Warme Nachmittagssonne hüllt den kleinen Flugplatz am Rande der Wüste in weiches Licht. "Rostock Ritz International Airport" steht auf der Hangarwand des kleinen Gebäudes, ein liebevoller Scherz des Inhabers, Wolfgang "Kücki" Kühhirt, seines Zeichens Inhaber der Lodge, die zwischen den roten Dünen der Namib liegt.
Leise brummt es in der Luft, als das nächste Kleinflugzeug zunächst einen großzügigen Kreis über den Hangar und das gemütliche Festzelt zieht und dann zur Landung ansetzt. Ein großes Hallo von allen Seiten zeigt bei jedem neuen Gast, dass man sich kennt und auf die gemeinsamen Tage freut.
"Fly-In" heißt das jährlich stattfindende Spektakel, das in diesem Jahr zum achten Mal stattfand. Das Motto 2012 war Programm: "Fun in the sun"
Wer hier dabei sein darf, muss zu den Besten gehören, um sein Können unter Beweis zu stellen. Piloten mit 14 Flugzeugen aus Namibia, Südafrika und sogar Belgien nahmen teil und brachten ihre Frauen oder Freunde mit. Manche Familien kamen per Auto nach, und je mehr Flugzeuge landeten, umso ausgelassener wurde die Laune; Lachen und freudiges Stimmengewirr machten sich auf dem Flugfeld breit.
Da flogen schicke, viersitzige Cessnas und Flugzeuge, die fantasievollen, blauen Paradiesvögel ähnelten, ein. Kleine gelbe Maschinen, in die gerade nur zwei Personen mit wenig Gepäck passten und rote "Flitzer", die für akrobatische Vorführungen geradezu prädestiniert waren, ergänzten die bunte Mischung von Flugzeugen verschiedenster Typen.
Am Freitag, dem 1. Juni war großer Ankunftstag. Gemeinsam stimmte sich die Gruppe mit einem leckeren Abendessen in der Rostock Ritz Desert Lodge auf den kommenden Tag ein, an dem die Piloten ihr Können zeigen würden.
Nach dem professionellen Briefing am frühen Morgen und der obligatorischen Einweisung für Piloten wurde von jedem Flugteam eine "Bombe" präpariert, die sie mit einer Action-Spielzeugfigur, Mehl und Steinen bestückten und später über einem festgelegten Ziel abgewerfen mussten. Die Action-Figur wurde als "hate-man" bzw. "hate-women" deklariert, wahlweise durften beliebte Menschen wie Schwiegermütter oder Exfrauen im Teilnahme-Formular eingetragen werden, um den Spaßfaktor zu erhöhen. Das Formular enthielt einerseits wichtige Regeln mit unabdingbaren Anforderungen wie gültigen Lizenzen für Pilot, Copilot und Flugzeug und anderseits spaßige Bemerkungen wie die Aufforderung, die gestellten Fragen doch bitte nur in "offiziellen namibischen Amtssprachen wie Englisch, Afrikaans, Deutsch oder Chinesisch" auszufüllen.
Konzentriert steckten die Teams ihre Köpfe zusammen, verglichen Navigationsgeräte mit Landkarten, machten eifrig Notizen und kicherten über die Spaßfragen. Zwischen 30 und 40 Minuten Flugzeit standen jedem Team bevor und die Spannung stieg merklich. Der Ostwind zerrte zunehmend an Gräsern und Büschen und Staubwolken drehten sich wirbelnd auf der Startbahn, während die Morgensonne die Ebene in leuchtende Rot-, Gelb- und Brauntöne aller Schattierungen tauchte.
Zwischen den Bergen und Tälern versteckt, die die weite Ebene um Rostock Ritz Desert Lodge umgeben, wurden die "Bomben" in einen kleinen Krater abgeworfen, der das Ziel markierte und wer diesem am nächsten kam, ohne dass die Spielfigur allzu sehr zerstört wurde, würde der große Gewinner des Tages sein.
So exakt wie möglich zu treffen, klang leichter als gesagt, denn der Ostwind fegte über das Flugfeld und machte jeden Start und jede Landung zu einem eigenen Abenteuer. Punktgenau musste beim heftigen Rütteln des Flugzeugs die Bombe aus dem Fenster abgeworfen werden und freudige Aufregung machte sich bei Pilot und Copilot breit, wenn sie ihr Ziel erreichten.
