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Vom  7.02.2008

Ein Kleinod verpflichtet


Historischer Zufall, ja eine Laune der Kolonialgeschichte hat dafür gesorgt, dass Namibia in seiner geographischen Bandbreite von der kargen Wüste am Atlantik bis in die Feuchtgebiete der großen afrikanischen Flüsse reicht. Von Livingstones Afrika darf die Rede sein, wenn wir über den Caprivi-Zipfel sprechen, denn der ausländische Tourist genauso wie der einheimische Besucher erfährt die Nordostregion am Vierländereck Namibia, Sambia, Simbabwe und Botswana stets wie ein Entdecker.

Im näheren Nordostraum des Zipfels treffen noch Angola, Namibia und Sambia am Dreiländereck aufeinander. Dazu eine Laune, eine liebenswürdige Schrulle der Geschichte: Die Region und ihre Einwohner sind weltweit darin einzigartig, dass sie sich nach einem deutschen Reichskanzler benennen (Leo von Caprivi, geb. 1831, gest. 1899). Just weil die Caprivier mit ihrem Namen unzeremoniell umgehen und sich nicht um seine Herkunft scheren, ist er erhalten geblieben. Ausschlaggebend war ebenso, dass der Name nahtlos ins Klangbild und in die Phonetik der lokalen Sprachen und der Ortsnamen passt.

Der Grenzbegegnung der vier, fünf Länder liegen die Flüsse Sambesi und der schlängelnde Kwando direkt zu Grunde. Sie bestimmen die Umwelt und schaffen im kleineren Maßstab auf namibischem Boden Überschwemmungs- und Feuchtgebiete, die sich mit den Okavango-Sümpfen in Botswana vergleichen lassen. Deshalb trifft der Besucher hier in den zwei größeren Nationalparks von Mudumu und Mamili eine Artenvielfalt der Tierwelt an, die ansonsten nur aus den gro-ßen Nationalparks Ostafrikas bekannt ist.

Damit stellt die Region Caprivi und stellen insbesondere ihre Naturparks eine besondere nationale Verpflichtung dar, das einzigartige kostbare Naturerbe nicht nur für Namibia und seine Besucher zu erhalten, sondern auf den grenzübergreifenden Kavango-Sambesi-Friedenspark vorzubereiten. Die Anrainerstaaten haben diesen Friedenspark schon vereinbart, aber wie alle solche Projekte verlangt die Umsetzung dieses Konzepts Zeit - afrikanische Zeit. Wie andere benachbarte Parks im südlichen Afrika zeigen, der Ai-Ais-Richtersveld-Park auf angrenzendem südafrikanischem und namibischem Boden sowie der Kgalagadi-Park zwischen Südafrika und Botswana, bricht sich der Friedenspark eine neue Bahn, die Mensch und Tier zugute kommt. Man denke an die großen Elefanten- und Büffelherden, denen sich damit wieder längere Migrationswege öffnen, grenzüberschreitend eben.

Für den Selbstfahrer gleicht eine Safari in den Caprivi, wahrscheinlich verbunden mit einem Besuch der Viktoria-Fälle in Simbabwe und eine Rast am botswanischen Chobe, auch heute noch einer kleinen Expedition, die sorgfältige Vorbereitung und Planung verlangt. Die Belohnung dafür ist überwältigend!

Die Region Caprivi als namibische Außenprovinz, als Touristenziel und als Baustein des Friedensparks lockt als Reiseziel, will aber kritisch in die Zukunft begleitet werden.
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