Im weitgehend naturbelassenen Namibia mit Großräumen für Natur- und Landschaftsschutz sowie Wildschutz hat während der vergangenen 50 Jahre eine vielversprechende Umwelt-Entwicklung stattgefunden. Die Attraktivität Namibias als touristisches Reiseland und Jagdreiseziel hat sich damit verstärkt. Vor dem Hintergrund der brisanten, auch polemisch geführten Diskussion um die Landreform nach der Unabhängigkeit könnte es als Paradox verstanden werden, dass einmal immer mehr Landflächen und Ländereien unter Naturschutzverwaltung gestellt werden - 1990 waren es 13% und jetzt sind es über 40% - und zum Anderen, dass die Arbeitslosigkeit unakzeptabel hoch bleibt und je nach Definition sogar von 35% auf 51% gestiegen ist. Wie kann es sein, dass bei der chronischen und oft beklagten Armut eines Großteils der Bevölkerung und beim Ruf nach beschleunigter Landreform/Landumverteilung immer größere Flächen des Landes unter Naturschutz gestellt werden und damit also der Neuansiedlung und ähnlicher ländlicher Arbeitsbeschaffung entzogen werden?
Das Bild der Landnutzung unter der Vorgabe nachhaltiger Verwendung der Ressourcen sieht jedoch viel differenzierter aus, so dass der "gemischte Naturschutz" im Rahmen des Konzepts der Hegegebiete heute viel mehr Arbeitsplätze schafft als vor 50 Jahren. Damals war der Naturschutz säuberlich auf Wildreservate beschränkt und die reine Viehzucht auf der anderen Seite duldete in der Regel keine konkurrierenden Grasfresser wie Oryx oder Bergzebra, so dass bei einem Farmangebot das Prädikat "wildfrei" gar als Qualitätssteigerung der Rinderweide galt.
Die gemischte Bewirtschaftung mit den Möglichkeiten der Viehzucht, Wildfarmerei, Trophäenjagd, "Fleischjagd" und des reinen Safari- und Fototourismus in getrennter Ausrichtung oder in verschiedener Kombination auf einer Farm mittlerer Größe haben heute mehr Möglichkeiten der nachhaltigen Bodennutzung geschaffen und bieten oft mehr Arbeitsstellen, als man es sich vor einem halben Jahrhundert vorstellen konnte. Dass die früher buchstäbliche und sehr individuelle Südwester Gastfreundschaft durch die Kommerzialisierung des Jagd- und Besucherbetriebs in damaliger Gestalt nicht mehr möglich ist, liegt auf der Hand. Mitunter ist der nostalgische Seufzer zu hören, wie die "gute alte Zeit" doch so "gastfreundlich" gewesen sei, was bei der geringen Bevölkerungsdichte von etwa 700000 Menschen in ganz Namibia und bei nur wenigen hundert Besuchern und Jägern pro Jahr zutraf. Aber die Zeit bleibt nicht stehen, denn die jährliche Touristenzahl nähert sich der Million und die der Jagdtouristen rechnet in etlichen Tausend.
Aber nach wie vor ist Namibia kein Massentouristenland. Kluge Betreiber von Gäste- und Jagdbetrieben sowie Safari-Touren verstehen es durchaus, die persönliche und individuelle Note "der guten alten Zeit" zu redlichem Tarif auch im 21. Jahrhundert zu vermitteln. Und das alles im neuen Namibia, wo die Regierung und Privatwirtschaft großen Wert auf naturbelassene Areale legen, wo die Lokalbevölkerung in den Hegegebieten direkt in den Fremdenverkehr, die Wildhege und die Jagdführung eingebunden ist. Für Jagd und Hege hat die Zukunft schon begonnen.










