Im europäischen spät-kolonialen Expansionsdrang des 19. Jahrhunderts ist manch junger Mann, häufig aus kinderreicher Familie, „in die Welt hinausgezogen“, um sein Glück zu suchen oder um dem abenteuerlichen Lockruf ferner Länder zu folgen. Wie angesehen war ein solcher Mann, der dann nach mehreren Jahren sonnengebräunt und gar wohlhabend in das heimatliche Milieu bürgerlicher Enge zurückgekehrt ist und wundersame Geschichten aus der großen weiten Welt erzählen konnte. Dabei darf nicht unterschlagen werden, dass natürlich nicht jede Auswanderer- oder Abenteuer-Existenz im Glück sondern auch in Krankheit und Armut enden konnte.
Aus heutiger Sicht kann man die Entdecker-, Kolonial- und Abenteuerzeit leicht idealisieren, vor allem aus dem Rahmen modernen Komforts und weltweiter elektronischer Vernetzung mit sofortigem Zugriff direkter Kommunikation und Verständigung. Derweil es sozusagen keinen unentdeckten Winkel mehr auf der Welt gibt, locken dennoch viele abenteuerliche Fernziele. Und Namibia hat sich darin schon einen festen Platz gesichert, nicht nur durch die jährliche Präsenz bei der weltweit größten Touristikmesse in Berlin (ITB), sondern auch beim Weltverband ATTA, der sich ausdrücklich auf Abenteuer-Reisen spezialisiert (Adventure Trade Travel Association).
Dieser Verband hat gerade sein jährliches Treffen in Chiapas/Mexiko abgehalten und Namibia spekuliert nun darauf, dass dieser Verband seinen übernächsten Kongress in zwei Jahren im Abenteuer-Land Namibia abhält. Das Land zwischen den Wüsten und am Wendekreis des Steinbocks gelegen hat einen Fuß in der Tür, um vom Weltkuchen der Abenteuerreisen in Höhe von 89 Milliarden US-Dollar einen kleinen Teil abzubekommen. Dabei haben abenteuerlustige Kenner das Wüstenland Namibia schon über Jahrzehnte aufgesucht, um das exklusive Erlebnis mit Nervenkitzel zu erfahren, das nun durch die kommerzielle Abenteuer-Vermarktung zeitgemäß sozusagen als Adrenalin-Paket angeboten wird. Da kann Namibia etliches bieten. Ballon-Flüge, Dünenski, Fallschirmspringen, Muli-Safaris am Fischfluss-Canyon, Kanu-Trips durch die Stromschnellen des Oranje, Segelflüge mit Bedingungen für Weltrekordleistung und Allrad-Wüstenstrand-Safaris zwischen Lüderitzbucht und Walvis Bay Und die Serie könnte mit Exkursionen in den Skelett-Küstenpark fortgesetzt werden.
Die abwechslungsreiche Landschaft, die dünne Besiedlung und riesige Natur-belassene Areale – darunter prominente Hegebiete – bieten den unverwechselbaren Rahmen zu abenteuerlichen Erlebnissen, bei denen nicht die Todesgrenze erprobt werden muss, sondern der abgesicherte Nerven- und Erlebnisreiz auch ohne Grenzrisiko zu erfahren ist.
Bei der ständigen Suche der Touristikbranche nach Neuerung und zündendem Angebot bleibt es für Namibia unbedingt lohnend, den Fremdenverkehr der kleinen exklusiven Gruppe – vor allem im Kontext der Abenteuerreisen – weiter zu verfolgen und sich nicht in den Massentourismus zu begeben. Gerade bei Abenteuertrips gehört die Exklusivität am Ende zum festen Bestandteil des Urlaubs, von dem man seinen Freuden nach der Rückkehr berichten und wovon man selbst noch lange zehren möchte.
Namibia bildet dafür das ideale Reiseziel.