Trotz seiner geographischen Ferne zur namibischen Hauptstadt und zu den Verwaltungszentren der direkten vier Nachbarländer nimmt der Caprivi-Zipfel, die Region Caprivi, wie sie heute mehr genannt wird, eine ständig bedeutendere Rolle als touristische und ökonomische Drehscheibe ein. Nach der skurrilen Entstehung als Ergebnis eines rein kolonialen Landhandels zwischen dem deutschen Kaiserreich und Großbritannien 1890 hat der Zipfel zunächst Jahrzehnte in nahezu musealer Isolation geschlummert, aber dann wurden die Menschen durch den Unabhängigkeitskampf um Namibia in den siebziger Jahren jäh aus dem Dornröschenschlag gerissen. Die Region rückte während der Apartheidszeit ins militärstrategische Interesse von Südafrika, wodurch neben einigen Militärstützpunkten plötzlich gute Fernstraßen, ein Flughafen, eine begrenzte Energieversorgung und neue Schulen entstanden.
Zum Glück hat es - abgesehen von Kommando-Operationen in die Nachbarländer Sambia und Angola – während der Kampfphase um die Unabhängigkeit fast keine Gefechte auf dem Caprivi-Boden gegeben. Die Bevölkerung – es gibt drei Hauptgruppen, Mafwe, Basubia und Mayeyi - hat sich während der militärischen Phase und auch danach stets durch gute zwischenmenschliche Beziehungen ausgezeichnet. Selbst während der Apartheidszeit war das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß hier viel gelassener als im übrigen Namibia. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Caprivi niemals als Siedlungsregion für Europäer herhalten musste und den traditionellen Führern und ihren Räten selbst unter der Kolonialverwaltung ein hohes Maß an Autonomie bewahrt geblieben war. Dass die geographische, kulturelle und teils auch politische Ferne zu Windhoek auch separatistische Ambitionen hervorgerufen hat, wie der Aufstand von 1999 belegt hat, ist vor der Kulisse willkürlicher kolonialer Grenzziehung und der engen kulturellen und ethnischen Verwandtschaften vor allem mit Sambia verständlich, aber es handelt sich keineswegs um eine Mehrheitsbewegung.
Die Mitgliedschaft aller Anrainer in der Staatengemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC) sowie die Ausrufung des noch recht jungen regionalen, grenzübergreifenden Friedens-Naturparks KAZA (Kavango Zambesi Transfrontier Conservation Area), der mit der Region Caprivi als geographische Mitte die besten Naturschutzgebiete der Nachbarn Angola, Sambia, Simbabwe und Botswana einbindet, hebt die Bedeutung der Region als Touristenziel und als regionaler Knotenpunkt erneut hervor. KAZA ist ein Triumpf für die Erhaltung afrikanischer Fauna und Flora sowie der friedlichen Nutzung der Ressourcen.
Das Profil der Region Caprivi wächst somit weiter als attraktives Ziel in eigenem Recht sowie als Sprungbrett zu weltberühmten Sehenswürdigkeiten wie die Viktoria-Fälle und das Inland-Delta des Okavango mit wildreichen Sumpfgebieten. Man kann den nächsten Jahren in dieser Region mit Spannung entgegensehen.