Am Nachmittag waren Punktlandungen angesagt, die großes fliegerisches Können und Augenmaß voraussetzten. Die Begeisterung dafür wurde nur von der wundervollen Flugakrobatik einiger Teilnehmer am strahlend blauen Himmel überboten.
Sicherheit stand bei allem Spaß stets im Vordergrund und so verlief das gesamte Wochenende ohne Probleme und unnötige Risiken. Die Landebahn war im Vorfeld erneuert worden, Stellplätze für die Flugzeuge wurden eingerichtet und der gesamte Flugplatz mit einem Sicherheitszaun umgeben, so dass Wildtiere - besonders Zebras, die nachts das Flugfeld gerne als "Rennbahn" benutzten - nicht gefährdet wurden.
Noch während einzelne Flugzeuge unterwegs waren, summte es plötzlich über den Köpfen der Gäste und Piloten im Festzelt und eine ganz besondere Besuchergruppe sagte sich per Funk an: Acht Ultraleicht-Flugzeuge des Typs "Tragschrauber" setzten nacheinander auf der Landebahn auf und sorgten für ein heiteres Spektakel. Von Windhoek aus waren die Piloten mit je einer Begleitperson mehrere Tage unterwegs, um neben Zwischenzielen wie Otjiwarongo, Cape Cross, Henties Bay und Sossusvlei auch das Fly-In auf Rostock Ritz zu besuchen. Die verschiedenen Modelle der kleinen, wendigen, in Deutschland produzierten Gyro-Kopter nutzen den Rotor nicht zum Fliegen an sich, sondern er dient als Flügel, erklärte der Fachmann Guido Platzer der AutoGyro GmbH in Hildesheim: "Der große Rotor ersetzt den Flügel beim Fliegen, und das macht diese Gyro-Kopter wenig windanfällig".
Somit können diese Ultra-Leichtflugzeuge, mit denen man bis zu vier Stunden in der Luft bleiben kann, Vieles leisten. Sie ähneln in ihrer Funktionsweise ein wenig Hubschraubern. In der Luft scheint das handliche Gerät auf dem Punkt zu schweben, braucht kaum Platz für Start und Landung und meistert auch große Höhen und Entfernungen scheinbar mühelos. Getankt wird schlichtes Super-Benzin und die Cessna-Piloten stellten sich mit Erheiterung die Gesichter der Tankwarte vor, wenn so ein kleiner Flieger an einer Tankstelle landet.
Wie bei einem Auto-Cabrio lässt sich bei den neueren Modellen ein leichtes Plastikdach an- und abbauen, so dass man vom Wetter nahezu unabhängig ist. Normalerweise sitzt man in den bisherigen Tragschraubern hintereinander, doch die Produktionsfirma hat bereits ein breiteres Modell entwickelt, das das Sitzen nebeneinander wie in einem Kleinflugzeug ermöglicht. Praktische Einsatzmöglichkeiten für die Gyro-Kopter finden sich u.a. auf Farmen, um Rinder und Wild mühelos zu beobachten und zu überwachen.
Akrobatische Vorführungen der kleinen Ultraleicht-Flieger sowie der Cessnas und anderen Kleinflugzeuge rundeten einen erlebnisreichen Tag ab, der für Piloten wie Gäste viele Besonderheiten bot und mit heiteren Preisverleihungen und schwungvollen Reden in der Lodge endete. Nicht das Gewinnen der einzelnen Wettbewerbe stand im Vordergrund, sondern die Freude am gemeinsamen Hobby, das für viele auch Beruf ist, und vor allem die eingeschworene Gemeinschaft, die alle Herren der Lüfte verbindet, wie Kücki betonte: "Das Gewinnen ist nur das Sahnehäubchen auf der Spitze!"
Der Sonntag war der Abreise und dem Abschied gewidmet, voller Vorfreude auf das nächste Wiedersehen. - Spätestens beim nächsten Fly-In auf der Rostock Ritz Desert Lodge, einem ganz besonderen Ort der Entspannung und Schönheit unweit der majestätischen Dünen von Sossusvlei, der seinem Slogan besonders an diesem Wochenende alle Ehre machte: "Freiheit bis zum Horizont."
















