Namibia konnte von 2005 zu 2006 ein Wachstum von sieben Prozent in der Anzahl der Einreisenden und der Touristen verzeichnen. Kamen 2005 noch 321 773 Touristen ins Land, besuchten Namibia 2006 schon über 405 904 – das sind etwa 80 000 „echte“ Urlauber mehr - eine tolle Leistung für die namibische Tourismusbranche.
Die vom Tourismusministerium vorgelegten Zahlen können aber nicht die nächsten Jahre voraussagen. Wie und wo machen die Deutschen, die Engländer, die Südafrikaner in Zukunft Urlaub? Diese Frage müssen sich Touristikunternehmen immer wieder stellen. Trendstudien könnten hierbei helfen. Doch die meisten zeigen: Von allem etwas, von nichts zuviel, und es kann auch genau anders kommen als prognostiziert. Eine Beliebigkeit ist weder den Statistiken noch den Trendstudien abzusprechen. Die Zukunft kennt keiner. Man kann nur mögliche Szenarien entwerfen, anhand von gegenwärtigen Daten und Entwicklungen.
In Deutschland wurden vor kurzem die folgenden Trends identifiziert: Erstens, die Schere zwischen Billigurlaub für die Masse und absolutem Premiumurlaub für die Reichen wird weiter auseinander klaffen. Beide Segmente werden wachsen, während die Mittelschicht für das Tourismusgeschäft immer unbedeutender wird. Also: entweder ganz billig oder ganz teuer. Zweitens, Senioren (60+) wachsen mit ungefähr 30 Prozent zur größten Bevölkerungsgruppe an. Sie unternehmen auch im hohen Alter noch Reisen, die aber mit der Bus-Kaffeefahrt nicht mehr viel zu tun haben werden. Gefragt sind individuelle Angebote, die auf die Bedürfnisse der bereits sehr reiseerfahrenen Gruppe zugeschnitten sind. Studien- und Erlebnisreisen einerseits, Gesundheits- und Sportreisen andererseits.
Drittens, der Markt für Präventions- und Gesundheitsangebote im Urlaub wird weiter wachsen. Die Menschen wollen den Urlaub nutzen, um etwas für ihren Alltag zu tun, um sich fit zu machen, sich vorzubereiten. Boot Camps des Arbeitgebers, bei denen man etwa Sprach- oder Computerkenntnisse erwirbt, Projekturlaub, währenddessen man Wissenschaftlern hilft oder Straßenkinder betreut - tendenziell ist mehr Aktivität gefragt. Auch der Klimawandel hat einen Einfluss. Durch die zunehmende Hitze im Süden werden viele Menschen es vorziehen, ihren Sommerurlaub an Nord- und Ostsee oder in Skandinavien zu verbringen. Außerdem: Dadurch, dass es immer mehr Singles und weniger Paare mit Kindern gibt, ist man in Europa nicht mehr an Schulferien gebunden. Die Nebensaison wird so ein Stück weit zur Hauptsaison. Viertens, Pauschalreisen bleiben im Trend.
Der namibische Tourismussektor sollte die Trendforschung in den für uns wichtigsten Märkten genauestens untersuchen. Denn in diesen Entwicklungen können wir auch für uns neue Möglichkeiten entdecken.