies macht Namibia so interessant“, schwärmt der Wissenschaftler. Auch bei den Schlangenarten gibt es einige endemische Arten und selbst die Amphibien in dem Wüstenstaat seien zahlreicher als die meisten Menschen annehmen. So ist in Namibia z.B. die kleinste Krötenart der Welt zu finden. Kleinsäuger in der Namib-Wüste, wie der Goldmull, seien einzigartig.

„Wir hatten einen großen Vorteil in all den Jahren, da wir zusammen in den Busch oder die Wüste gehen konnten. Drehte ich einen Stein um, fand ich eine Spinne für meine Frau. Drehte sie einen Stein um, entdeckte sie eine Schlange für mich“, sagte Griffin. Auch Fledermäuse waren ein Fachgebiet von Mike Griffin, aber meist riefen ihn Personen an, weil sie eine Schlange im Garten oder im Haus hatten. Die meisten Einwohner des Landes würden immer noch zu wenig auf die unzähligen und interessanten Kleintiere achten, meint der Fachmann.

Seinen Posten zu ersetzen wird unmöglich sein. Namibia kann nur hoffen, dass der Experte Mike Griffin dem Land und dem hiesigen Naturschutz nicht verloren geht. Seine Erfahrung und sein Wissen sind nicht zu ersetzen. Zu seinem Abschied Ende März dankten ihm weder der Umweltminister, noch sein Stellvertreter oder der Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt und Tourismus. Sein direkter Vorgesetzter überreichte Griffin eine gläserne Auszeichnung, auf der nicht einmal der Name richtig geschrieben war.
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