Es ist wieder ITB-Zeit. Die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin findet wie gewohnt in der ersten Märzwoche statt. Nicht nur für Namibia ist die weltgrößte Ausstellung des Reisemarktes die wichtigste Veranstaltung im Messekalender eines jeden Jahres. Die ITB dient der Branche vor allem zum Gespräch - zum Kennenlernen neuer Angebote, zum Erfahrungsaustausch, zum Knüpfen und Pflegen von Kontakten und zum Festzurren von Verträgen. Dabei wird viel über Perspektiven für Namibia geredet. Davon hat das Sonnenland viele. Man muss sie nur erkennen - und dann auf das richtige Pferd setzen.
Perspektiven für Namibia in der Reisebranche werden sich aber nur auftun, wenn die Balance zwischen Angebot und Nachfrage gehalten wird. Das hängt ganz stark vom Preis-Leistungs-Verhältnis ab, das leider in den letzten Jahren eine Schieflage bekommen hat. Freilich, Namibia war noch nie ein billiges Reiseland. Und angesichts einer schwachen Währung sowie einer teils galoppierenden Inflation - beide Merkmale sind typisch für ein Schwellenland - sind die Preise immer wieder gestiegen. Allerdings auch weit über das normale Maß hinaus, so dass die Inflationsrate teils verdoppelt wurde. Im gleichen Atemzug ist die Qualität gleich geblieben. Und dies sind die beiden Faktoren, die ein Tourist heute nicht mehr akzeptiert. Preiserhöhungen über das normale Maß hinaus und ohne Gegenwert sind nicht mehr zu vermitteln. - An der Tatsache, dass manche Dienstleister notgedrungen den Preis gesenkt und die Angebote auch für Namibier erschwinglich gemacht haben, kann man ablesen, dass flexible Lösungen möglich sind, wenn man den Willen dazu aufbringt. Die Namibier nehmen solche Angebote dankbar an. Und schon zeigt sich, dass sich auch bei den Dienstleis-tern die Erkenntnis durchsetzt: Ein belegtes Bett zu einem geringeren Preis ist allemal besser als ein freies Bett.
In Zeiten wachsender Konkurrenz der Reiseziele und angesichts der ökonomisch instabilen Zeiten, in denen die Menschen aus Zukunftsangst immer mehr aufs Geld schauen, werden sich nur die Anbieter durchsetzen, die ein attraktives Angebot und dafür einen gerechtfertigten Preis bieten. Der Weg dorthin führt über eine Auslese, die in Namibia bereits begonnen hat. Unterkünfte schränken ihr Angebot ein oder schließen gar die Türen, auch andere Dienstleister verschwinden. Die Tatsache, dass Reisebüros und -veranstalter dazu gedrängt werden, die gebuchten Leistungen ihrer Kunden immer langfristiger im Voraus - und dann möglichst den vollen Betrag - zu bezahlen, zeugt überdies von einem Hauch der Verzweiflung in der Branche.
Machen wir uns nichts vor: Eine Marktbereinigung - egal, in welcher Branche und in welchem Land sie stattfindet - ist keine schlimme Sache, sondern gut und wichtig für die Qualität eines Sektors und letztlich für das Vertrauen und weitere Kaufentscheidungen des Kunden. Wer stets nur noch an der Oberfläche, sprich mit Dumpingpreisen und 0815-Angeboten gefischt hat, wo die Qualität ohnehin auf der Stre-cke geblieben ist, wird es in Zukunft schwer haben. Solche Angebote waren/sind nicht nur verwirrend, sondern schädigen langfristig den (seriösen) Markt sowie den Ruf eines Reisezieles.
Angesichts der Veränderungen auf dem Reisemarkt wünsche ich gute Gespräche und Ideen am Namibia-Stand auf der ITB 2012. Hoffentlich kehren Aussteller und Fachbesucher mit neuen Perspektiven heim!











